Lufthansa-Streik: Flugbegleiter geben Entwarnung bis Mitte Oktober

Kunden der Lufthansa können aufatmen, jedenfalls für die nächsten Wochen. Fluggesellschaft und Gewerkschaft haben sich auf ein Schlichtungsverfahren geeinigt. Jetzt bekräftigte Ufo-Chef Baublies: Bis zur zweiten Oktoberhälfte werde es keine Streiks mehr geben.

Streikfüher Baublies: Entwarnung bis Oktober Zur Großansicht
dapd

Streikfüher Baublies: Entwarnung bis Oktober

Hamburg - Jetzt soll erst einmal alles wieder wie gewohnt laufen - bzw. fliegen: Nach den größten Flugbegleiter-Streiks in der Geschichte der Lufthansa müssen Passagiere nach Gewerkschaftsangaben bis in die zweite Oktoberhälfte solche Behinderungen nicht mehr fürchten. So lange werde das von einer Friedenspflicht begleitete Schlichtungsverfahren mindestens dauern, sagte der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies: "Weniger als sechs Wochen sind für die Schlichtung nicht realistisch."

Zwar seien bei einem Scheitern des am Freitag vereinbarten Verfahrens weitere Arbeitsniederlegungen möglich. "Das haben wir jetzt aber nicht im Visier." Von dem Streik waren über 100.000 Reisende betroffen - jetzt können Fluggäste vorerst aufatmen.

Als mögliche Schlichter ist nach SPIEGEL-Informationen Altbundespräsident Horst Köhler im Gespräch. Es gibt aber auch Berichte, in denen der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier, der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering und Hamburgs Ex-Bürgermeister Henning Voscherau genannt werden. "Keiner von denen ist utopisch", sagte Baublies. Allerdings habe die Gewerkschaft noch nicht einmal bei möglichen Wunschkandidaten angefragt. "Wir haben intern ungefähr zehn Namen im Gespräch", sagte der Gewerkschaftschef. "Mit der Lufthansa werden wir uns dann über drei bis fünf Namen austauschen."

Wer wird der Schlichter?

Beide Seiten haben sich darauf verständigt, bis Mittwoch ein Schlichtungsabkommen zu unterzeichnen. "Wenn wir Glück haben, haben wir uns bis dann auch auf einen Schlichter geeinigt", sagte Baublies. Angestrebt werde eine Einigung über die Person im Laufe der Woche.

Für Verwirrung hatte am Samstag ein Baublies-Zitat gesorgt, das das Magazin "Focus" in Umlauf bracht. In einer Vorabmeldung war von erneuten Streikdrohungen die Rede. Wenn Lufthansa stur bleibe, "streiken wir alle vier oder alle 14 Tage oder alle drei Wochen mal". Baublies sagte am Sonntag, diese Äußerungen seien bereits vor dem Waffenstillstand vom Freitag gefallen, und sandte Friedenssignale an die Lufthansa: "Eine Lösung ist nun viel einfacher geworden."

Die Lufthansa hatte am Freitag überraschend eine Kernforderung der Gewerkschaft erfüllt und damit nach Ufo-Angaben den Weg für ein Schlichtungsverfahren freigemacht. Das Unternehmen will keine geringer entlohnten Leiharbeiter mehr auf seinen Berlin-Flügen einsetzen und diesen Beschäftigten Übernahmeangebote machen.

Über dieses Thema und die noch umstrittene Übertragung von Europa-Flügen an eine konzerneigene Billigfluggesellschaft wollen beide Seiten nun in gesonderten Verhandlungen sprechen, die parallel zum Schlichtungsverfahren geführt werden. Denn dort geht es nur um die offizielle Tarifforderung der Gewerkschaft: Sie verlangt Gehaltserhöhungen um fünf Prozent bei einer Laufzeit von 15 Monaten. Die Lufthansa hat dagegen eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten.

Der Tarifkonflikt dauert bereits länger als ein Jahr und war zuletzt eskaliert. Am Freitag - dem dritten und bisher umfassendsten Streiktag der Flugbegleiter - musste das Unternehmen etwa die Hälfte der planmäßig 1800 Flüge streichen. Zu den Kosten des Ausstands am Freitag machte ein Lufthansa-Sprecher keine Angaben. Das Unternehmen hatte die Umsatzeinbußen an den ersten beiden Streiktagen auf einen zweistelligen Millionenbetrag beziffert.

Lufthansa-Chef Christoph Franz will die Kosten senken, da die harte Konkurrenz dem Unternehmen das Leben schwermacht. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm auf und verlangt, dass auch die Bord-Servicekräfte einen Beitrag leisten.

otr/Reuters

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