Geldforderungen der Lufthansa Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO stürzt ins Chaos

Zu Unrecht bezogene Gehälter? Champagner und Austern auf Firmen-Kreditkarte? Einzelne Vorstände der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO werden nach SPIEGEL-Informationen mit harschen Vorwürfen überzogen.

Lufthansa-Jets am Flughafen Frankfurt am Main
REUTERS

Lufthansa-Jets am Flughafen Frankfurt am Main


Die Kabinengewerkschaft UFO steckt nach SPIEGEL-Informationen in finanziellen Turbulenzen. Grund sind Geldforderungen der Lufthansa an die Arbeitnehmerorganisation und fragwürdige Abrechnungen des Ex-UFO-Vorsitzenden und heutigen Vorstands Alexander Behrens. Behrens sitzt auch im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Die Gewerkschaft soll für ihren Chef Nicoley Baublies und einen weiteren UFO-Funktionär der Lufthansa mehr als eine halbe Million Euro erstatten - als Ausgleich dafür, dass die beiden Flugbegleiter zwischen 2015 und 2018 zwar ihr Gehalt bezogen, aber ihrer normalen Tätigkeit an Bord von Lufthansa-Flugzeugen nicht nachkommen konnten, weil sie überwiegend mit Tarifverhandlungen beschäftigt waren.

Baublies hatte mit der UFO 2015 den ersten und längsten Streik der Flugbegleiter in der Firmengeschichte organisiert und danach einen komplizierten Tarifvertrag ausgehandelt, an dessen letzten Details bis heute gefeilt wird. Die UFO gehört mit gut 15.000 Mitgliedern zu den kleineren Gewerkschaften in Deutschland, gilt aber als mächtig und gefürchtet, weil sie mit Warnstreiks vor allem in der Urlaubszeit für Chaos sorgen und den Luftverkehr in Deutschland lahmlegen kann.

Baublies, der bei der UFO für Tarifpolitik und Finanzen zuständig ist, soll darüber hinaus persönlich seine gesamten in den vier Jahren erhaltenen Bezüge zurückerstatten, insgesamt 206.213,03 Euro. Ein Lufthansa-Sprecher betont, man sei zu Kompromissen bereit, müsse aber aus formalen Gründen die Forderungen geltend machen, da sowohl von der Gewerkschaft, als auch von Baublies versäumt worden sei, Anträge auf Freistellung von der Dienstpflicht zu stellen.

Private Ausgaben für Champagner und Austern?

Weitere knapp 90.000 Euro verlangt die Lufthansa zurück aufgrund einer Vereinbarung aus dem Jahr 2016 von der UFO für Gehaltszahlungen an ihren Ex-Vorsitzenden und heutigen Vorstand Alexander Behrens.

Die übrigen Vorstandsmitglieder wissen nach eigenen Angaben nichts von einer solchen Vereinbarung. Sie werfen Behrens aber fragwürdige Abrechnungen zulasten der Gewerkschaft vor. So soll der Ex-UFO-Chef private Ausgaben unzulässigerweise mit der Kreditkarte der Organisation beglichen haben, unter anderem für Flüge, Mietwagen sowie Champagner- und Austerngelage.

Der Anwalt von Behrens weist die Darstellung zurück. "Wir werden die Vorwürfe umfänglich aufarbeiten und zeigen, dass nicht eine einzelne Person an den Pranger gestellt gehört", sagte er dem SPIEGEL. Es gebe "politische Hintergründe innerhalb des UFO-Vorstandes" als Auslöser für "diese gezielten Anschuldigungen".

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did/mum



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
menschsagmal 07.12.2018
1. So einen Job hätte ich gerne
Da kassiert wohl der Hr Baublies 3 Gehälter. Als Flugbegleiter ohne zu arbeiten, als Vorstand der UFO und als Vorstand der IGL. Da kommt ja mehr rum als bei der Bundeskanzlerin. Da muss man sich die Frage stellen, ob die Ufo Vorstände im Interesse der Mitglieder handeln oder ausschließlich im Eigeninteresse. Das Letztere kommt wohl in Frage. Unglaublich wie hier die Mitglieder .... werden.
huibuu 07.12.2018
2. wohl nicht richtig informiert
@1: Wie dort ja steht, ist mit LH vereinbart, dass für Verhandlungen mit LH die LH bezahlt. Zudem ist Herr Baublies nicht mehr Vorstand der IGL, die im Übrigen keine Gehälter an Vorstände zahlt. Aber mal einen raushauen klappt.
realplayer 07.12.2018
3.
Die Leute haben sich irgendwann nicht mehr im Griff. Siehe VW Betriebsrat.....
Das dazu 07.12.2018
4. Nach 3 Jahren?
Fällt der LH auf, das kein Antrag auf Dienst-Freistellung gestellt wurde? Da wurde wohl gezielt gewartet, um später den Dolchstoss zu führen. Abartiges Geschäftsgebahren.
egoneiermann 07.12.2018
5.
Auch eine Art reich zu werden. Eine Berufsgruppe in einem reichen Unternehmen finden, die für das Unternehmen unverzichtbar ist, Eine Minigewerkschaft gründen und dann in den Aufsichtsrat einziehen. Bein DGB muss man sich dafür Jahrzehnte nach oben arbeiten, und es gibt so viele Konkurrenten für diesen Platz.
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