Lufthansa Bordcrews bei Billigtochter mucken auf

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO will mehr Rechte und einen Betriebsrat für das Personal beim Ferienflieger Sun Express. Doch das Lufthansa-Management will die Gewerkschaft raushalten.

Boeing von Sun Express Deutschland
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Nach der Einigung im Tarifstreit mit den Piloten bahnt sich bei der Lufthansa der nächste Konflikt mit einer wichtigen Beschäftigtengruppe an: den Flugbegleitern der Tochter Sun Express.

Die Gemeinschaftsfirma gehört jeweils zur Hälfte der Lufthansa und Turkish Airlines, sie bedient für den Billigableger Eurowings Langstreckenverbindungen ab Köln/Bonn sowie ausgewählte Ferienrouten. Bislang besitzt sie keine Mitbestimmungsgremien, weshalb sie weniger Rücksicht auf die Belange der Mitarbeiter nehmen muss. Doch das soll sich nun ändern.

Mithilfe der Kabinengewerkschaft UFO wollen acht Mitarbeiter einer neu formierten Tarifkommission bei Sun Express einen Betriebsrat gründen und bessere Arbeitsbedingungen für die Bordangestellten durchsetzen. Das geht aus einem Aufruf an die Beschäftigten unter dem Motto "Wir rocken das!" hervor.

Die Geschäftsführung reagierte prompt - mit Ablehnung. In einem Rundbrief an die Kabinencrews wirbt Firmenchef Jens Bischof dafür, die Gewerkschaft aus dem Unternehmen herauszuhalten. Stattdessen sollen sich die Flugbegleiter an einer Umfrage beteiligen und individuell mitteilen, was ihnen am Arbeitsumfeld bei Sun Express nicht passt.

Die UFO-Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Man wolle nicht dem Unternehmen schaden, eine solche Denkweise sei "völlig sinnfrei".

insgesamt 47 Beiträge
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palettenpit2014 26.03.2017
1. Billig, billig...
Ich habe zwar jahrzehntelang "auf der Sonnenseite des Lebens" gelebt (LH-Cockpit), aber nun ist langsam mal das Ende des Billig-Wahns erreicht. Wie sagte ein guter Freund einst zu seinen Mitarbeitern: "Wenn ihr immer nur "billig, billig" (einkaufen) wollt, seid ihr selber irgendwann "billig, billig". Naturgemäß schadet es dem Arbeitgeber zunächst, wenn Mitarbeiter berechtigte Forderungen stellen - aber das kann ja wohl kaum die Begründung für immer mehr Zeitarbeits- und Leiharbeitsplätze sein (oder solchen mit ähnlichen Bedingungen). Da hilft Alles nix: Leute, wehrt Euch !!! - auch wenn der PassaGIER gerne "für lau" fliegen würde...
Nordstadtbewohner 26.03.2017
2. Hier wird die Globalisierung vergessen.
Das Geschäft der Fluggesellschaften ist international, was oft vergessen wird. Das heißt, deutsches Personal konkurriert nicht nur mit anderem deutschen Personal, sondern auch auf internationaler Ebene. Wenn die Gewerkschaften nicht von ihren überzogenen Forderungen abrücken, wird es in bald keine deutschen Fluggesellschaften mehr geben. Jeder Beschäftigte sollte seinen Lohn selbst aushandeln. Gewerkschaften und Betriebsräte sind dafür nicht nötig.
Athlonpower 26.03.2017
3. Genau so ist der hemmungslose Kapitalismus vorgesehen.
Zitat von palettenpit2014Ich habe zwar jahrzehntelang "auf der Sonnenseite des Lebens" gelebt (LH-Cockpit), aber nun ist langsam mal das Ende des Billig-Wahns erreicht. Wie sagte ein guter Freund einst zu seinen Mitarbeitern: "Wenn ihr immer nur "billig, billig" (einkaufen) wollt, seid ihr selber irgendwann "billig, billig". Naturgemäß schadet es dem Arbeitgeber zunächst, wenn Mitarbeiter berechtigte Forderungen stellen - aber das kann ja wohl kaum die Begründung für immer mehr Zeitarbeits- und Leiharbeitsplätze sein (oder solchen mit ähnlichen Bedingungen). Da hilft Alles nix: Leute, wehrt Euch !!! - auch wenn der PassaGIER gerne "für lau" fliegen würde...
Sie müssen es von der anderen Seite sehen, denn genau das läuft bei uns seit ca. 25 Jahren, wenn für Personal, Fluggerät und Wartung immer weniger ausgegeben werden muß, dann bleibt um so mehr für das Managment zum Abkassieren übrig, oder wie es mal ein Manager im TV eingestand, daß ca. 80% des Unternehmensgewinn in die Taschen des Managment fließt und wenn es mal nicht läuft, wie derzeit bei der Deutschen Bank zu "bewundern", dann fließen die Erfolgsboni und -prämien natürlich ebenso, genau so läuft doch der ungezügelte Kapitalismus, alles für die da Oben und sklavenähnliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse für den Rest, also ca. 90% der Bevölkerung.
citizen01 26.03.2017
4. Natürlich möchte die Firmenleitung die Arbeitnehmer lieber einzeln verfrühstücken.
Welch eine rückständige Leitung! Glauben die selbst, daß sie Unzufriedenheit einhausen können?
frenchie3 26.03.2017
5. Schön daß Fliegen günstiger ist
als vor 20 Jahren. Aber muß es so weit kommen daß der Passagier am Ende noch Geld für's Fliegen rausbekommt? Wenn ich Preise sehe wie 15 Euro nach London, für das Geld kann man nicht mal hinlaufen, Auto und Bahn sind kilometerweit abgeschlagen. Wenn das Personal anständig(er) bezahlt wird kann ich auch locker mit einem Preis zumindest bahngleich leben. Man kann auch mal noch anders rechnen: Zufahrt zum AP= X Minuten + Transportkosten, notwendige Ankunft vor Abflug: X Stunden, Ankunftsflughafen bis Ziel in der Stadt X Minuten plus Transportkosten. Da kann auf innereuropäischen Strecken die Bahn durchaus zeitlich Punkten, dazu nehme ich mit was ich will und muß nicht die Coladose an der Kontrolle abgeben.
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