Lufthansa Streik beginnt um 14 Uhr 

Die Kabinengewerkschaft UFO macht Ernst: Um 14 Uhr legen die Lufthansa-Flugbegleiter in Frankfurt und Düsseldorf die Arbeit nieder. In Frankfurt soll der Streik auch am Samstag weitergehen.

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Boeing 747 in Frankfurt: Streiks in Frankfurt und Düsseldorf
DPA

Boeing 747 in Frankfurt: Streiks in Frankfurt und Düsseldorf


Der bislang härteste und längste Streik in der 60-jährigen Lufthansa-Geschichte soll heute Nachmittag um 14 Uhr in Frankfurt und Düsseldorf beginnen. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Kreisen der Kabinengewerkschaft UFO, die einen Großteil der rund 19.000 Flugbegleiter im Stammgeschäft des Konzerns vertritt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies bestätigte die Informationen auf Anfrage. Demnach soll der Ausstand zunächst bis zum Flugplanende um kurz vor Mitternacht andauern. In Frankfurt am Main soll auch am Samstag weiter gestreikt werden.

Verschonen wollen Baublies und seine Kollegen dagegen zunächst München, weil dort noch Herbstferien sind. Auch am Sonntag soll der Verkehr an allen drei Flughäfen, an denen Lufthansa-Personal stationiert ist - Frankfurt, München und Düsseldorf - nicht behindert werden, da an dem Tag vor allem Privatreisende unterwegs sind. Von Montag an soll es bis Freitag dann aber keine Ausnahmen mehr geben.

Wann und wo genau gestreikt wird, will die Gewerkschaft kurzfristig mitteilen, um der Lufthansa eine Reaktion so weit als möglich zu erschweren. Maschinen des Billigablegers Germanwings sind von dem Ausstand nicht betroffen, da die Flugbegleiter dort andere Alters- und Übergangsversorgungsansprüche haben als ihre streikenden Kollegen im klassischen Lufthansa-Passagiergeschäft.

Kampf um die Altersvorsorge
Worum geht es im Tarifstreit zwischen UFO und Lufthansa?
Zentraler Streitpunkt ist die Alters- und Übergangsversorgung. Zwar sollen die Flugbegleiter wie bisher mit 55 Jahren ausscheiden können, allerdings mit Abschlägen bei der Übergangsversorgung. Ab 56 Jahren wäre dies dann - bei einer Verzinsung des Vorsorgevermögens von 5,5 Prozent - ohne Abschläge möglich. Bisher garantiert die Lufthansa die Höhe der Beiträge mit einer Verzinsung von 6 bis 7 Prozent. In dem neuen Konzept ist dagegen keine feste Verzinsung vorgesehen, sie soll stattdessen von der Entwicklung am Kapitalmarkt abhängig sein. Damit müssten die Beschäftigten künftig das Risiko der Zinsentwicklung tragen. Bei der Betriebsrente soll dem Angebot zufolge - anders als bisher - Folgendes gelten: Wer länger fliegt, bekommt auch mehr Geld. Das kann nach Berechnungen von Lufthansa so weit gehen, dass ein Flugbegleiter, der bis zum Alter von 65 Jahren fliegt, eine Rente auf dem Niveau seines letzten Gehalts bekommt.
Was will UFO erreichen?
UFO versucht zu verhindern, dass die verschiedenen Unternehmensbereiche gegeneinander ausgespielt werden. Wichtig ist der Gewerkschaft deshalb, die Beschäftigungsbedingungen bei bestehenden Gesellschaften wie Lufthansa und Germanwings zu schützen. Zur Konfliktverschärfung trug allerdings die geplante Verlagerung von bisherigen Germanwings-Jets an eine österreichische Lufthansa-Tochter außerhalb des deutschen Tarifrechts bei.
Welche Tarifbaustellen gibt es noch bei Lufthansa?
Europas größte Fluggesellschaft führt derzeit mit mehreren Gewerkschaften getrennte Verhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Mit den Gewerkschaften VC wird derzeit nur für die Übergangsversorgung von rund 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo verhandelt. Der Dauerstreit kann nach bisher 13 Streikrunden durchaus wieder eskalieren. Mit Ver.di verhandelt die Airline für das Bodenpersonal. Hier ist nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers ein Abschluss bis Ende November angepeilt.
Trotzdem dürften die indirekten Auswirkungen des angekündigten Arbeitskampfes erheblich sein. Da am Nachmittag in Frankfurt vor allem Fernflüge in die USA abheben und aus der Hessen-Metropole zahlreiche weitere Mittel- und Langstreckenrouten bedient werden, dürften schon bald Passagiere in anderen europäischen Städten wie Genf, Wien, Zürich oder Brüssel zum Umsteigen auf die Bahn oder andere Airlines gezwungen sein. Auch im Asienverkehr könnte es zu Ausfällen kommen, da die meisten Jets am frühen Abend von Frankfurt nach Fernost starten.

Vor dem Arbeitskampf war es zu einem harten verbalen Schlagabtausch zwischen der Lufthansa- und UFO-Führung gekommen. Nach Darstellung von UFO-Chef Baublies hat der Konzern dabei sogar Falschinformationen verbreitet. Der Gewerkschaftsvorsitzende will nun eine Richtigstellung verlangen und gegebenenfalls juristisch gegen die Lufthansa vorgehen.

Lufthansa-Streik im November
Die Flugbegleiter der Lufthansa streiken - betroffen sind Flüge ab Frankfurt, München und Düsseldorf. Die wichtigsten Infos für Reisende finden Sie hier.



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insgesamt 152 Beiträge
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Seite 1
deepforces 06.11.2015
1. Ruiniert
Klasse! Bin schon auf die Gesichter der Lufthansa Mitarbeiter gespannt wenn sie es geschafft haben ihr eigenes Unternehmen selbst kaputt zu streiken! Weiter so! Es gibt ja kaum Alternativen zur Lufthansa.
monolithos 06.11.2015
2. Egal
Ist es nicht egal, warum man nicht mit der Lufthansa fliegt? Ob man diese Airline nun meidet, weil sie zu teuer ist, oder weil bei ihr der Service zu schlecht ist oder weil mal wieder jemand streikt und sie deswegen gar nicht erst fliegt, kommt doch aufs Gleiche raus.
gander59 06.11.2015
3. Gegen die Mitarbeiter
kann man kein Unternehmen führen, erst recht keine Fluglinie. Das Lufthansa Management versucht dies aber schon seit über 30 Jahren (die ersten ausgebildeten Piloten wurden nicht eingestellt) immer wieder. Es gibt nur zwei Lösungen: Entweder neues Personal oder neues Management.
fire112 06.11.2015
4. Was wollen die Saftschubbsen
Bei einem Gehalt von 40000? im Jahr da ist man echt arm dran und am Existenzminimum; -) ich könnte kotzen das ich vielleicht morgen meinen Flug nicht nehmen kann nur weil die armen arroganten Püppchen streiken, nie wieder LH ob der Flug stattfindet oder nicht
na,na,na 06.11.2015
5. Dieser Streik sollte die Lufthansa nicht tangieren
Einfach dazu übergehen das Kabinenpersonal überhaupt einsparen und Lunch-Pakete beim Check-In ausgeben. Informationen über Sicherheit usw. kommen sowieso per Video. So wird es auch zum Teil in den USA gemacht. Spart einen Haufen Geld, dadurch können Tickets günstiger werden.
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