Deutschlands größte Airline Lufthansa und Konzernpiloten einigen sich auf Tarifvertrag

Der jahrelange Streit zwischen der Vereinigung Cockpit und Lufthansa hat bald ein Ende: Beide Seiten haben neue Tarifverträge vereinbart. An der Börse wurde die Meldung mit Begeisterung aufgenommen.

Boeing 747 der Lufthansa am Flughafen in Frankfurt am Main
DPA

Boeing 747 der Lufthansa am Flughafen in Frankfurt am Main


Lufthansa und die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit haben sich nach jahrelangen Auseinandersetzungen und 14 Streikrunden auf neue Tarifverträge geeinigt. Das teilten beide Seiten in Frankfurt mit. Die Einigung steht noch unter dem Vorbehalt, dass die VC-Mitglieder in einer erneuten Urabstimmung zustimmen müssen. Dies soll bis Mitte Dezember abgeschlossen sein. Eckpunkte waren bereits im Frühjahr vereinbart worden.

Nach der Vereinbarung sollen die rund 5400 Flugzeugführer der Kernmarke Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings im Schnitt mit 60 und damit zwei Jahre später als bislang in den Vorruhestand wechseln können und müssen künftig selbst das Zinsrisiko ihrer Betriebsrenten tragen. Zudem wurden Gehaltssteigerungen von insgesamt 10,3 Prozent bis zum Juni 2022, eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern sowie mehr als 700 Neueinstellungen zu den Bedingungen des Konzerntarifvertrags (KTV) vereinbart.

An der Börse wurden die Neuigkeiten mit Begeisterung aufgenommen: Die Lufthansa-Aktie hob ab und setzt sich an die Spitze des Dax. Kurz vor Handelsende legte das Papier um zweieinhalb Prozent zu.

Lufthansa hat sich verpflichtet, bis Ende 2022 mindestens 325 Flugzeuge mit KTV-Piloten zu besetzen. Diese sind tariflich besser gestellt als ihre Kollegen bei anderen Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns.

Die Einstiegs- und möglichen Endvergütungen für die Piloten orientierten sich am vorherigen Niveau, berichtete die Lufthansa. Insgesamt sollen die Personalkosten im Cockpit aber um 15 Prozent sinken. Allein die Umstellung der Pensionszahlungen entlaste den Konzern um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag.

bam/dpa-afxp



insgesamt 11 Beiträge
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weltenbummler20 10.10.2017
1. Zudem wurden Gehaltssteigerungen von insgesamt 10,3 Prozent .....
Sie können den Hals nicht voll genug kriegen. Wahrscheinlich reicht ihnen nichtmal das, und es werden neue Streiks angezettelt
fvaderno 11.10.2017
2. 10% mehr Gehalt und die anderen Bedingungen ...
... das wären für einen normalen Arbeitnehmer paradiesische Zustände! Dazu kommt, dass die Ausgangslage für die Piloten auch schon dieses 'paradiesische Prädikate verdient. Vielen in der Bevölkerung wie auch mir fehlt dafür Verständnis. Piloten und bestimmte andere Berufsstände können mit Streiks das Öffentliche Leben maßgeblich beeinflussen. Eine Ähnliche Schlüsselfunktion haben auch Beamte. Sie genießen bestimmte Privilegien - dürfen aber auch nicht streiken. Ich fände eine gesetzliche einschränkende Regelung begrüßenswert! Zu den Nebenbedingungen: Warum sollte ein Pilot nach einem Entzug der Lizenz mit 60 nicht auch im Innendienst eingesetzt werden?
Forist2 11.10.2017
3. Paradisische 10,3%
Meine Halbschwester hat sich vor einiger Zeit bei der LH beworben, wurde aber nicht genommen. Daher hatte ich mich mal mit deren Arbeitsverträgen beschäftigt. Die bekommen sogar generell eine aussertarifliche Gehaltserhöhung von jährlich 3% noch zu den tariflichen 10,3% dazu. Ich frage mich wirklich, in was für einer Welt leben die eigentlich ? Niemals werde ich ein LH-Flugzeug besteigen, so was finanziere ich nicht mit.
raoul2 11.10.2017
4. Es sind immer noch gute Bedingungen,
die von der Piloten-"Vereinigung Cockpit" für ihre Mitglieder vereinbaren konnte. Aber es sind "insgesamt 10,3 Prozent bis zum Juni 2022" (also für zusammen 5 Jahre festgeschrieben); nicht ganz so "paradiesisch" wie von manchen angenommen. Wichtig ist aber, daß es insgesamt (schon wieder dieses Wort) in der Zukunft ein deutliches Absinken der Gehälter geben wird; dafür ist nun endlich der Grundstein gelegt worden. Ein Festhalten an (völlig überzogenen) Größenordnungen (die aus längst vergangenen Zeiten stammen) ist damit (endlich) vom Tisch. Die jungen Piloten können sich bei ihren älteren "Kollegen" bedanken; ihr Gehalt wird spürbar abgesenkt - und das auch noch deutlich stärker, als es hätte sein müssen. Die "Besitzstandswahrung" der Senioren im Cockpit ist natürlich in die Gesamtrechnung eingeflossen. Stört die Alten nicht: die hatten wieder einmal nur ihr eigenes Gehalt im Blick. Motto: "Nach uns die Sintflut".
aktiverbeobachter 11.10.2017
5. Naja
Die 10,3 Peozent sind ja bis 2022. also insgesamr für 5 Jahre. Totzdem schöne planbare Erhöhungen. Noch viel mehr beeindruckend finde ich allerdings die Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern. So etwas in dieser Höhe, habe ich noch nie in einem Tarifabschluss gesehen. Ich hoffe nur dass wenigstens jetzt der Sozialterrorismus der Piloten aufhört. Dann kann ich auch wieder anfangen LH zu buchen.
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