Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Arbeitskampf bei Airline: Lufthansa-Manager stellen sich gegen streikende Piloten

Von

Streikender Lufthansa-Pilot (im April): Kein Verständnis Zur Großansicht
AFP

Streikender Lufthansa-Pilot (im April): Kein Verständnis

"Kein Verständnis" für die Forderungen der Piloten: In einem offenen Brief haben sich die leitenden Angestellten der Lufthansa im Tarifstreit von den Flugzeugführern distanziert.

München - Kurz vor ihrem für Dienstag geplanten Streik in Frankfurt geraten die Piloten der Lufthansa intern massiv unter Druck. Mithilfe eines offenen Briefs an die Flugzeugführer schalten sich nun auch erstmals Führungskräfte in den seit Monaten schwelenden Konflikt ein. "Bitte kehren Sie in die Cockpits und an den Verhandlungstisch zurück", heißt es in einem aktuellen Schreiben des Sprecherausschusses der Leitenden Angestellten, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

In dem Konflikt geht es um die künftigen Übergangsrenten für 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat in bislang vier Streikwellen 4300 Flüge mit rund 480.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Für diesen Dienstag kündigte die Gewerkschaft erneut kurzfristig einen 15-stündigen Streik auf Langstreckenflügen an. Von 8 bis 23 Uhr sollen am größten deutschen Airport in Frankfurt keine Langstreckenmaschinen der Lufthansa Chart zeigen abheben.

Hier finden Sie alle Informationen für Lufthansa-Kunden - betroffene Flüge, Alternativtransport, Schadensersatz und mehr.

In dem Offenen Brief der Führungskräftevertreter appellieren die elf Unterzeichner, darunter auch ein Mitglied des Aufsichtsrats, nun an das Verantwortungsbewusstsein der Piloten. "Als leitende Angestellte bilden wir eine Berufsgruppe von circa 1200 Kolleginnen und Kollegen", heißt es in dem Brandbrief. Man habe täglich Kontakt zu Tausenden tief besorgter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Konzern. Diesen seien die aktuellen Forderungen der Flugzeugführer im Rahmen des aktuellen Tarifstreits kaum zu vermitteln.

"Kein Mitarbeiter in der gesamten Lufthansa-Group" habe eine vergleichbare Frührentenregelung wie die Piloten, argumentieren die hauseigenen Kritiker. Die von Personalchefin Bettina Volkens vorgeschlagene Reform sei "fair und sozialverträglich". Daher hätten sie "für die Entscheidung, für schwer nachvollziehbare Forderungen wiederholt die Arbeit niederzulegen und damit uns und unserem Unternehmen einen Millionenschaden zuzufügen, kein Verständnis".

Kunden, die durch die dauernden Ausstände abgeschreckt würden, seien nur schwer zurückzugewinnen. Der Appell mündet in der Aussage, die Cockpit-Beschäftigen sollten "konstruktiv an einer Kompromisslösung" mitarbeiten und auf "weitere Streikhandlungen verzichten".

Bereits vor knapp zwei Wochen hatten mehr als 200 Mitarbeiter vor der Konzernzentrale in Frankfurt am Rande der letzten Aufsichtsratssitzung gegen die ihrer Ansicht nach starre Haltung der Piloten im Konflikt um die Übergangsversorgung demonstriert. "Euer Übergang ist unser Untergang", hieß es auf ihren Plakaten.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Interessant zu wissen...
helgeharder 29.09.2014
... wäre doch mal, worauf denn die Lufthansa-Manager verzichten? Sicherlich sind die Piloten eine privilegierte Gruppe, aber wieso sollen die aufs Geld verzichten? Wieso verzichten die Führungskräfte der Lufthansa nicht mal auf große Teile ihrer Altersvorsorge, und dann wird weitergeredet?
2. Konkurrenz
Maître111 29.09.2014
Die Lufthansa steht unter einem erheblichen Konkurrenzdruck, vor allem durch Fluglinien aus dem Mittleren Osten, die aufgrund des Ölreichtums zu ganz anderen Konditionen arbeiten können. Dass Piloten hier auf ihren Pfründen bestehen, wo bereits etliche europàische Fluglinien insolvent gegangen sind, ist nicht nachvollziehbar. Schließlich verdient diese Berufsgruppe auch ohne die alten Übergangsregelungen gutes Geld.
3. Ganz einfach - Gegenstreik
aarikka 29.09.2014
Mal eine Weile keine Lufthansa Flüge mehr buchen, dann ist es schnell vorbei mit überzogenen Gehaltsvorstellungen bei den fliegenden Airbusfahrern. Tausende junge Menschen würden den "Traumjob" auch für die Hälfte des Geldes ausüben, wenn die Lufthansa sich nicht selbst eine solche Gruppe von elitären Streikhanseln geschaffen hätte.
4. Ganz einfach - Gegenstreik
aarikka 29.09.2014
Mal eine Weile keine Lufthansa Flüge mehr buchen, dann ist es schnell vorbei mit überzogenen Gehaltsvorstellungen bei den fliegenden Airbusfahrern. Tausende junge Menschen würden den "Traumjob" auch für die Hälfte des Geldes ausüben, wenn die Lufthansa sich nicht selbst eine solche Gruppe von elitären Streikhanseln geschaffen hätte.
5. Streik der Bonzen!
ganzlocker 29.09.2014
Das ist schon allerhand, was sich die Piloten rausnehmen. Unerhört, wie ein kleine Gruppe von Bonzen eine ganze Belegschaft einer Traditionslinie erpresst. Die Lufthansa sollte externe Piloten-GmbHs gründen und den Sumpf sukzessive trocken legen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: