Arbeitskampf Flugbegleiter sagen Streik bei der Lufthansa ab

Die Flugbegleiter haben den für Donnerstag und Freitag geplanten Streik des Kabinenpersonals bei der Lufthansa abgesagt. Denn das Unternehmen sei in dem Tarifstreit auf die Gewerkschaft UFO zugekommen.

Lufthansa-Mitarbeiterin im Streik: "In wichtigen Punkten entgegengekommen"
REUTERS

Lufthansa-Mitarbeiterin im Streik: "In wichtigen Punkten entgegengekommen"


Die Flugbegleiter bei Lufthansa Chart zeigen wollen nun doch nicht streiken: Die Gewerkschaft UFO hat den für Donnerstag und Freitag geplanten Arbeitskampf des Kabinenpersonals abgesagt. Grund sei, dass die Lufthansa in dem Tarifstreit in wichtigen Punkten entgegengekommen sei, teilte UFO mit. Der Konzern habe die Zwischenmitteilung der Schlichter zur Alters- und Übergangsversorgung aus dem Sommer als Ausgangsbasis für weitere Verhandlungen akzeptiert.

Beide Seiten hielten am Ziel eines "Jobgipfels" fest, bei dem am 2. Dezember Vertreter des Konzerns sowie der drei Gewerkschaften UFO, Ver.di und Cockpit teilnehmen sollen. Dazu seien aber bis dahin noch weitere Verhandlungen über das konkrete Verfahren notwendig, so die Gewerkschaft. Bis zum Jobgipfel soll es keine weiteren Ausstände des Kabinenpersonals geben.

Beide Seiten hatten zuvor wieder die Verhandlungen aufgenommen, um den Konflikt zu entschärfen. Eigentlich wollten die Flugbegleiter die Arbeit von Donnerstag an für mindestens zwei Tage niederlegen. UFO hatte die Lufthansa erst vor zwei Wochen sieben Tage lang bestreikt. Es war der längste Streik in der Geschichte der Fluggesellschaft: Etwa 4700 Flüge fielen aus, rund eine halbe Million Passagiere waren davon betroffen.

13 Streiks - und keine Lösung in Sicht

Hintergrund des Arbeitskampfes ist ein Streit über die Alters- und Übergangsversorgung der Flugbegleiter. Einer der Hauptstreitpunkte zwischen den Tarifparteien ist die Betriebsfrührente für die 19.000 Stewards und Stewardessen bei der Lufthansa. Die Lufthansa hatte mehrfach versucht, die Streiks gerichtlich verbieten zu lassen - allerdings nur teilweise mit Erfolg.

Zuletzt war der Versuch der Lufthansa gescheitert, alle drei im Unternehmen aktiven Gewerkschaften an einen Runden Tisch zu holen, um gemeinsam über die Zukunft der Betriebsrenten und die Sicherheit der Arbeitsplätze zu sprechen. Dies hatte bereits die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit abgelehnt.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr treibt einen grundlegenden Umbau des Luftverkehrskonzerns voran. Unter anderem soll die Billiglinie Eurowings schneller ausgebaut werden. Sparen will Spohr unter anderem bei den Beschäftigten der zuletzt schrumpfenden Kerngesellschaft Lufthansa. Der Konzern hat daher die Tarifverträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten gekündigt.

In getrennten Verhandlungen zu den verschiedenen Berufsgruppen ist es mit keiner der drei Gewerkschaften bislang zu einem Abschluss gekommen. Stattdessen haben die Piloten bereits 13-mal gestreikt, die Flugbegleiter eine ganze Woche lang.

mxw/dpa/Reuters

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
friedrichgadow 25.11.2015
1. Ich verstehe es nicht
Wenn ich das richtig sehe gibt es sehr anstaendige Regelungen im rahmen der alten (gekuendigten) Tarifvertraege. Die behalten ja wohl fuer die jetzige Belegschaft ihre Wirkung, ausser es wird einvernehmlich mit einem neuen tariff etwas anderes geregelt. Wenn ichts geregelt wird, aendert sich auch nichts fuer die jetzt streikenden Mitarbeiter. Und diejenigen, die jetzt ueberlegen, ob sie bei Lufthansa arbeiten wollen, haben ja bestimmt im Blick, welche Alternativen es gibt, wer besser und wer schlechter zahlt und versorgt. Und trifft seine Entscheidung dann im Lichte der Alternativen. Muss ja keener mehr bei LH anfangen, wenn's so schlimm ist.... Nur damit ich es jetzt auch verstehe: wofuer genau wurde der Ruf des Unternehmens ruiniert?
happy2010 25.11.2015
2.
Die LH wird durch die Gewerkschaften abgeschafft
stefanmargraf 25.11.2015
3. Verkauf der LH an Qatar Airways,
solange da noch etwas zu verkaufen ist....
OskarVernon 25.11.2015
4.
Zitat von friedrichgadowWenn ich das richtig sehe gibt es sehr anstaendige Regelungen im rahmen der alten (gekuendigten) Tarifvertraege. Die behalten ja wohl fuer die jetzige Belegschaft ihre Wirkung, ausser es wird einvernehmlich mit einem neuen tariff etwas anderes geregelt. Wenn ichts geregelt wird, aendert sich auch nichts fuer die jetzt streikenden Mitarbeiter. Und diejenigen, die jetzt ueberlegen, ob sie bei Lufthansa arbeiten wollen, haben ja bestimmt im Blick, welche Alternativen es gibt, wer besser und wer schlechter zahlt und versorgt. Und trifft seine Entscheidung dann im Lichte der Alternativen. Muss ja keener mehr bei LH anfangen, wenn's so schlimm ist.... Nur damit ich es jetzt auch verstehe: wofuer genau wurde der Ruf des Unternehmens ruiniert?
Ganz einfach - bei Flugbegleitern nicht anders als bei der Bahn oder auch im Handel: Aus Sicht der Beschäftigten mit Kundenkontakt ist ein Kunde in erster Linie jemand, der Arbeit macht - weniger davon also überhaupt nichts schlimmes, im Gegenteil ;-) Nun ist also die Glaubwürdigkeit von Herrn Baublies und seinem UFO im freien Fall. Kürzlich hat er noch Wert auf die Feststellung gelegt, Streiks würden im Interesse der Kundschaft beizeiten angekündigt - nun sinds noch 24 Stunden: Erfahren wir demnächst vielleicht erst beim Einchecken oder gar nach dem Einsteigen, dass der Flug gar nicht stattfindet...?
Zaphod 25.11.2015
5. Gutmütigkeit
Es ist überraschend, dass sich die Mentalitätsunterschiede bei den Piloten und Flugbegleitern sogar im Streikverhalten zeigen. Während die Piloten tapfer und konsequent ihren Kurs verfolgen, sind die Flugbegleiter offensichtlich berufsbedingt Freundlichkeit und Flexibilität gewohnt. Hoffentlich wird ihre Gutmütigkeit nun nicht von dem Management der Lufthansa weiterhin gnadenlos ausgenutzt. Immerhin zeigt sich eine bewundernswerte Loyalität der Flugbegleiter gegenüber der Lufthansa, obwohl der Vorstand die Flugbegleiter öffentlich demütigt und als irrelevant darstellt. Vielleicht erkennt der Vorstand nun auch, welchen Wert die Flugbegleiter für die Unternehmenskultur darstellen!
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