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Streikbrecher bei der Lufthansa: "Ich fliege aus Überzeugung"

Ein Interview von

Drei Tage lang wollen die Lufthansa-Piloten nahezu den gesamten Flugverkehr lahmlegen. Doch nicht alle beteiligen sich am Streik. Gespräch mit einem Piloten, der findet: "Manche Forderungen passen nicht mehr in die Zeit."

Luthansa-Pilot mit Mütze: "Das Umfeld hat sich radikal verändert" Zur Großansicht
DPA

Luthansa-Pilot mit Mütze: "Das Umfeld hat sich radikal verändert"

Der Pilot Peter Börne (Name von der Redaktion geändert) ist ein Streikbrecher. Wenn die Lufthansa-Piloten ab Mittwoch nahezu den gesamten Verkehr der Fluglinie lahmlegen, ist der 37-Jährige nicht dabei.

SPIEGEL ONLINE: Herr Börne, Sie arbeiten als Pilot bei Lufthansa, beteiligen sich aber nicht am Streik. Warum?

Börne: Neben der Arbeit als Pilot habe ich noch eine Managementfunktion bei der Lufthansa. Da ist es allgemein akzeptiert, dass man sich nicht beteiligt. Ich gehe morgen aber auch aus Überzeugung arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Wieso?

Börne: Weil ich nicht glaube, dass mit dem Streik die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird. Manche Forderungen passen nicht mehr in die Zeit - etwa mit 55 in Rente zu gehen, während der Rest der Nation bis 67 buckelt. Diesen gesellschaftlichen Trend werden auch wir Piloten nicht aufhalten.

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Ihrer Kollegen scheinen das anders zu sehen, 97 Prozent stimmten für den Streik. Wie erklären Sie sich das?

Börne: Das hat auch mit Kommunikationsfehlern des Lufthansa-Managements zu tun. Die Mannschaft hat Entscheidungen der Konzernspitze oft aus der Presse erfahren, das hat viele auf die Palme gebracht. Zum Teil verleugnen die Piloten aber auch die Realität. Das Umfeld der Lufthansa hat sich radikal verändert - etwa durch die Konkurrenz von Golf-Airlines wie Emirates und Billigflieger.

SPIEGEL ONLINE: Sehen viele Kollegen das ähnlich wie Sie?

Börne: Bei den Bodenmitarbeitern schon, da brauchen wir Piloten nicht auf allzu viel Verständnis zu hoffen. Da können viele einen Streik in dieser Härte nicht nachvollziehen - schon gar nicht, dass man gleich mit drei Tagen startet und nicht mit den üblichen Warnstreiks. Auch im Cockpit sehen das viele Piloten kritisch, zeigen sich aber trotzdem loyal gegenüber ihren Kollegen und streiken mit.

SPIEGEL ONLINE: Sind junge Piloten kritischer gegenüber den Forderungen der Vereinigung Cockpit?

Börne: Nein, da ist die Einsicht genauso wenig verbreitet wie bei Älteren.

SPIEGEL ONLINE: Und wie ist es bei Tochterfirmen wie Cityline, wo die Piloten weniger verdienen?

Börne: In der Regel sind die solidarisch. Weil sie wissen, dass es auch ihnen beim nächsten Tarifkonflikt nützt, wenn es beim Mutterkonzern einen guten Abschluss gab.

SPIEGEL ONLINE: Zeigt der Streik auch, dass Spartengewerkschaften wie die Vereinigung Cockpit zu viel Macht haben?

Börne: Dass kleine Berufsgruppen komplette Teile einer Volkswirtschaft lahmlegen können, ist ein Problem. Andererseits können Riesentanker von Gewerkschaften wie Ver.di eine sehr kleine und spezialisierte Berufsgruppe wie die Piloten auch schlechter vertreten. Die Spartengewerkschaften müssen halt sehr verantwortungsvoll mit ihrer Macht umgehen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie angesichts des wachsenden Konkurrenzdrucks Sorge um die Lufthansa?

Börne: Durchaus, da ich noch eine ganze Zeit bis zur Rente habe. Wenn es so weitergeht wie in den vergangenen Jahren, mache ich mir schon Sorgen, ob es die Lufthansa in 20 oder 30 Jahren noch als selbstständiges Unternehmen gibt.

SPIEGEL ONLINE: Was könnten die Piloten dagegen tun?

Börne: Ein paar Prozent Gehalt weniger, damit kann man den Karren allein nicht aus dem Dreck ziehen. Aber man könnte zum Beispiel die Schwelle weiter anheben, ab der es für Flugstunden zusätzliches Geld gibt. Das würde dazu führen, dass hinter jedem gezahlten Euro auch eine angemessene Leistung steht.

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insgesamt 159 Beiträge
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1. Endlich ...
Hardisch 01.04.2014
... Eine Stimme der Vernunft in diesen Streik chaostagen, an denen gockelhafte Gewerkschaftsbosse zum schaden der Volkswirtschaft die Kämpfe des vorigen Jahrhunderts ausfechten ! Hut ab !!!!
2. Realitätsverlust
Sternzwerg 01.04.2014
Merken sie streikenden Piloten denn nicht, dass sie sich selbst schädigen? Warum fliegen denn immer Passagiere mit Easyjet und Emirates?
3. Unglaublich
schwencky 01.04.2014
Piloten sind doch eigentlich Busfahrer in der Luft. Dies wird bei der Lufthansa mit € 75.000 - über € 200.000 vergütet und die Herren streiken, weil sie noch mehr Geld haben wollen und weiterhin mit 55 in Rente gehen wollen...das darf man ruhig als maßlos empfinden und ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Arbeitnehmers in Deutschland.
4. Guter Mann!
Toncontin 01.04.2014
Er denkt mit und trifft den Nagel auf den Kopf. Umso weniger verstehe ich seine Kollegen, die völlig blind den wirren Vorstellungen der Gewerkschaften folgen. Die Zeiten haben sich in der Luftfahrtbranche geändert, alle wissen das, nur irgendwie scheint das bei den profilierungssüchtigen Gewerkschaftsbonzen und einigen anderen Piloten noch nicht angekommen zu sein. Außerdem 3 Tage Streik bei so einem Stand der Verhandlungen ... ein Wahnsinn. Weiterer Vorteil für die Airlines vom Golf: Streikverbot! Und geht es einem der Angestellten da schlechter? Nein!
5. Emirates-Piloten sind noch teurer
hobbyleser 01.04.2014
Zitat von SternzwergMerken sie streikenden Piloten denn nicht, dass sie sich selbst schädigen? Warum fliegen denn immer Passagiere mit Easyjet und Emirates?
..allerdings ist Emirates hoch-subventioniert. Geld, was sie vorher an der Tankstelle bezahlt haben.
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