Wiesbaden - Eigentlich passt es nicht zum Sparkurs der Lufthansa: Die Fluggesellschaft hat ihrem Kabinenpersonal einen millionenschweren Tarifabschluss zugestanden. Der Konzern einigte sich am Dienstag mit der Gewerkschaft Ufo auf Gehaltserhöhungen um 3,95 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Falls die Gewerkschaftsmitglieder zustimmen, sind im Gegenzug Streiks vom Tisch.
Neben dem Lohnplus ab Januar erhalten die 18.000 Stewards und Stewardessen einen zweijährigen Kündigungsschutz und eine Einmalzahlung. Die Mehrkosten belaufen sich laut Lufthansa brutto auf 33 Millionen Euro.
Die Lufthansa hofft, die Ausgaben wieder hereinzukriegen, indem etwa die Flugbegleiter künftig flexibler eingesetzt werden können. Zudem laufe der Tarifvertrag lang, was Planungssicherheit gebe, sagte der Verhandlungsführer des Konzerns, Peter Gerber. Wichtigster Punkt aus Sicht der Lufthansa: Die regelmäßigen Gehaltserhöhungen, die es in den derzeitigen Tarifverträgen noch gibt, seien bei neuen Mitarbeitern nicht mehr so großzügig. Alle neuen Flugbegleiter bei der Lufthansa starten ab 2013 zwar mit höheren Tarifgehältern, können dafür aber nie mehr die Gehälter der Alt-Lufthanseaten erreichen.
Die Streitparteien hatten den früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup als Schlichter zu Hilfe gerufen. "Der Kompromiss ist für die Lufthansa sehr schmerzhaft", sagte Gerber. Ufo-Chef Nicoley Baublies erklärte, Gewerkschaft und Konzern könnten jetzt wieder nach gemeinsamen Wegen suchen, dem scharfen Wettbewerb zu begegnen.
Wenn mehr als 50 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder dem Tarifvertrag bis zum 10. Dezember zustimmen, sind weitere Streiks in der Adventszeit nun vom Tisch.
Lufthansa kann Billigtochter Germanwings ausbauen
Die Lufthansa hat sich Anfang des Jahres ein hartes Sparprogramm verordnet, mit dem der Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigen soll. "Vergütungserhöhungen sind da eigentlich ausgeschlossen", sagte Gerber.
Doch mit dem Tarifabschluss kann Europas größter Luftverkehrskonzern nun wie geplant seine Billigtochter Germanwings ausbauen und jahrelange Millionenverluste eindämmen. Lufthansa gibt 30 Maschinen an die Tochter ab - meist ohne das teure Personal, das weitgehend bei der Muttergesellschaft bleiben wird. Germanwings kann nun seinen Punkt-zu-Punkt-Verkehr abseits der Drehkreuze Frankfurt und München neue und damit kostengünstige Stewardessen zu den eigenen, deutlich niedrigeren Tarifen einstellen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Lufthansa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH