Luxusimmobilien-Boom: Manhattans neue Luftschlösser

Von , New York

Luxusimmobilien-Boom: Manhattans neuer Höhenrausch Fotos
dbox for CIM Group & Macklowe Properties

Höher, protziger, teurer: In Manhattan schießen immer mehr Luxuswohntürme aus dem Boden. Die Immobilienkrise scheint vorbei, der Markt boomt - zu Lasten ärmerer New Yorker. Dies sind die wahnsinnigsten Prestigeobjekte.

Einst galt das Drake Hotel als eine der feinsten Adressen New Yorks. Erbaut im Jahr 1926, zog der Prachtbau an der Ecke von Park Avenue und East 56th Street Stars wie Judy Garland und Frank Sinatra an. Sein Nightclub Shepheard's war Manhattans erste VIP-Disco, lange vor dem Studio 54.

Heute ist vom Drake nichts mehr übrig, es wurde 2007 abgerissen. Der Bauunternehmer Harry Macklowe plante an seiner Stelle ein Luxushochhaus, ging während der Finanzkrise aber fast pleite. Fünf Jahre lang lag das begehrteste Grundstück Amerikas von Unkraut überwuchert brach.

Jetzt aber tut sich etwas. Baggerlärm hallt durch die Straße, Staub wirbelt auf. 17 Etagen stehen bereits, überdimensionale, quadratische Klötze aus Beton. Ein gigantischer weißer Kran wächst parallel dazu mit in die Höhe. Der Bauzaun trägt die Anschrift 432 Park Avenue - das soll bald wieder die feinste Adresse New Yorks sein.

Macklowe, mittlerweile 76 Jahre alt, hat die Krise überlebt und verwirklicht hier jetzt seinen 1,3 Milliarden Dollar teuren Immobilientraum: einen 426 Meter hohen Superturm, entworfen vom Stararchitekten Rafael Viñoly - 84 Stockwerke, 126 Luxuswohnungen, Spa, Golfanlage, Billardsaal, Weinkeller, Privatkino.

Höchstes Wohnhaus der westlichen Hemisphäre, zweithöchstes Bauwerk - und höchste Dachterrasse - New Yorks: "Das ist das Gebäude des 21. Jahrhunderts", prahlte Macklowe in der "New York Times", "so wie das Empire State Building das Gebäude des 20. Jahrhunderts war." Macklowes Lebenswerk wird dessen Aussichtsplattform um gleich 53 Meter überragen.

Vor allem aber wird es die teuerste Immobilie der USA. Die Wohnungen sollen zusammen mehr als drei Milliarden Dollar kosten. Die billigste, 33 Quadratmeter groß, ist schon für 1,6 Millionen Dollar zu haben. Das Penthouse ganz oben ist schon verkauft, für 95 Millionen Dollar - 767 Quadratmeter, sechs Schlafzimmer, sieben Bäder, Badewanne mit Fernblick.

Rückkehr der Wolkenkratzer-Kriege

Macklowes Luftschloss ist beispielhaft für eine Renaissance: Die Immobilienflaute ist vorbei, das Geschäft blüht. Größer, schneller, teurer: Wie in den Skyscraper-Kriegen der zwanziger und dreißiger Jahre liefern sich New Yorks Bauherren wieder einen Wettlauf um Superlative. Damals ging es um Höhenrekorde und Wagemut. Heute geht es um Geld und Protz.

Denn anders als die Bürotürme der Wolkenkratzer-Gründerzeit sind die heutigen Prestigeprojekte Privatinseln für die Allerreichsten. Allein in Midtown, links und rechts der Fifth Avenue, wachsen gleichzeitig fast zwei Dutzend solcher Glashochburgen in den Himmel - mehr denn je.

Wer einziehen will, muss tief in die Tasche greifen. Der durchschnittliche Kaufpreis für Luxusapartments hier beträgt zurzeit 6,1 Millionen Dollar, gut zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. 192 der verfügbaren Wohnungen kosten nach Angaben des Immobiliendienstes CityRealty mehr als 10 Millionen Dollar.

Eine Obergrenze gibt es nicht. Während Manhattans teuerste Wohnung 2009 noch auf 39 Millionen Dollar kam, sind es längst neunstellige Summen: Immobilienmagnat Gary Barnett fordert für das Kronjuwel in One57, seinem fast fertigen Tower an der Carnegie Hall, 115 Millionen Dollar.

Spielzeuge für Oligarchenkinder

Die Hälfte der Käufer, die sich das leisten können, sind Ausländer - asiatische Milliardäre, arabische Ölscheichs, russische Oligarchen -, die für ihre verwöhnten Kids Immobilien sammeln. Der Trend begann 2011, als der Moskauer Magnat Dmitrij Rybolowlew 88 Millionen Dollar für das damals teuerste Penthouse ausgab - für seine 22-jährige Tochter Ekaterina.

Die Maßstäbe ändern sich so schnell wie die Skyline. 2001 war der Trump World Tower mit 262 Metern noch das höchste Wohnhaus der Stadt. 2011 wurde er vom Frank Gehry Tower in Lower Manhattan entthront (265 Meter). Der wiederum muss den Preis demnächst an One57 abtreten (306 Meter) und der wird von 2015 an von 432 Park Avenue überragt.

Der Gipfelsturm ist auch deshalb möglich, weil die Entwickler "air rights", sogenannte Höhenrechte kaufen können: In New York dürfen auch Hochhäuser nur eine bestimmte Anzahl von Etagen haben. Wer aber ein Gebäude mit vielleicht nur drei Stockwerken besitzt, kann den Luftraum über seinem Dach verkaufen - so können die neuen Wolkenkratzer immer höher gebaut werden.

Allmählich wird ganz Manhattan zur himmelsstrebenden Millionärssiedlung - vom Tribeca-Glasberg 56 Leonard über den Walker Tower in Chelsea bis zum schwindelerregenden Fingerzeig One Madison Park im Flatiron District.

Normalsterbliche müssen allerdings draußen bleiben, die Mega-Objekte verzerren Angebot und Nachfrage: Wohnraum für New Yorker mit gemäßigten Einkommen wird immer seltener. "Es gibt nur noch zwei Märkte", sagte Viñoly, der Architekt von 432 Park Avenue, der "New York Times", "Ultraluxus und sozialen Wohnungsbau."

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insgesamt 94 Beiträge
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    Seite 1    
1. Spon = bild.de?
derBob 18.06.2013
Zitat von sysopDies sind die wahnsinnigsten Prestigeobjekte. Luxus-Immobilien boomen in Manhattan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/luxus-immobilien-boomen-in-manhattan-a-905402.html)
Hätte da gestanden "die irrsten Prestigeobjekte" würde sich jeder Bild.de "Leser" hier heimisch fühlen.
2. Gutes Geschäft
lasmirandadensivilla 18.06.2013
Baukosten 1,3 Milliarde, Erlös aus dem Wohnungsverkauf über 3 Milliarden. Es lebe der Kapitalismus!
3. Damit eine.....
curti 18.06.2013
Zitat von sysopHöher, protziger, teurer: In Manhattan schießen immer mehr Luxus-Wohntürme aus dem Boden. Die Immobilienkrise scheint vorbei, der Markt boomt - zu Lasten ärmerer New Yorker. Dies sind die wahnsinnigsten Prestigeobjekte. Luxus-Immobilien boomen in Manhattan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/luxus-immobilien-boomen-in-manhattan-a-905402.html)
....kleine Gruppe derart dekadent abheben kann, muß die breite Masse den Gürtel noch enger schnallen. Solange die sich das gefallen läßt, werden die Türme wohl noch höher und die Materialien noch edler ausfallen. Dumm gelaufen!
4. Ist doch in Germania auch nicht anders,
experiencedsailor 18.06.2013
vielleicht nicht so extrem bisher. Aber die Zeiten einer Jarrestadt oder von Bruno Taut sind eben schon lange vorbei, auch in Deutschland. Selbst die gute alte "Neue Heimat" hat ja noch etwas soziales hingekriegt, auch lange her. Ansonsten, in Hamburg gibt´s bald eine absurde Elbphilharmonie, die wir einem Scheich am Besten als Privatkino vermieten sollten - die einzige Chance, daß der Steuerzahler nicht vollständig auf den Kosten sitzen bleibt.
5.
smersh 18.06.2013
Prinzipiell sind das wahrscheinlich schöne Wohnungen, aber zum Glück unterdrückt meine Höhenangst jeglichen Neid. :)
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