Machtkampf bei Deutscher Bank: Ackermann soll Aufsichtsratschef werden

Von Sven Böll und

Im Machtkampf bei der Deutschen Bank ist eine Vorentscheidung gefallen: Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat haben sich nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen für Konzernchef Ackermann als neuen Oberkontrolleur entschieden - und gegen Amtsinhaber Börsig. Damit könnte Ackermann seinen Nachfolger selbst küren.

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Josef Ackermann: Auf der Suche nach einem Nachfolger

Hamburg - Die beiden Herren verbindet einiges: Sie sind Anfang 60, das Haupthaar ist durchaus noch üppig, wenn auch ergraut. Sie kennen sich aus den Sitzungen des Vorstands der Deutschen Bank. Und sie haben beide Karrieren hingelegt, für die es Lebensläufe von deutlich mehr als einer Seite bedarf.

Und dennoch liefern sich Josef Ackermann und Clemens Börsig seit Jahren einen Machtkampf, der der Deutschen Bank nicht wirklich würdig ist. Konzernchef Ackermann hat nach fast zehn Jahren an der Spitze des Instituts durchaus Sehnsucht nach einer weniger aufreibenden Tätigkeit. Er könnte sich den Job des Aufsichtsratschefs wohl vorstellen.

Allerdings will der derzeitige Oberaufseher Börsig nicht weichen. Pikanterweise soll er einen Nachfolger für den einflussreichsten deutschen Banker suchen, ist aber davon überzeugt, für den Posten selbst am besten geeignet zu sein. Wegen des Dauer-Hickhacks war zuletzt der favorisierte Ex-Bundesbankchef Axel Weber genervt abgesprungen.

Nun könnte jedoch eine wichtige Vorentscheidung im Grabenkrieg zwischen Ackermann und Börsig gefallen sein. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben sich neun der zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat dafür ausgesprochen, dass Ackermann an die Spitze des Gremiums wechselt und dann sofort seinen Favoriten für die Nachfolge als Vorstandschef bestimmt. Börsig müsste dann wohl gehen, Ackermann hätte gewonnen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, man kommentiere Marktgerüchte generell nicht. Die Suche nach einem Nachfolger Ackermanns sei Aufgabe des Aufsichtsrates. Dieser spreche von einem klar strukturierten Prozess, dessen Ergebnis zu gegebener Zeit bekanntgegeben werde.

Doppelspitze wahrscheinlich

Wie aus dem Umfeld der Bank verlautete, haben sich die Arbeitgeber im Kontrollrat noch nicht auf eine Seite geschlagen. Trotzdem könnte die Meinungsbildung der Arbeitnehmer nun den Takt vorgeben. Dass eine wichtige Personalie ohne ihre Zustimmung fällt, ist unwahrscheinlich. Preschen die Arbeitnehmer vor, haben sie gute Chancen, ihren Willen auch durchzusetzen.

Börsig wird sich über die Nachricht nicht freuen. 2009 hatte der Manager versucht, sich an die Bankspitze zu putschen. Schon damals ging es um das gleiche Thema wie heute: die Ackermann-Nachfolge. Weil Börsig jedoch nicht fündig geworden war, hatte er sich selbst ins Spiel gebracht. Gegen diese Rochade in eigener Sache machten die Arbeitnehmer mobil. Ackermann, dessen Vertrag eigentlich im Mai 2010 endete, verlängerte daraufhin um drei Jahre.

Unter Insidern des Instituts gilt es als wahrscheinlich, dass die Bank unabhängig vom Ausgang des Machtkampfes künftig von einer Doppelspitze geführt wird. Deren eine Hälfte dürfte wohl der oberste Investmentbanker Anshu Jain bilden. Der 48-jährige gebürtige Inder führt von London aus die wichtigste und erfolgreichste Sparte der Bank. Allein im ersten Quartal 2011 erwirtschaftete das Investmentbanking drei Viertel des Gesamtgewinns der Deutschen Bank.

Allerdings ist Jain als alleiniger Vorstandschef kaum durchsetzbar, weil ihm die politischen Kontakte in Deutschland fehlen und er der deutschen Öffentlichkeit kaum zu vermitteln wäre. Angeblich lernt Jain zwar seit einiger Zeit Deutsch. Bisher hat er bei öffentlichen Auftritten aber stets Englisch gesprochen.

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Ackermanns Mannen: Wer wird der nächste Chef?
Auch innerhalb der Bank gibt es Widerstände gegen eine alleinige Chefrolle des Investmentbankers. Eine solche Konstellation würde das bisher von Ackermann mühsam ausbalancierte Gleichgewicht zwischen den Standorten Frankfurt am Main und London gefährden.

Als wahrscheinlich gilt deshalb, dass Jain ein deutschsprachiger Manager aus der Frankfurter Konzernzentrale zur Seite gestellt wird. Die besten Chancen haben dabei wohl die beiden Vorstände Hugo Bänziger und Jürgen Fitschen. Außenseiterchancen werden dem Privatkundenchef Rainer Neske eingeräumt.

Laut einem Bericht der "Welt" favorisiert Noch-Aufsichtsratschef Börsig den bisherigen Firmenkundenvorstand Fitschen. Der ist in Deutschland bestens vernetzt, wird in diesem Jahr allerdings schon 63 Jahre alt und wäre daher allenfalls eine Übergangslösung. Anders formuliert: Er steht nicht wirklich für einen Generationswechsel.

Der bisherige Risikovorstand Bänziger gilt als Favorit Ackermanns - nicht nur, weil er ebenfalls Schweizer ist. Bänzigers Problem ist allerdings die mangelnde Hausmacht. Weil er als Risikovorstand keinen eigenen Bereich führt, könnte ihm die Unterstützung im eigenen Haus fehlen.

Bänzigers Schwäche ist die Stärke von Rainer Neske. Der 47-Jährige hat den zuletzt mit der Postbank-Übernahme stark gewachsenen Privatkundenbereich hinter sich. Allerdings gilt Neske als zu jung. Zudem ist kaum vorstellbar, wie eine Doppelspitze mit ihm und Jain funktionieren würde - zu unterschiedlich sind die beiden Charaktere.

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1. Gut so.
Asche 07.07.2011
So sollte es m.E. auch sein. Der Übergang zwischen den Konzernlenkern wird so abgemildert, der "alte" kann aus dem Aufsichtsrat heraus die schlimmsten Kurskrrekturen glätten und mit seiner Erfahrung beitragen.
2. .
frubi 07.07.2011
Zitat von sysopIm*Machtkampf bei der Deutschen Bank ist eine Vorentscheidung gefallen: Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat haben sich nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen für Konzernchef Ackermann als neuen Oberkontrolleur entschieden*- und gegen Amtsinhaber Börsig. Damit könnte Ackermann seinen Nachfolger selbst küren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773002,00.html
Welch großartiges Schauspiel. Wozu gibt es eigentlich noch Kaberettisten? Wir leben bereits im Real-Life-Kabarett. Reinste Realsatire. Ackermann als "Oberaufseher". Dann kann man doch direkt den Putin als Chef des internationalen Strafgerichtshof einsetzen. Oder man nimmt Herrn Assad aus Syrien und setzt ihn an die Spitze von Amnesty.
3. solcher Quatsch gehört verboten
Optimisten 07.07.2011
Zitat von sysopIm*Machtkampf bei der Deutschen Bank ist eine Vorentscheidung gefallen: Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat haben sich nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen für Konzernchef Ackermann als neuen Oberkontrolleur entschieden*- und gegen Amtsinhaber Börsig. Damit könnte Ackermann seinen Nachfolger selbst küren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773002,00.html
was für ein Quatsch. Der Artikel zeigt mal wieder, dass es nur um Schlagzeilen geht. Spätetens morgen wird auch der Spiegel das Gegenteil schreiben, um neue Lser zu gewinnen. Aufsichtsratsmitlgieder rkönnen ach dem gestez nur aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden wählen, nicht aber jemanden, der überhaupt kein Mitglied des Gremiums ist. Und das wird A. auch nie werden.
4. lorem ipsum
schniggeldi 07.07.2011
Zitat von frubiWelch großartiges Schauspiel. Wozu gibt es eigentlich noch Kaberettisten? Wir leben bereits im Real-Life-Kabarett. Reinste Realsatire. Ackermann als "Oberaufseher". Dann kann man doch direkt den Putin als Chef des internationalen Strafgerichtshof einsetzen. Oder man nimmt Herrn Assad aus Syrien und setzt ihn an die Spitze von Amnesty.
Sie wissen, was die Aufgabe des Aufsichtsrats eines Privatunternehmens ist? Sieht nicht so aus.
5. Die Arbeitnehmer werden schon wissen, was gut ist
Europa! 07.07.2011
Eine Persönlichkeit wie Herrn Ackermann kann man gar nicht fest genug an unser Land binden.
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Zur Person
dpa
Josef Ackermann, Jahrgang 1948, kam als Sohn eines Schweizer Arztes zur Welt und wuchs in dem kleinen Städtchen Mels auf. Sein Studium absolvierte er an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen, 1977 promovierte er zum Dr. oec. Nach beruflichen Stationen bei der Schweizer Kreditanstalt und der Credit Suisse kam Ackermann 1996 zur Deutschen Bank, zunächst als Vorstand für den Geschäftsbereich Kreditrisiken.
Im Mai 2002 übernahm Ackermann die Führung des angeschlagenen Finanzinstituts, das er mit einem harten Sanierungskurs wieder in die Spitzengruppe der globalen Geldhäuser brachte. Ackermann ist einer der umstrittensten Manager des Landes - unter anderem, weil er auch in der Finanzkrise stur am Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent festhielt.

Kritiker werfen ihm vor, dabei zu sehr auf das Investmentbanking zu setzen und den Heimatmarkt zu vernachlässigen. Ackermanns Lebensmittelpunkt ist in Zürich. Der Opernfan ist verheiratet und hat eine Tochter.


Zahlen und Fakten
Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands und beschreibt sich selbst als "eine führende globale Investmentbank" mit starkem Privatkundengeschäft. Mehr als 80.000 Mitarbeiter gehören weltweit zu dem Konzern, der in 72 Ländern tätig ist. Die Bank, an deren Spitze Josef Ackermann steht, verdiente im Jahr 2010 nach Steuern 2,3 Milliarden Euro. Der bisherige Rekord lag im Geschäftsjahr 2007, als am Ende 6,5 Milliarden Euro unterm Strich standen.