Peter Löscher: Machtkampf um Chefposten bei Siemens

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Marco Urban

Siemens-Chef Peter Löscher: Machtkampf zwischen Vorstand und Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat von Siemens will offenbar Vorstandschef Löscher ablösen. Noch am Wochenende sollen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter getrennt darüber beraten. Kampflos will der Manager seinen Posten nicht räumen: "Es war noch nie meine Art, schnell die Segel zu streichen".

München - Die Hinweise, dass der Aufsichtsrat Siemens-Chef Peter Löscher absetzen will, verdichten sich: Mehreren übereinstimmenden Medienberichten zufolge berate der Aufsichtsrat bereits über die Personalie und wolle das am Wochenende fortsetzen. Am kommenden Mittwoch kommt das Gremium zu seiner turnusgemäßen Sitzung zusammen.

Löscher war nach einer neuerlichen überraschenden Gewinnwarnung am Donnerstag schwer in Bedrängnis geraten, heißt es aus dem Unternehmen. Dem Vernehmen nach wollen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite jeweils zu getrennten Beratungen zusammenkommen. Auf der Agenda stehe dabei "die Besetzung des Vorstandes", hieß es.

Dem manager magazin zufolge will eine Mehrheit der Aufsichtsratsmitglieder den amtierenden Konzernchef abberufen. Der Nachfolger soll demnach der Chef der wichtigen Industriesparte, Siegfried Russwurm, werden. Laut "Süddeutscher Zeitung" ist auch eine Doppelspitze aus Russwurm und Finanzvorstand Joe Kaeser im Gespräch.

Die Initiative zur Ablösung Löschers sei von Kapitalvertretern des Aufsichtsrats ausgegangen, aber auch unter den Arbeitnehmern gäre es, schreibt das manager magazin. Mit seinem Sparkurs und dem Abbau von voraussichtlich 10.000 Stellen weltweit hatte Löscher die Belegschaft gegen sich aufgebracht. Gewerkschafter fordern eine Strategie für Deutschland.

Löscher will um seinen Job kämpfen

Siemens-Chef Peter Löscher will angesichts von Spekulationen über seine Zukunft um sein Amt kämpfen. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", sagte der Manager der "Süddeutschen Zeitung". "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je."

Zuletzt hatte allerdings sogar der Chef des Gesamtbetriebsrats und Aufsichtsratsmitglied Lothar Adler Löscher ungewohnt offen und scharf attackiert. Löscher sagte der "SZ", er stehe in einem "engem Austausch mit dem Aufsichtsrat, und wir arbeiten vertrauensvoll auch in dieser schwierigen Phase zusammen". Es werde in den kommenden Tagen alles in Ruhe besprochen. Erneut wies Löscher zurück, es gebe innerhalb des Vorstandes Streit.

Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats hieß es dagegen, innerhalb der Siemens-Spitze tobe ein Machtkampf. Und unter den Aufsehern gebe es verschiedene Positionen. Während einige die Schuld an der Misere bei Löscher sehen, geben andere Finanzchef Joe Kaeser die Schuld. Schließlich sei auch er für die Prognosen und die Kapitalmarktkommunikation verantwortlich, sagte ein Insider.

Siemens droht Management-Krise

Möglicherweise wächst sich der Konflikt zu einer größeren Management-Krise aus. Demnach wollen manche mehrere Köpfe rollen sehen, einige stellen auch den ohnehin umstrittenen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in Frage.

Am Donnerstag hatte Löscher das Gewinnziel des Konzerns für kommendes Jahr zurücknehmen müssen und damit die Börse verschreckt. Die angepeilte operative Gewinnmarge von mindestens zwölf Prozent werde voraussichtlich nicht erreicht, erklärte das Unternehmen in einer knappen Mitteilung. Zur Begründung nannte Siemens lediglich "geringere Markterwartungen". Es war bereits die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten, denn auch die Ziele für das laufende Geschäftsjahr musste Löscher Anfang Mai kassieren. Aktionärsschützer gingen hart mit dem Manager ins Gericht.

Trotz der vielen Fehlleistungen zählte Löscher zeitweise zu den bestbezahlten Managern der Republik. In der Spitze kam er auf fast neun Millionen Euro Jahresvergütung. In einer Imagestudie, die das manager magazin in seinem aktuellen Heft veröffentlicht, hatte Löscher deutlich schwächer abgeschnitten als der Siemens-Konzern insgesamt.

Die neuerlichen schlechten Nachrichten hatten die Siemens-Aktien am Donnerstag zeitweise um rund sieben Prozent abstürzen lassen. Nach Spekulationen um Löschers Zukunft ging es am Freitag dagegen wieder aufwärts für die Papiere: Zwischenzeitlich gehörten sie mit einem Plus von gut 0,9 Prozent bei über 79 Euro zu den größten Dax-Gewinnern.

nck/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Trainer und Fußballmanschaft
spmc-1255014939121 26.07.2013
Natürlich ist der Trainer schuld, wenn die Fußballmannschaft schlecht spielt. Das war schon immer so, daß dann der Trainer entlassen werden muß. Offensichtlich hat der Trainer Löscher zu seiner Mannschaft nie den Draht gefunden. Nur wie geht es dann weiter: Es sind immer noch die gleichen Fußballer auf dem Feld, die die Niederlagen und Probleme verursacht haben. Man darf gespannt sein!
2. Dummheit der Aktionäre
endrag 26.07.2013
Löschers Absetzung wurde bereits auf der Hauptversammlung gefordert, wie auch weder den Aufsichtsrat noch die Geschäftsführung wegen ihrer katastrophalen Geschäftspolitik zu entlasten. Die Aktionärsmehrheit hatte sich aber entschieden, das Unternehmen auf Talfahrt zu schicken. Vielleicht sind die Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung klüger, verweigern die Entlastung und schicken die unfähigen Manager nach Hause.
3. Immer das selbe Bild
mundi 26.07.2013
Zuerst wird ein Milliardenverlust durch Zukauf unrentablen Solarfirmen (Israel) verursacht. Dann verkündet Löscher großspurig ein Sparprogramm. Es beinhaltet die üblichen Stellenstreichungen. So handelt heute ein hoch bezahlter Manager: Zunächst verursacht er der Firma Riesenverluste, die Arbeitsplätze vernichten. Dann wechselt er gegen hohe Abfindung in eine andere Gesellschaft. Am Gewinn wurde er beteiligt. Wie wäre es mit der Beteiligung am verursachten Schaden?
4. Ingenieur statt Betriebswirt
besserbescheidwisser 26.07.2013
Zitat von sysopDer Aufsichtsrat von Siemens will offenbar Vorstandschef Löscher ablösen. Noch am Wochenende sollen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter getrennt darüber beraten. Kampflos will der Manager seinen Posten nicht räumen: "Es war noch nie meine Art, schnell die Segel zu streichen". Machtkampf bei Siemens: Vorstand Löscher kämpft um seinen Job - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/machtkampf-bei-siemens-vorstand-loescher-kaempft-um-seinen-job-a-913383.html)
Russwurm kenne ich zwar nicht, es ist meiner Meinung nach aber sicher keine schlechte Idee wenn man im Technologie-Konzern Siemens mal wieder einen Ingenieur statt einem Betriebswirt an die Spitze setzt.
5. Zerschlagt endlich dieses....
kreuzleser 26.07.2013
von Korruption zerfressenen Kapitalsammelbecken! Wie konnte sich so ein Fachanalphabet 6 Jahre unbemerkt an der Spitze trollen? Wenn das der Werner wüsste....
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