Mahnschrift des Finanzfalken Wutbanker Weber wettert gegen EU-Krisenplan

Kurz vor seinem Abdanken haut Axel Weber noch einmal auf den Putz: In einem Gastbeitrag kritisiert der Noch-Bundesbankchef die Krisenpolitik der Euro-Retter. Der Staatenbund dürfe den Schuldenländern nicht zu stark entgegenkommen - ihre Eigenverantwortung müsse gewahrt bleiben.

Scheidender Bundesbankpräsident Weber: Brandschrift gegen laxe Geldpolitik
dapd

Scheidender Bundesbankpräsident Weber: Brandschrift gegen laxe Geldpolitik


Hamburg - In Sachen Währungspolitik hat Axel Alfred Weber nicht mehr lange etwas zu melden - doch jetzt, kurz vor seinem Abdanken als Bundesbank-Chef, wählt er noch einmal deutliche Worte. In einem Gastbeitrag für die britische "Financial Times" kritisiert der bekennende Finanzfalke zentrale Maßnahmen der EU zur Bekämpfung der Schuldenkrise in europäischen Ländern.

"Europas Reformen können einen hohen Preis haben", schreibt der Noch-Bundesbanker schon in der Überschrift. Die Fundamente der EU-Verfassung müssten weiter respektiert werden. Das bedeute, dass die Eigenverantwortung der einzelnen Staaten gewahrt werden müsse.

Hilfsmaßnahmen der EU dürften nur dazu dienen, die harten Sparmaßnahmen verschuldeter Regierungen für die Bürger etwas erträglicher zu machen. Mehr aber auch nicht. Die aktuellen Hilfen sollten daher nicht signifikant ausgeweitet werden - auch wenn dies immer wieder gefordert werde.

So dürfe der Rettungsfonds auf gar keinen Fall die Macht erhalten, Anleihen verschuldeter Staaten zu kaufen, schreibt Weber. Damit stellt er sich frontal gegen die Europäische Zentralbank (EZB), die genau diesen Vorschlag unterstützt. Weber sitzt selbst im EZB-Rat und war bis vor kurzem noch heißer Anwärter auf den Chefposten.

Weber spricht sich außerdem dagegen aus, die Zinsen für Hilfszahlungen aus dem EU-Krisenfonds zu senken - eine Forderung, die unter anderem der Wirtschaftsweise Peter Bofinger vehement vertritt.

Webers Äußerungen verdeutlichen, wie isoliert der Banker im EZB-Rat zuletzt war. Er gilt als strikter Verfechter der deutschen Stabilitätskultur. In der europäischen Schuldenkrise war er mit dieser Haltung zunehmend in Konflikt zur EZB und ihrem Präsidenten Jean-Claude Trichet geraten. Den Aufkauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank kritisierte er mehrfach öffentlich.

Am 10. Februar hatte Weber öffentlich erklärt, auf eine Kandidatur für EZB-Vorsitz zu verzichten und zum 30. April sein Amt als Bundesbankchef niederzulegen - ein Jahr vor Ende seiner regulären Amtszeit.

ssu



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Jordan Sokoł 22.02.2011
1. Europolitiker pfuschen der EZB ins Handwerk
Zitat von sysopKurz vor seinem Abdanken haut Axel Weber noch einmal auf den Putz: In einem Gastbeitrag kritisiert der Noch-Bundesbankchef die Krisenpolitik der Euro-Retter. Der Staatenbund dürfe den Schuldenländern nicht zu stark entgegenkommen - ihre Eigenverantwortung müsse gewahrt bleiben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746927,00.html
Dem Artikel ist das eigennützige Interesse von Medienvertretern entnehmbar! Worauf kommt es an? Die EZB ist für die Stabilität des Außenwerts des EURO verantwortlich und bedient sich zu diesem Zweck der ihr zur Verfügung stehenden Instrumentarien der Marktbeeinflussung. Eines der Beeinflussungsinstrumente ist die Lenkung der umlaufenden frei verfügbaren Geldmengen und deren Verzinsung. Wenn hier unterstellt wird, daß die EZB-Ratsmitglieder dem Aufkauf von Anleihen verschuldeter Mitgliedsländer zustimmen, so ist dies nur in Ansätzen korrekt. Tatsächlich ist das Aufkaufprogramm auf eine Beschlußfassung der in der EZB vertretenen Regierungen zurückzuführen. Damit wird das Marktbeeinflussungsspektrum der EZB empfindlich eingeschränkt. - Es handelt sich um essentielle Beeinflussungen, die durch die Forderung nach niedriger Ver- zinsung für Hilfszahlungen noch verschärft werden. De facto ist mit dem Hilfsprogramm eine Cokompetenz geschaffen worden, die den Handlungsspielraum der EZB in nicht mehr vertretbarem Umfang einschränkt. Weber hat recht! - Es ist an der Zeit, den Verstoß gegen den Lissabon-Vertrag vom EGH überprüfen zu lassen. Ich habe diesen Schritt schon lange vermißt. Daraus ist zu schließen, daß in den Gremien der EZB rückgratlose, vornehmlich an ihrer beruflichen Karriere interessierte Opportunisten sitzen. Herr Weber ist ein aufrichtiger, sich an der Sache orientierender Währungshüter, dem Anerkennung für sein couragiertes Verhalten entgegengebracht und nicht – wie dem Artikel entnehmbar – mit Hohn begegnet werden sollte.
Tubus 22.02.2011
2. Kontrollfunktion
Zitat von Jordan SokołDem Artikel ist das eigennützige Interesse von Medienvertretern entnehmbar! Worauf kommt es an? Die EZB ist für die Stabilität des Außenwerts des EURO verantwortlich und bedient sich zu diesem Zweck der ihr zur Verfügung stehenden Instrumentarien der Marktbeeinflussung. Eines der Beeinflussungsinstrumente ist die Lenkung der umlaufenden frei verfügbaren Geldmengen und deren Verzinsung. Wenn hier unterstellt wird, daß die EZB-Ratsmitglieder dem Aufkauf von Anleihen verschuldeter Mitgliedsländer zustimmen, so ist dies nur in Ansätzen korrekt. Tatsächlich ist das Aufkaufprogramm auf eine Beschlußfassung der in der EZB vertretenen Regierungen zurückzuführen. Damit wird das Marktbeeinflussungsspektrum der EZB empfindlich eingeschränkt. - Es handelt sich um essentielle Beeinflussungen, die durch die Forderung nach niedriger Ver- zinsung für Hilfszahlungen noch verschärft werden. De facto ist mit dem Hilfsprogramm eine Cokompetenz geschaffen worden, die den Handlungsspielraum der EZB in nicht mehr vertretbarem Umfang einschränkt. Weber hat recht! - Es ist an der Zeit, den Verstoß gegen den Lissabon-Vertrag vom EGH überprüfen zu lassen. Ich habe diesen Schritt schon lange vermißt. Daraus ist zu schließen, daß in den Gremien der EZB rückgratlose, vornehmlich an ihrer beruflichen Karriere interessierte Opportunisten sitzen. Herr Weber ist ein aufrichtiger, sich an der Sache orientierender Währungshüter, dem Anerkennung für sein couragiertes Verhalten entgegengebracht und nicht – wie dem Artikel entnehmbar – mit Hohn begegnet werden sollte.
Danke fuer diesen Beitrag. Es reichte eben nicht, die EZB nach deutschem Muster zu konstruieren, wenn sie nicht von Menschen gefuehrt wird, die sich diesem Geist verpflichtet fuehlen. Unsere Politiker haben es geschafft, auch in diese Kontrollinstanz ihre kleinen schmutzigen Finger zu stecken. Auch wenn dem Fuchs vielleicht die Trauben zu hoch hingen, mir hat die Ablehnung des Postens durch Steinbrueck gefallen, dass er als ehemaliger Finanzminister fuer eine Kontrollfunktion nicht infrage kaeme. Recht hatte er.
twellb 22.02.2011
3. Amerikanische Geldmengen
Die FED, leider neben der Geldwertstabilität auch dem Arbeitsmarkt verpflichtet, erhöhte die Geldmenge, bis ein Zinssatz erreicht wurde, der nicht mehr erniedrigt werden kann, sodass dieses Geldmarktinstrument wegfiel - jetzt kann die FED nur noch Staatsanleihen kaufen - der Sprung ins Wasser, um dem Ersaufen zu entgehen. Respekt für jeden Rest an Geldmengensensibilität.
matt_us, 22.02.2011
4. Weber sollte sich leise davonschleichen
Zitat von Jordan SokołDem Artikel ist das eigennützige Interesse von Medienvertretern entnehmbar! Worauf kommt es an? Die EZB ist für die Stabilität des Außenwerts des EURO verantwortlich und bedient sich zu diesem Zweck der ihr zur Verfügung stehenden Instrumentarien der Marktbeeinflussung. Eines der Beeinflussungsinstrumente ist die Lenkung der umlaufenden frei verfügbaren Geldmengen und deren Verzinsung. Wenn hier unterstellt wird, daß die EZB-Ratsmitglieder dem Aufkauf von Anleihen verschuldeter Mitgliedsländer zustimmen, so ist dies nur in Ansätzen korrekt. Tatsächlich ist das Aufkaufprogramm auf eine Beschlußfassung der in der EZB vertretenen Regierungen zurückzuführen. Damit wird das Marktbeeinflussungsspektrum der EZB empfindlich eingeschränkt. - Es handelt sich um essentielle Beeinflussungen, die durch die Forderung nach niedriger Ver- zinsung für Hilfszahlungen noch verschärft werden. De facto ist mit dem Hilfsprogramm eine Cokompetenz geschaffen worden, die den Handlungsspielraum der EZB in nicht mehr vertretbarem Umfang einschränkt. Weber hat recht! - Es ist an der Zeit, den Verstoß gegen den Lissabon-Vertrag vom EGH überprüfen zu lassen. Ich habe diesen Schritt schon lange vermißt. Daraus ist zu schließen, daß in den Gremien der EZB rückgratlose, vornehmlich an ihrer beruflichen Karriere interessierte Opportunisten sitzen. Herr Weber ist ein aufrichtiger, sich an der Sache orientierender Währungshüter, dem Anerkennung für sein couragiertes Verhalten entgegengebracht und nicht – wie dem Artikel entnehmbar – mit Hohn begegnet werden sollte.
Die EZB ist fuer die Stabilitaet des Finanzsystems mitverantwortlich. Und deshalb ist es auch richtig, wenn das von Hedgefonds manipuliert wird, muss die EZB eingreifen. Natuerlich sollte die EZB alles tun, um die Finanzstabilitaet zu waren. Da gehoert beeinflussung der Renditen der Peripherielaender natuerlich mit dazu. Weber hat Unrecht, in fast allem was er da sagt in dem FT Artikel. Sie koennen sich da mal einloggen, (FT.com - oben links ist gleich Webers Artikel) und sehen was da steht, und meine Kommentare sind gleich drunter. Man kann eigentlich nur sagen, gut dass er weg ist, er ist mit dem Job total ueberfordert gewesen, und von den Finanzmaerkten ueber das Ohr gehauen worden. Das hat hauptsaechlich Hedgefonds geholfen, die mit CDS auf groessere Panik, bis hin zur Umschuldung wetten. Weber hat das nicht erkannt. Er muss gehen.
nixkapital 22.02.2011
5. ....
Zitat von sysopKurz vor seinem Abdanken haut Axel Weber noch einmal auf den Putz: In einem Gastbeitrag kritisiert der Noch-Bundesbankchef die Krisenpolitik der Euro-Retter. Der Staatenbund dürfe den Schuldenländern nicht zu stark entgegenkommen - ihre Eigenverantwortung müsse gewahrt bleiben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746927,00.html
...was ist denn ein Wutbanker? Stammt der aus der Gattung "Wutbürger"? Haben wir da mal wieder eine Schublade erfunden, in die wir - leicht spöttelnd - Menschen einordnen, die den Mund aufmachen, da wo es not tut? Liest sich so, als wären protestierende, kritisisierende Menschen beim "SPIEGEL" mittlerweile mit einem "Bäh"-Faktor versehen. Oder soll diese zynische Abgrenzung bewirken, dass man seine eigene Passivität oder sein Schwimmen im Mainstream verbirgt?
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