Digitale Ruhezeit Mittelstandspräsident fordert Mail-freien Feierabend

Die Rufe nach einem Feierabend ohne Nachricht vom Chef mehren sich. Eben erst hatte der neue IG-Metall-Chef Detlef Wetzel gefordert, berufliche SMS und E-Mails nach Dienstschluss zu unterbinden. Jetzt unterstützt auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft den Vorstoß.

Jetzt ist Feierabend: Mittelstandsverbandschef Ohoven fordert digitale Ruhezeit
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Jetzt ist Feierabend: Mittelstandsverbandschef Ohoven fordert digitale Ruhezeit


Osnabrück - Herrlich, endlich Feierabend. Bier auf, Glotze an, doch dann das: Das Handy piepst, der Laptop spielt eine kleine Fanfare - Nachricht vom Chef, die Erholung ist dahin. Wenn es nach Detlef Wetzel, dem neuen IG-Metall-Chef geht, soll genau damit Schluss sein - er hatte vergangene Woche angeregt, beruflichen SMS- und E-Mail-Verkehr nach Feierabend zu unterbinden.

Jetzt bekam Wetzel Schützenhilfe. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat mit Verständnis auf die Forderung der IG Metall reagiert, SMS und E-Mails vom Chef nach Feierabend zu untersagen. Der Präsident des Verbandes, Mario Ohoven, sprach sich in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag aber gegen eine gesetzliche Regelung aus. "Das ist eine Angelegenheit, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer untereinander im Gespräch abstimmen sollten. Das muss in jedem Unternehmen einfach möglich sein."

Bei den Führungskräften müsse allerdings sichergestellt bleiben, dass sie auch nach Dienstschluss erreichbar seien. "Die Mitarbeiter haben jedoch das Recht auf eine E-Mail-freie Zeit nach Feierabend", sagte Ohoven.

Erste Unternehmen schalten schon ab

Weil freiwillige Selbstverpflichtungen eher selten zustande kommen, hatte IG-Metall-Chef Wetzel gesetzliche Regelungen gefordert. Mit ihnen sollten SMS- und E-Mail-Verkehr nach Feierabend und an Wochenenden unterbunden werden. "Die Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar sind", sagte Wetzel der "Bild"-Zeitung vergangene Woche.

Mit der Forderung nach einem Verbot des beruflichen E-Mail-Verkehrs nach Feierabend greift Wetzel das Unbehagen vieler Arbeitnehmer auf, die die ständige Erreichbarkeit als Belastung empfinden. Einige Unternehmen haben bereits darauf reagiert. So hat beim Autobauer VW der Betriebsrat eine Vereinbarung durchgesetzt, wonach die E-Mail-Funktion für Blackberry-Geräte 30 Minuten nach Feierabend abgeschaltet wird.

Auch die bisherige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sich prinzipiell gegen E-Mails nach Dienstschluss ausgesprochen, eine gesetzliche Regelung aber gescheut. Dafür gilt in ihrem Ministerium seit 2012 ein Kodex, wonach Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur noch "in begründeten Ausnahmefällen" in ihrer Freizeit durch E-Mails oder Anrufe stören dürfen. Zugleich soll keiner benachteiligt werden, der außerhalb seiner Arbeitszeit etwa sein Handy "abschaltet oder Nachrichten nicht abruft".

mhe/dpa



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Seite 1
fuenfringe 30.11.2013
1. Aber natürlich
Zitat von sysopDPADie Rufe nach einem Feierabend ohne Nachricht vom Chef mehren sich. Eben erst hatte der neue IG-Metall-Chef Dieter Wetzel gefordert, berufliche SMS und Mails nach Dienstschluss zu unterbinden. Jetzt unterstützt auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft den Vorstoß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mailfreier-feierabend-ohoven-unterstuetzt-forderung-der-ig-metall-a-936542.html
spricht sich der Bundesverband mittelständische Wirtschaft gegen eine gesetzliche Regelung aus. Die Unternehmer wollen sich natürlich in "ihre" Betriebskultur nicht reinreden lassen. So, wie sie natürlich gegen Mindestlohn sind. Das soll alles in Absprache mit den Beschäftigten laufen, denn die kann man unter Druck setzen. Ich hoffe mal, da kommt tatsächlich irgendwann eine gesetzliche Regelung, wenn ich mich an einen ehemaligen Vorgesetzten erinnere, der mich nachts um 1 Uhr angerufen hat, ob ich seine Klausuren denn schon korrigiert hätte.
goethestrasse 30.11.2013
2. alles schön und gut, aber..
..dann auch keine privaten mails, chats und sms während der Arbeitszeit
smartphone 30.11.2013
3. das ist erst der Anfang
1, es fängt schon mal damit an , daß selbstherrliche Personaler mal in die Erziehungsanstalt gehören , damit u.a auch noch/schon 39 jährige einen Job finden.......Natürlich zu einen nicht sinnbefreiten Lohn... Im weiteren sollten solche Dinge wie "Überstunden sind selbstverständlich mit dem Gehalt abgegolten " auf die Müllhalde unsittlichen Gebarens verbracht werden...... Im weiteren solche "Liebenswürdigkeiten" wo zB ach so hochrelevante Meetings von Dr .Abteilungsleiter Überehrgeizig angesetzt werden..also die komplette Crew um 14:30 Uhr antanzen soll --- die Komplette ,also auch die , die gar nicht um die Zeit da sind ( weil Nachtschicht- also eben schläft ... oder sogar, die die in Urlaub (!!) sind ) diese sog Führungskräfte bemeckern das auch noch ganz oben - und bekommen auch noch recht ............ Die Latze ließe sich beliebig erweitern ............... A propo Von der Leyen ... ausgerechnet dei ,die sich ausser durch kunstvolle Handspielchen vor der Kamera nur durch eines effektiv auszeichnet : Unfähigkeit !
shardan 30.11.2013
4. Zwischen den Zeilen
Herr Ohoven möchte keine gesetzliche Regelung, sondern einzelne Regelingen zwischen AG und AN - warum wohl? Damit Mails usw ggf auch festgeschrieben werden können.... wer dem Herrn glaubt, dass da ohne gesetzlichen Druck etwas andweres kommt, dürfte sich ganze erheblich täuschen.
der_durden 30.11.2013
5.
Zitat von sysopDPADie Rufe nach einem Feierabend ohne Nachricht vom Chef mehren sich. Eben erst hatte der neue IG-Metall-Chef Dieter Wetzel gefordert, berufliche SMS und Mails nach Dienstschluss zu unterbinden. Jetzt unterstützt auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft den Vorstoß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mailfreier-feierabend-ohoven-unterstuetzt-forderung-der-ig-metall-a-936542.html
Wie nett, dass man sich gegen eine gesetzliche Regelung aussprach. Weltfremder ginge es ja auch nicht mehr! Man stelle sich mal vor, der Staat verböte es mir, bzw. meinem Chef, mit mir zu kommunizieren, wann wir es beide, einvernehmlich möchten. Mein Arbeitstag ist flexibel, kann meine Zeiten frei gestalten, immer mehr Firmen gestehen dies den Mitarbeitern zu. In diese Konzepte passen keine starren Regelungen mehr. Wenn ich meine Ruhe möchte, mache ich das Smartphone aus. Es kann doch nicht sein, dass man Gutverdiener im mittleren Management per Gesetz vor sich selbst schützen muss. Irgendwo sollte die Grenze staatlicher Einmischung durchaus gezogen sein. Gerne dürfen sich die Tarifparteien auf Tarifverträge einigen, oder Unternehmen mit ihren Mitarbeitern per Betriebsvereinbarung, oder gar im direkten vertraglichem Verhältnis. Auch sollte eine Diskussion über die Notwendigkeit der steten Erreichbarkeit geführt werden. Denn in den meisten Fällen ist dies nicht nötig und macht auf Dauer eventuell wirklich krank und unmotiviert, was letztlich nie im Sinne der Geschäftsleitung ist. Arbeitsplätze in gewissen Branchen werden immer flexibler und da braucht es keine neuen Schutzgesetze, wann man wem eine Mail schreibt, oder anruft.
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