Nach MH17-Absturz Malaysia Airlines bangt um Zukunft

Erst verschwand Flug MH370, nun trifft Malaysia Airlines mit dem Absturz von MH17 die zweite Tragödie binnen vier Monaten. Das Unternehmen, früher der Stolz eines ganzen Landes, steht vor einer ungewissen Zukunft.

Malaysia-Airlines-Schalter am Flughafen in Kuala Lumpur: Zweite Tragödie binnen vier Monaten
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Malaysia-Airlines-Schalter am Flughafen in Kuala Lumpur: Zweite Tragödie binnen vier Monaten

Aus Kuala Lumpur berichtet Ulrike Putz


Vom Geschäft will Dato Naschmuddin Abdullah nicht reden. "Wir kümmern uns jetzt erst einmal um die Angehörigen der Passagiere von MH17", sagt der Mann, dessen Visitenkarte ihn als "Senior Vice President Strategic Communication" von Malaysia Airlines ausweist.

Sein Arbeitgeber erlebt mit dem Absturz des Flugs MH17 in der Ukraine eine zweite Tragödie binnen vier Monaten. Und Abdullah will die Schonfrist, die mit der Trauer kommt, noch ein wenig verlängern: "Ich spreche mit Ihnen über die Zukunft von Malaysia Airlines. Versprochen. Aber noch nicht. Erst, wenn die Pietät es zulässt."

Die Airline mit dem rot-blauen Logo steckte bereits in finanziellen Schwierigkeiten, als im März ihr Flug MH370 spurlos verschwand. Das Drama um den verschollenen Flieger kostete das Unternehmen das Vertrauen der Fluggäste, die Buchungszahlen brachen dramatisch ein, die Aktie hat nur noch den Ramschwert von acht Cent.

Auch wenn Malaysia Airlines für den Abschuss von MH17 über der Ostukraine keine direkte Verantwortung trägt: Diese zweite Tragödie könnte nun das Aus für die bereits schwer angeschlagenen Fluglinie bedeuten.

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Absturz von Malaysia Airlines MH17: Trümmer, Opfer, Folgen
Nach der 1999 getroffenen Konvention von Montreal muss eine Airline auch dann Entschädigungszahlungen für den Tod von Passagieren leisten, wenn dieser durch einen Terrorakt oder eine Kriegshandlung verursacht wurde. Im Fall von MH17 dürfte Malaysia Airlines pro getöteten Passagier umgerechnet 128.652 Euro an die Hinterbliebenen aufbringen müssen, hat die Agentur Reuters berechnet. Bei 283 Fluggästen an Bord macht das mehr als 36 Millionen Euro. Unklar ist, wie viel davon von der Versicherung von Malaysia Airlines übernommen werden wird.

Um Klagen auf darüber hinausgehende Entschädigungen abzuschmettern, wird das Unternehmen beweisen müssen, dass es bei der Wahl der Flugroute über die Ukraine nicht fahrlässig gehandelt hat.

Bereits in den ersten Stunden nach dem Unglück waren Vertreter der Fluglinie wie der malaysischen Regierung, die über einen Staatsfond mit 70 Prozent an der Gesellschaft beteiligt ist, bemüht, diesen Punkt ganz deutlich zu machen: Die Route von MH17 war von Eurocontrol freigegeben, 15 von den 16 Mitgliedern des Fluglinienverbands Asien-Pazifik flogen bis Donnerstag auf dieser Route, wiederholten sie immer wieder. Vor allem einheimische Reporter hielten dagegen, Malaysia Airlines sei über die Ukraine geflogen, weil die alternative Route über die Türkei mehr Treibstoff und damit mehr Geld gekostet hätte. Die Offiziellen wiesen diesen Vorwurf weit von sich.

Erst vor einer Woche hatte der Staatsfond Khazanah Nasional durchsickern lassen, dass er die angeschlagene Fluggesellschaft drastisch reformieren wolle. Demnach sollte Malaysia Airlines zuerst von der Börse genommen werden, im Anschluss daran sollen ihre profitablen Segmente verkauft werden.

Schon nach dem Aktieneinbruch im März beurteilte die Ratingagentur Standard & Poor's die wirtschaftliche Perspektive von Malaysia Airlines als trostlos, der Umbau der Linie ist jedoch schon viel länger überfällig: Seit drei Jahren fährt das Unternehmen Verluste ein, 2013 waren es umgerechnet 360 Millionen Euro.

Bild der Boeing auf den Geldscheinen

Als Ursache gilt die falsche Ausrichtung der Linie. Statt sich auf die Konkurrenz asiatischer Billigflieger wie AirAsia einzustellen, schleppt Malaysia Airlines Altlasten mit sich herum: Die veraltete Flotte hat zur Folge, dass Flugzeuge oft ausfallen, Flüge gestrichen und Passagiere teuer umgebucht werden müssen. Das Routennetz ist weit verzweigt, aber nicht profitabel. Die 22.000 Beschäftigten sind in äußerst starken Gewerkschaften organisiert, die Versuche, das Unternehmen in Teilen zu privatisieren, bis heute verhindert haben.

Sollte Malaysia Airlines nun in seine Teile zerlegt und verkauft werden, würde sich das Land von einem geliebten Symbol verabschieden müssen. Malaysia Airlines ist Teil des Alltags jedes Bürgers hier: Das Bild einer ihrer Boeings 777 schmückt den gebräuchlichsten Geldschein im Wert von 10 Ringgit (2,30 Euro) und wandert so jeden Tag von Hand zu Hand.

Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien, die Malaysia erst 1957 erlangte, nutzte die Regierung die Fluglinie als Werbeträger, um dem Land das Image eines weltoffenen, modernen Staats zu verleihen. Gespart wurde dabei nie: Das Kabinenpersonal serviert in schicken türkis-pinkfarbenen Uniformen edle Menüs und Weine, der Service wird von der Branche regelmäßig mit Auszeichnungen bedacht. Auch in Sachen Sicherheit lag die Linie bislang immer ganz weit vorn: Laut airlineratings.com, einer auf Fluglinienvergleiche spezialisierten Website, erreicht Malaysia Airlines bei Sicherheitstests regelmäßig sechs von sieben Punkten.



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Seite 1
earl grey 19.07.2014
1.
Zitat von sysopAPErst verschwand Flug MH370, nun trifft Malaysia Airlines mit dem Absturz von MH17 die zweite Tragödie binnen vier Monaten. Das Unternehmen, früher der Stolz eines ganzen Landes, ist am Ende. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/malaysia-airlines-mh17-zukunft-der-airline-a-981884.html
Schade, es ist Richtung Asien meine Lieblingsairline. Sitzabstand- und Breite sind in der Economy absolute Spitze, da kommen so hochgelobte Airlines wie Singapur nicht ran. Der Service funktionierte bisher immer zuverlässig und das Essen war für ein aufgewärmtes Essen im Flieger sehr gut. Ich bin in den letzten 10-12 Jahren mehrere Male pro Jahr nach Zielen in Asien geflogen und habe alle namhaften Airlines genutzt - Malaysia Air ist die Beste. Wie gesagt, es wäre Schade wenn die aufgeben müssten.
jupiter_jones 19.07.2014
2. Schade um einen guten Flagcarrier
Wenn die linie wirklich zerschlagen wuerde, faend ich das echt bedauerlich. Zumal sie nicht mal was dafuer kann. Genauso wie damals PanAm. Die linie hat ein hohes skytrax ranking. Ich wuerde sie jederzeit nehmen!
sitiwati 19.07.2014
3. das wäre
schade-die Malaysia Airlines ist eine gute Airlines, im Servie, Gastfreundlcihkeit der LH weit überlegen , ich hoffe sie, dei MA, schafts mit dem Überleben !
emeticart 19.07.2014
4. Die toten Passagiere ...
... und Besatzungsmitglieder sind noch nicht geborgen, da wird schon wieder über Geld und Aktien geschrieben. Das bestätigt mich in meiner Auffassung dass die Schuldigen nicht nur in dem Raketenleitstand in der Ukraine zu suchen sind, sondern auch in der Vorstandsetage der Airlines und in den Büros der sog. Luftsicherheitsbehörden!!! Aber die, werden sich wieder aus der Verantwortung stehlen- wie immer ...! MfG
jeze 19.07.2014
5.
Zitat von jupiter_jonesWenn die linie wirklich zerschlagen wuerde, faend ich das echt bedauerlich. Zumal sie nicht mal was dafuer kann. Genauso wie damals PanAm. Die linie hat ein hohes skytrax ranking. Ich wuerde sie jederzeit nehmen!
Die Linie hat zwei Abstürze innerhalb von 4 Monaten. Ob sie für den ersten was kann, ist völlig unklar und dass sie an dem jetzigen keine Mitschuld trägt ist zumindest noch nicht bewisen. Da nützen Sitzabstände oder Service erstmal wenig.
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