Berliner Luxus-Mall Rumänische Bauarbeiter klagen Lohn ein

Hunderte Rumänen schufteten mit beim Aufbau von Berlins neuestem Einkaufszentrum, viele fühlen sich um einen großen Teil ihres Lohns betrogen. Ein Gericht gab ihnen nun recht.

Eingang zur Mall of Berlin: Arbeiter hatten "völlig unzureichende und überteuerte Unterkünfte"
DPA

Eingang zur Mall of Berlin: Arbeiter hatten "völlig unzureichende und überteuerte Unterkünfte"


Berlin - Polierter Marmor, dunkles Holz, bekannte Marken: Mit edlem Ambiente wirbt die "Mall of Berlin" seit Herbst vergangenen Jahres um Kunden. Weniger edel soll es beim Bau des Einkaufszentrums zugegangen sein: Mit öffentlichen Protesten klagen rumänische Arbeiter seit Monaten Löhne ein, die ihnen eine am Bau der Mall beteiligte Firma vorenthalten haben soll.

Nun errangen zwei der Betroffenen einen ersten Erfolg vor Gericht: In einer nur wenige Minuten dauernden Verhandlung erließ das Berliner Arbeitsgericht ein sogenanntes Versäumnisurteil, da die Anwälte der Baufirma erst gar nicht vor Gericht erschienen waren. Sollte es rechtskräftig werden, wäre die verklagte Firma zur Zahlung der verlangten Löhne in Höhe von 1200 beziehungsweise 4400 Euro verpflichtet.

Laut der Gewerkschaft Freie Arbeiterunion (FAU) Berlin waren für den Bau Hunderte Arbeiter aus Rumänien für weniger als sechs Euro pro Stunde eingestellt worden. Selbst dieser geringe Lohn sei aber nicht vollständig ausgezahlt worden. Zudem seien den Arbeitern "völlig unzureichende und überteuerte Unterkünfte gestellt" worden, zitiert die FAU einen Arbeiter.

In der Vorweihnachtszeit hatte die FAU mehrere Kundgebungen vor der Mall organisiert. Verantwortlich für den Lohnbetrug sind nach Gewerkschaftsangaben zwei Subunternehmen. Der Generalunternehmer ist nach Medienberichten mittlerweile insolvent.

Das Urteil werde eine Woche nach Zustellung wirksam, sofern es keinen Einspruch gebe, sagte ein Gerichtssprecher. Am 14. und 20. April sind Gütetermine für weitere Arbeiter geplant.

( Az 14 Ca 3749/15 und 14 Ca 3752/15)

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund einer falschen Agentur-Angabe hieß es in einer früheren Version des Artikels, der Bauherr Harald Huth sei laut Medienberichten insolvent. Tatsächlich betraf die Insolvenz den früheren Generalunternehmer der "Mall of Berlin". Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

dab/dpa/AFP

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
laermgegner 10.04.2015
1. Na und ?!
Verklagem sie doch mal den Staat zur Zahlung - da wird es genauso gemacht - es wird ausgessen und diesem FAll , gibt es die Firma auf einmal nicht mehr. Und wieder BER - da ist es nicht anders und als Bürger in Fragen Schallschutz - da wird man vom Staatsbetrieb BER und der POlitik genauso behandelt - also was soll der Beitrag ?!
guilty 10.04.2015
2.
ist das richtig mit der insolvenz? ich hatte bisher nur gehört der generalunternehmer sei insolvent?
humorrid 10.04.2015
3. Die übliche Praxis
auf deutschen Baustellen - Subunternehmer und teilweise sogar einzelne Arbeiter, die gezwungen werden als Selbständige zu arbeiten (keine Versicherungen und keine Arbeitgeberanteile). Mindestlohn - ein deutsches Märchen.
spon_1859324 10.04.2015
4. Mall in Berlin
Warum werden da keine Deutschen Arbeiter eingesetzt! Dürfte wohl leicht mit Arbeitslosen zu erreichen sein!!
westerwäller 10.04.2015
5. Gut gemacht ...
Von der Gewerkschaft FAU: Eigenwerbung: "Die FAU ist eine anarcho-syndikalistische Gewerkschaftsföderation, die aus lokalen Syndikaten und Gruppen besteht." Das ist halt Deutschland: Hier erstreiten auch Anarchisten Urteile vom Rechtsstaat ... Geld aus Rumänien oder anderswo gibt's zwar trotzdem keins, aber man hat die Sache wenigstens juristisch aufgearbeitet ... Deutschland hat halt die besten Autos und die ordentlichsten, gesetzestreuesten Anarchisten ...
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