Bergisch Gladbach - Die Automobilbranche scheint von den Konjunktursorgen weitestgehend unberührt zu bleiben: Der Volkswagen-Konzern hat sich einer Studie zufolge 2010 erstmals zum leistungsstärksten Autobauer der Welt hochgearbeitet.
Einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) sieht die Wolfsburger im globalen Vergleich vorne. So konnte Volkswagen
2010 vom zweiten auf den ersten Rang aufsteigen - noch vor Daimler
, Hyundai
und BMW
. Der Spitzenreiter des Vorjahres, der japanische Toyota-Konzern
,
habe es aufgrund zahlreicher Qualitätsprobleme 2010 nur noch auf den achten Rang geschafft.
Um den Leistungsindex für die Autobauer, den sogenannten Automotive-Performance-Index (API), zu ermitteln, führen die Wissenschaftler bestimmte Faktoren aus verschiedenen Gebieten zusammen. Konkret fließen Angaben aus dem Finanzergebnis der Konzerne, deren Erfolg am Markt und der Innovationsleistung der Unternehmen in die Berechnung ein.
Volkswagen bewährte sich demnach in allen Gebieten überdurchschnittlich gut. Den größten Abstand zur Konkurrenz schafften die Wolfsburger bei der Innovationstärke: "Da schneidet Volkswagen mit Abstand am besten ab", sagte CAM-Leiter Stefan Bratzel. Außerdem hätten das breite Produktangebot, das starke Engagement in China sowie das profitable Baukastensystem bei der Fahrzeugherstellung maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Die Studie des in Bergisch Gladbach ansässigen Forschungsinstituts erscheint seit 2001 jährlich.
Forscher rechnen mit Stagnation
Doch nicht alle Forscher teilen diesen Optimismus. Die deutschen Autohersteller müssen sich laut Ökonom Helmut Becker von den hohen Wachstumszahlen der vergangenen Monate verabschieden. "Wir haben einen gewissen Höhepunkt in der Aufwärtsbewegung erreicht", sagte der Direktor des IWK-Instituts für Wirtschaftsforschung und Kommunikation. Vieles deute auf eine Stagnation hin.
Die Autobranche bleibe zwar eine Wachstumsindustrie, sagte Becker. "Aber nicht mehr für jeden." Um für die Zukunft gerüstet zu sein, müsse der Begriff Premium neu definiert werden. Schlüsselworte für die deutsche Industrie müssten die Verkleinerung von Fahrzeugkomponenten, die Steigerung der Effizienz und eine Verringerung der Kosten sein.
dis/AFP/dapd
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