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Anstieg um 130 Prozent: Commerzbank-Vorstände verdienen deutlich mehr 

Manager-Gehälter: Millionäre und Multimillionäre Fotos
REUTERS

Die Gehälter von Dax-Vorständen stiegen 2012 moderat - nur für die Manager der Commerzbank gab es einen ordentlichen Zuschlag. Nach dem Wegfall des Gehaltsdeckels für das kriselnde Geldinstitut stiegen ihre Bezüge um 130 Prozent.

Berlin - Die Vorstände der großen börsennotierten Unternehmen haben im vergangenen Jahr erneut mehr Geld bekommen. Die Gehälter stiegen mit einem Plus von 2,5 Prozent aber weniger stark als in den vergangenen Jahren. Das geht aus einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hervor. Im Schnitt überwiesen die 30 Dax-Gesellschaften rund 3,2 Millionen Euro pro Vorstand.

Das stärkste Plus unter den Dax-30-Unternehmen machten aber die Vorstände eines Unternehmens, das nicht mit Erfolgsmeldungen aufgefallen ist: Die Vorstände der Commerzbank verdienten 130 Prozent mehr als im Vorjahr. Vorstandschef Martin Blessing verdiente sogar 160 Prozent mehr.

Allerdings waren die Managergehälter bei dem Geldhaus im Gegenzug für staatliche Rettungsmilliarden in den Vorjahren auf 500.000 Euro gedeckelt gewesen. 2012 fiel diese Grenze. Deswegen habe die Bank wohl Nachholbedarf gesehen, sei aber deutlich über das Ziel hinausgeschossen, sagte sagte Gunther Friedl von der Technischen Universität München. Den stärksten Gehaltsrückgang gab es mit einem Minus von fast einem Drittel bei der Deutschen Bank.

Top-Verdiener blieb - trotz eines freiwilligen Gehaltsverzichts - VW-Chef Martin Winterkorn mit einem Jahresgehalt von 14,5 Millionen Euro. Auf dem zweiten Platz landete mit deutlichem Rückstand Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 8,15 Millionen Euro.

In den Jahren 2010 und 2011 waren die Gehälter in den Führungsetagen laut DSW mit einem Plus von 22 beziehungsweise acht Prozent deutlich stärker angestiegen. Jetzt liege der Zuwachs nur geringfügig über dem eines durchschnittlichen Arbeitnehmers (2,1 Prozent), sagte Friedl. Der moderate Anstieg sei insgesamt vertretbar, weil viele Unternehmen 2012 Rekordgewinne eingefahren hätten. "Das Gehaltsniveau der Dax-Vorstände ist aber dennoch 53-mal höher als das Durchschnittsgehalt des Angestellten eines Dax-Unternehmens", so Friedl.

Vorstand verdient im Durchschnitt 53 Arbeitnehmergehälter

Bei den 50 MDax-Firmen gaben sich die Vorstände bescheidener: Obwohl sich die Aktien der mittelgroßen Unternehmen 2012 ähnlich gut entwickelten wie die der Dax-Konzerne, sanken die Bezüge von MDax-Vorständen 2012 nach DSW-Berechnung um 5,1 Prozent.

Bedenklich sei vor allem, dass einige Dax-Unternehmen die fixe Vergütung deutlich angehoben, leistungsabhängige Bestandteile aber gesenkt hätten. "Damit wird ein hohes Gehaltsniveau zementiert, das Unternehmen zwingt, auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten hohe Gehälter zu zahlen", erläuterte Friedl. Die öffentliche Debatte über Managergehälter scheine zudem dazu zu führen, dass Zahlungen weniger transparent würden. So seien beispielsweise die Pensionen deutlich gestiegen.

DSW-Präsident Ulrich Hocker kritisierte die geplante Gesetzesänderung, nach der Aktionäre über die Gehälter von Managern entscheiden sollen. Gerade im Wahljahr lasse die Managervergütung die Emotionen zuverlässig hochschlagen, betonte er. Die Neuregelung entziehe dem Aufsichtsrat aber einen zentralen Bestandteil seiner Personalkompetenz. "Aus meiner Sicht ist sie nicht viel mehr als Symbolpolitik, die in der Konsequenz nicht dazu führen wird, die Gehälter der Großverdiener unter den Vorstandsvorsitzenden deutlich zu senken", sagte Hocker.

ade/dpa

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1. Maßlos....
MeinungVonMir 01.07.2013
Unglaublich, die größte Flasche, die sich in Deutschland Vorstandsvorsitzender nennen darf, gönnt sich 130% Gehaltssteigerung und schmeisst im gleichen Atemzug 6000 Leute raus. Seine eigene Gehaltssteigerung hat er dabei auch nur durch Aktien-Tricksereien realisieren können, die auch Kleinaktionäre unglaubliche Summen gekostet haben (neben dem Einfluss der eigenen Inkompetenz). Dieses Vorgehen ist wirklich das Allerletzte und (um es mal mit den Worten der Kanzerlin zu sagen) "Dafür habe ich nur noch Verachtung übrig".... Ich verstehe wirklich nicht wie man da tatenlos zusehen kann, aber leider ist der Aufsichtsratsvorsitzende eine mindestens ebenso große Flasche.
2.
der-denker 01.07.2013
Es ist zwar mit ein wenig Mühe verbunden, man kann aber als Normalbürger durchaus wirksam seinem Unmut Ausdruck verleihen. Girokonten gibt es auch bei ethisch korrekten Banken. Ein bisschen googlen macht schlauer.
3.
uban1 01.07.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Gehälter von Dax-Vorständen stiegen 2012 moderat - nur für die Manager der Commerzbank gab es einen ordentlichen Zuschlag. Nach dem Wegfall des Gehaltsdeckels für das kriselnde Geldinstitut stiegen ihre Bezüge um 130 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/managergehaelter-studie-commerzbank-vorstaende-verdienen-130-prozent-mehr-a-908797.html
Ist das die spätrömische Dekandenz von denen der Berufspolitiker FDP Westwelle immer gewarnt hat? Der Staat soll sich heraushalten damit die Leistung ungehindert freie Entfaltung findet. Freie Bahn für unsere Eliten!
4. Eine echte Erfolgsmeldung...
Brennstoff 01.07.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Gehälter von Dax-Vorständen stiegen 2012 moderat - nur für die Manager der Commerzbank gab es einen ordentlichen Zuschlag. Nach dem Wegfall des Gehaltsdeckels für das kriselnde Geldinstitut stiegen ihre Bezüge um 130 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/managergehaelter-studie-commerzbank-vorstaende-verdienen-130-prozent-mehr-a-908797.html
Wenn ein Unternehmen wie VW von Erfolg zu Erfolg stürmt und die Mitarbeiter auch ihren Teil vom Kuchen abbekommen, gönne ich dem Boss jeden Cent, überhaupt und erst recht dann, wenn um uns herum alles in Scherben fällt. Aber Hr. Blessing von der Commerzbank? Welche Erfolge hat er aufzuweisen, die eine derartige Gehaltserhöhung rechtfertigen? Immerhin hat er eine Menge Steuergelder verbrannt und Zinsen an den Bund zahlt er für dessen stille Einlage auch nicht. Die Commerzbank Aktien rangieren im Pennystock-Bereich und es wurden fortwährend neue auf den Markt geworfen, also nicht einmal für die Aktionäre gibt es einen Grund die Mundwinkel wieder hoch zu ziehen. Schön, die Commerzbank existiert noch, aber das ist auch schon alles. Der Mann hat seine Arbeit gemacht, mehr aber auch nicht. Ich hielte in seinem Falle bestenfalls eine Erhöhung im Inflationsbereich für angemessen, Fleiß kann man Herrn Blessing sicher attestieren. Das war es dann aber auch schon.
5. Mit Steuergeldern der Bürger wurde die Commerzbank
galaxy2525 01.07.2013
am Leben erhalten und mit massiven Steuergeldern gestützt, dass diese nicht Pleite geht. Zahlt nun die Commerzbank diese Steuergelder mit Zins und Zinseszins (natürlich auf Dispo-Kredit-Niveau) zurück, denn der Commerzbank geht es anscheinend hervorragend bei Gehaltszuwächsen von 130% für die Manager. Solche Gehaltszuwächse bedeuten aber auch, dass Bankmanager es wollen, dass diese komplett in der Haftung sind.
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