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Managergehälter: Was die Chefs der Dax-Konzerne verdienen

Euro-Krise? Börsencrash? Bankenbeben? Auf den Gehaltszetteln der meisten Vorstandschefs ist von den Turbulenzen des Jahres 2011 nichts zu sehen. Im Schnitt verdienten sie gut fünf Millionen Euro. SPIEGEL ONLINE zeigt, wer sein Einkommen am stärksten steigern konnte.

Hamburg - Die Rebellion ist ausgebrochen: Ob in Großbritannien oder den USA - überall stemmen sich wütende Aktionäre gegen die überbordenden Gehälter ihrer Vorstandschefs. Einige Top-Manager kostete das sogar ihre Posten. Zuletzt musste der Chef des britischen Versicherers Aviva Chart zeigen, Andrew Moss, zurücktreten, nachdem die Aktionäre auf der Hauptversammlung mehrheitlich gegen die Vergütung der Konzernführung gestimmt hatten.

Nur in Deutschland ist von dieser Revolte relativ wenig zu spüren. Bei der Deutschen Bank Chart zeigen machten einige Aktionärsvertreter im Vorfeld der Hauptversammlung zwar Stimmung gegen die hohen Gehälter. Am Ende segneten die Anteilseigner das Vergütungsmodell der Bank jedoch mit großer Mehrheit ab.

Dabei gäbe es durchaus Grund zur Kritik. Das zeigt eine Übersicht von SPIEGEL ONLINE und manager magazin über die Entwicklung der Vergütungen für die Vorstandschefs der 30 im Aktienindex Dax vertretenen Unternehmen seit 2005. Ergebnis: Die Chefgehälter sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Selbst die große Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat nur eine kleine Delle in der Gehaltsentwicklung hinterlassen.

Gut fünf Millionen Euro erhielt ein Dax-Vorstandschef 2011 im Durchschnitt. Zum Vergleich: Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer kam laut Statistischen Bundesamt auf knapp 44.000 Euro - inklusive Sonderzahlungen. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel - die eine mindestens ebenso große Verantwortung trägt wie ein Konzernchef - musste sich mit knapp 290.000 Euro begnügen.

Bei vielen Ex-Managern stoßen die hohen Gehälter ihrer Nachfolger mittlerweile auf heftige Kritik. "Hier werden Grenzen überschritten", sagte der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter kürzlich im SPIEGEL: "Für normal verdienende Menschen ist das nicht mehr nachzuvollziehen." Die hohen Summen, seien "sozial und moralisch nicht vertretbar".

Der ehemalige Commerzbank-Chef und heutige Aufsichtsratsboss Klaus-Peter Müller schlug den übrigen Dax-Aufsehern in einem Brief vor, Obergrenzen für Managervergütungen einzuziehen - und musste dafür teils harsche Kritik einstecken.

Einige Konzerne haben bereits reagiert und Gehaltsdeckel in ihre Vergütungspakete eingebaut. Viele zögern zudem die Auszahlung der variablen Gehaltsbestandteile weiter raus. Bei der Deutschen Bank etwa werden große Teile der Vergütung mittlerweile über Jahre gestreckt. So soll der Aufsichtsrat die Möglichkeit erhalten, die Boni nachträglich zu kürzen, falls sich die Unternehmensführung der Manager im Nachhinein als weniger erfolgreich erweist.

Trotzdem bleiben die Gehälter insgesamt noch immer stattlich. Spitzenverdiener war im vergangenen Jahr VW-Chef Martin Winterkorn mit insgesamt 17,5 Millionen Euro. Mit großem Abstand folgte auf Platz zwei Josef Ackermann, der mittlerweile ausgeschiedene Chef der Deutschen Bank. Er erhielt 9,3 Millionen Euro. Dass es auch billiger geht, zeigt zum Beispiel der Nivea-Konzern Beiersdorf Chart zeigen, der seinem Vorstandsvorsitzenden Thomas Quaas nur 1,6 Millionen Euro zahlte.

Ganz unten auf der Liste stand - wie schon im Vorjahr - Commerzbank-Chef Martin Blessing, dessen Gehalt wegen der Staatsbeteiligung auf 500.000 Euro begrenzt war. Doch damit ist es mittlerweile schon wieder vorbei. 2012 soll Blessing ein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro bekommen - plus Boni dürfte das für eine Gehaltserhöhung um mindestens 200 Prozent ausreichen.

Wie hoch sind die Vorstandsgehälter im Dax? Und wie entwickelten sich die Zahlungen in den vergangenen Jahren? Die Antwort gibt die große Gehältergrafik.

stk

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1.
think_tank 11.06.2012
---Zitat--- Und Bundeskanzlerin Angela Merkel - die eine mindestens ebenso große Verantwortung trägt wie ein Konzernchef - musste sich mit knapp 290.000 Euro begnügen. ---Zitatende--- Damit liegt Frau Merkels Gehalt auf dem Niveau eines Piloten und (Überstunden mit einkalkuliert) deutlich unter dem eines spanischen Fluglotsen, also Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluß. Minister werden ebenfalls entsprechend niedrig bezahlt, was uns dann 'Leistungsträger' wie Westerwelle und Guttenberg bescherrt. Wenn Politiker ordentlich bezahlt würden, wären sie vielleicht weniger anfällig für Lobbys und wir hätten vielleicht fähigere Entscheider. Denn in der freien Wirtschaft gibt es offensichtlich genug, die meisten Dax-Unternehmen fahren solide Gewinne ein.
2. Naja
oenkoenkoenk 11.06.2012
Zitat von think_tankDamit liegt Frau Merkels Gehalt auf dem Niveau eines Piloten und (Überstunden mit einkalkuliert) deutlich unter dem eines spanischen Fluglotsen, also Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluß. Minister werden ebenfalls entsprechend niedrig bezahlt, was uns dann 'Leistungsträger' wie Westerwelle und Guttenberg bescherrt. Wenn Politiker ordentlich bezahlt würden, wären sie vielleicht weniger anfällig für Lobbys und wir hätten vielleicht fähigere Entscheider. Denn in der freien Wirtschaft gibt es offensichtlich genug, die meisten Dax-Unternehmen fahren solide Gewinne ein.
Frau Merkel muss sich in Ihrem Leben sicher keine finanziellen Sorgen mehr machen. Politikergehälter auf die Mondgehälter der Wirtschaftsbosse anzuheben fehlt gerade noch. Ich kann auch beim besten Willen sicht verstehen warum 290.000€ im Jahr als zu gering eingestuft wird. Das sind 24.000€ im Monat (Nicht zu vergessen die abartigen Rentenansprüche). Ich verdiene 1/8 davon mit Abitur/Uni Abschluss und darf behaupten einen verantwortungsvollen und anspruchsvollen Job zu allerseitigen Zufriedenheit zu erledigen. Woher bitteschön kommen die Ansprüche auf diese völlig absurden Gehälter?
3. Wirklich
Knackeule 11.06.2012
Ohne Haarspalterei betreiben zu wollen: unsere DAX-Wirtschaftselite hat sich ihre Phantasie-Gehälter natürlich nicht "verdient", sie haben sich die Kohle lediglich selbst bewilligt und ausbezahlt. Verdient hätten sie lediglich einen Bruchteil dieser Kohle. Und mancher von denen eher einen Arschtritt.
4. Transfer
walt 11.06.2012
Damit liegt Frau Merkels Gehalt auf dem Niveau eines Piloten und (Überstunden mit einkalkuliert) deutlich unter dem eines spanischen Fluglotsen, also Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluß. na dann sind ja die 100 Milliarden nicht umsonst, aber wie war das, es ist ja eine Bankenrettung. Glückliche Fluglotsen in Spanien-Gratulation. Gruß
5. Wieso?
masc672 11.06.2012
Zitat von oenkoenkoenkFrau Merkel muss sich in Ihrem Leben sicher keine finanziellen Sorgen mehr machen. Politikergehälter auf die Mondgehälter der Wirtschaftsbosse anzuheben fehlt gerade noch. Ich kann auch beim besten Willen sicht verstehen warum 290.000€ im Jahr als zu gering eingestuft wird. Das sind 24.000€ im Monat (Nicht zu vergessen die abartigen Rentenansprüche). Ich verdiene 1/8 davon mit Abitur/Uni Abschluss und darf behaupten einen verantwortungsvollen und anspruchsvollen Job zu allerseitigen Zufriedenheit zu erledigen. Woher bitteschön kommen die Ansprüche auf diese völlig absurden Gehälter?
Sagen wir es doch mal so: Bundestag und Bundesrat auf die hälfte reduzieren. Die Gehälter von den Spitzenleuten anheben auf eine Millionen, dafür die ganzen Pensionsgedöns anpassen. Sprich. Solange man in der Politik ist soll man auch vernünftige Pensionen bekommen, aber wenn man raus geht zahlt man wieder ganz normal irgendwo ein.
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