Entschädigungsfall Frankfurter Maple Bank insolvent

Erstmals seit mehr als drei Jahren ist eine Bank in Deutschland geschlossen worden. Die BaFin hat für die kanadische Maple Bank Insolvenz beantragt. Die Anleger sollen entschädigt werden.

Firmenlogo der Maple Bank in Frankfurt: Umstrittene Aktiengeschäfte brachten das Aus
DPA

Firmenlogo der Maple Bank in Frankfurt: Umstrittene Aktiengeschäfte brachten das Aus


Die Frankfurter Maple Bank ist insolvent. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat den Entschädigungsfall erklärt. Die Entscheidung folgt nur wenige Tage nachdem die kleine Investmentbank geschlossen wurde. Damit könne die Kunden ihr Geld von der staatlichen Einlagensicherung und vom Entschädigungsfonds der deutschen Privatbanken zurückbekommen.

Die Maple Bank ist das erste deutsche Geldhaus seit mehr als drei Jahren, das von der BaFin geschlossen wurde. Mit einer Bilanzsumme von rund fünf Milliarden Euro gehört sie zu den kleineren Instituten. Betroffen sind laut BaFin vor allem institutionelle Kunden.

Die Feststellung des Entschädigungsfalls ist die Voraussetzung, dass Anleger Geld aus der gesetzlichen Einlagensicherung erhalten können. Die sogenannte Entschädigungseinrichtung deutscher Banken prüft die Ansprüche und befriedigt sie bis zu 100.000 Euro, in Ausnahmefällen sogar bis 500.000 Euro. Für darüber hinausgehende Ansprüche ist der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken zuständig, dem die Maple Bank angehörte.

Die Bank ist über ihre Verwicklung in umstrittene Geschäfte mit Aktien ("Cum-Ex") in den Jahren 2006 bis 2010 gestolpert. Im Herbst war sie deswegen von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Elf ihrer früheren Angestellten stehen im Verdacht, Steuern hinterzogen zu haben. Medienberichten zufolge geht es um 450 Millionen Euro. Das würde das Eigenkapital der Bank - rund 300 Millionen Euro - aufzehren, sie wäre überschuldet. Als die Wirtschaftsprüfer eine entsprechende Rückstellung in der Bilanz forderten, trat die BaFin auf den Plan.

Bereits am Donnerstag habe das Amtsgericht Frankfurt auf Antrag der Aufsichtsbehörde das Insolvenzverfahren über die Maple Bank eröffnet. Alle Bemühungen zur Rettung der Bank waren seit dem Wochenende ergebnislos geblieben. Bei Banken hat allein die BaFin das Recht, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die BaFin entschädige die Anleger. Das war falsch. Die Finanzaufsicht stellt lediglich den Entschädigungsfall fest, für die Auszahlung ist die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken zuständig. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

brt/Reuters/dpa



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