Hamburg - Der Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Dirk Notheis, bietet der US-Investmentbank seinen Rücktritt an. Damit zieht der Vertraute des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) persönliche Konsequenzen aus der Affäre um seine umstrittene Rolle bei der Verstaatlichung des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW
).
Das Institut habe noch nicht entschieden, ob es das Angebot des Managers annehme, hieß es aus Bankkreisen am Sonntag. Derzeit liefen Gespräche mit dem 44-Jährigen Investmentbanker, der zu den führenden Fusionsberatern in Deutschland zählt. Notheis selbst und die Bank äußerten sich bislang nicht.
Der Badener, der nach einer steilen CDU-Karriere seit 13 Jahren bei Morgan Stanley tätig ist und seit 2009 an der Spitze des Deutschland-Geschäfts steht, reagiert mit dem Schritt auf den starken öffentlichen Druck der vergangenen Tage und Wochen.
Der damalige Regierungschef Mappus hatte Ende 2010 mehr als 45 Prozent der EnBW-Aktien vom französischen Stromversorger EdF
für fast fünf Milliarden Euro zurückgekauft. Das am Parlament vorbei eingefädelte Geschäft wurde vom baden-württembergischen Staatsgerichtshof im Nachhinein für verfassungswidrig erklärt.
Kritiker aus CDU und FDP werfen Notheis vor, dass er Mappus maßgeblich beraten hat. Die Grünen-Fraktion im Landtag verlangte von der Finanzaufsicht BaFin zu prüfen, ob er seine Lizenz zur Leitung einer Bank behalten dürfe. Die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg kritisiert, dass die CDU-FDP-Vorgängerregierung unter Mappus und mit Beratung von Notheis zu viel für die EnBW-Anteile gezahlt hat.
Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags den EnBW-Deal. Der Staatsgerichtshof des Landes hatte den von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf, bei dem der Landtag nicht mitgewirkt hatte, als Verfassungsbruch beurteilt.
An den Fäden eines Investmentbankers
Mappus' Amtsnachfolger Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Wochenende auf einem Parteitag der Grünen in Heilbronn, man könne den Eindruck bekommen, dass der damalige Ministerpräsident "an den Fäden eines Investmentbankers" hing.
Der Börsenkurs des am stärksten von der Kernkraft abhängigen deutschen Versorgers war nach dem Beschluss zum Atomausstieg im Frühjahr 2011 stark gefallen, inzwischen müssen die EnBW-Aktionäre mit einer Kapitalerhöhung über rund 800 Millionen Euro für frisches Geld sorgen.
Erst in den vergangenen Tagen wurden Details über E-Mails des Investmentbankers bekannt, der bereits vom Untersuchungsausschuss ausgesagt hatte. Laut Medienberichten bezeichnete Notheis darin beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als "Mutti", die für Mappus etwas arrangieren solle. Auch forderte Notheis den CDU-Politiker auf, keine konkurrierenden Banken zur Überprüfung des Kaufpreises einzuschalten.
kha/Reuters/dapd
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