Umstrittener EnBW-Deal: Mappus-Vertrauter bietet seinen Rücktritt an

Beim Kauf des EnBW-Aktienpakets soll er den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beeinflusst haben. Jetzt reagiert der Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley auf die Kritik und will zurücktreten.

Dirk Notheis, der Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, im März 2012 Zur Großansicht
DPA

Dirk Notheis, der Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, im März 2012

Hamburg - Der Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Dirk Notheis, bietet der US-Investmentbank seinen Rücktritt an. Damit zieht der Vertraute des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) persönliche Konsequenzen aus der Affäre um seine umstrittene Rolle bei der Verstaatlichung des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW Chart zeigen ).

Das Institut habe noch nicht entschieden, ob es das Angebot des Managers annehme, hieß es aus Bankkreisen am Sonntag. Derzeit liefen Gespräche mit dem 44-Jährigen Investmentbanker, der zu den führenden Fusionsberatern in Deutschland zählt. Notheis selbst und die Bank äußerten sich bislang nicht.

Der Badener, der nach einer steilen CDU-Karriere seit 13 Jahren bei Morgan Stanley tätig ist und seit 2009 an der Spitze des Deutschland-Geschäfts steht, reagiert mit dem Schritt auf den starken öffentlichen Druck der vergangenen Tage und Wochen.

Der damalige Regierungschef Mappus hatte Ende 2010 mehr als 45 Prozent der EnBW-Aktien vom französischen Stromversorger EdF Chart zeigen für fast fünf Milliarden Euro zurückgekauft. Das am Parlament vorbei eingefädelte Geschäft wurde vom baden-württembergischen Staatsgerichtshof im Nachhinein für verfassungswidrig erklärt.

Kritiker aus CDU und FDP werfen Notheis vor, dass er Mappus maßgeblich beraten hat. Die Grünen-Fraktion im Landtag verlangte von der Finanzaufsicht BaFin zu prüfen, ob er seine Lizenz zur Leitung einer Bank behalten dürfe. Die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg kritisiert, dass die CDU-FDP-Vorgängerregierung unter Mappus und mit Beratung von Notheis zu viel für die EnBW-Anteile gezahlt hat.

Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags den EnBW-Deal. Der Staatsgerichtshof des Landes hatte den von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf, bei dem der Landtag nicht mitgewirkt hatte, als Verfassungsbruch beurteilt.

An den Fäden eines Investmentbankers

Mappus' Amtsnachfolger Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Wochenende auf einem Parteitag der Grünen in Heilbronn, man könne den Eindruck bekommen, dass der damalige Ministerpräsident "an den Fäden eines Investmentbankers" hing.

Der Börsenkurs des am stärksten von der Kernkraft abhängigen deutschen Versorgers war nach dem Beschluss zum Atomausstieg im Frühjahr 2011 stark gefallen, inzwischen müssen die EnBW-Aktionäre mit einer Kapitalerhöhung über rund 800 Millionen Euro für frisches Geld sorgen.

Erst in den vergangenen Tagen wurden Details über E-Mails des Investmentbankers bekannt, der bereits vom Untersuchungsausschuss ausgesagt hatte. Laut Medienberichten bezeichnete Notheis darin beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als "Mutti", die für Mappus etwas arrangieren solle. Auch forderte Notheis den CDU-Politiker auf, keine konkurrierenden Banken zur Überprüfung des Kaufpreises einzuschalten.

kha/Reuters/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
rainer_daeschler 24.06.2012
Führende CDU-Vertreter, wie der Landesvorsitzende Thomas Strobl, die bis zuletzt das Hohelied auf den Ex-Ministerpräsidenten gesungen haben, gehen plötzlich auf Distanz. Auch dort ist die Lust vergangen, den die Umstände um den EnBW-Deal weiter schönzureden. Über den Rücktritt von Notheis spekulierte bereits der SWR und vermuteten ihn in dieser Woche.
2. Filz
no-panic 24.06.2012
Der SWR berichtet schon länger als eine Woche über den EMailverkehr zwischen Notheis und Mappus und ich wundere mich, warum diese ungeheuren Vorgänge nicht schon lange ein Thema auch in überregionalen Medien sind. Was da passiert ist, zeigt mit einer bisher nicht gekannten Deutlichkeit, wie sehr Politiker sich von der Finanzwirtschaft gängeln und bevormunden lassen. Ich hoffe, die Vorgänge werden restlos offengelegt und verfolgt. Die Konsequenz daraus kann eigentlich nur sein, eines von beiden abzuschaffen, Politik oder Finanzwesen!
3. Warum Rücktritt
solomong. 25.06.2012
Zitat von sysopDPABeim Kauf des EnBW-Aktienpakets soll er den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beeinflusst haben. Jetzt reagiert der Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley auf die Kritik und will zurücktreten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,840688,00.html
ist doch alles von Anfang an mit "größter Sorgfalt" eingefädelt worden und Bestens gelaufen für Morgan Stanley. Als Dirk Notheis das erste Mal politisch aktiv wird, ist er erst zwölf Jahre und klebt 1980 für die CDU Plakate. Später tritt er der Jungen Union bei und wird ihr Vorsitzender in Baden-Württemberg. Mit 32 Jahren legt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler dieses Amt nieder. Sechs Jahre später, 2005 zieht er doch nochmal für die Union in den Wahlkampf. Er lässt seinen Job bei der Investmentbank Morgan Stanley ruhen, bezieht in der CDU-Parteizentrale ein eigenes Büro und sammelt Spenden. Der Sommerjob bringt ihm Ärger ein. Kritiker monieren, dass seine Wahlkampfhilfe "Geschmäckle" habe, weil sich Morgan Stanley um Aufträge der Bundesregierung und von Bundesunternehmen bemüht, wie etwa den Börsengang der Deutschen Bahn. Interview mit Dirk Notheis: "In der Politik mehr gelernt als an der Uni" - karriere.de (http://www.karriere.de/beruf/in-der-politik-mehr-gelernt-als-an-der-uni-9076/3/) vom August 2009. Achso, das mit der Deutschen Bahn ist ja dann leider verschoben worden, obwohl der Herr Mehdorn schon zu Morgan Stanley wechseln durfte. Die "christliche Nächstenliebe" hat als Ersatz den EnBW-Deal serviert. Weiterso, Kriechenland!
4. Befangener Volkswirt gesucht? .... Ein Mietmaul, wie so viele andere auch....
wibo2 25.06.2012
"so ein Deal ist nicht ganz einfach für Ordoliberale. Du solltest idealerweise einen renommierten Volkswirt haben, der das Ganze gut findet. ... Es sollte jemand sein, der Dir einen Gefallen schuldet." …. Einfalt und Dummheit des einfachen Volks von hinnen, die Emails des Notheis an Mappus sind nur "business as usual" in der Politik. CDU Landeschef Thomas Strobl, der Schwiegersohn des Schäuble, zeigt sich entsetzt über diese Emails. Selten so viel Heuchelei erlebt: "Die Banken sagen der Politik, wo es langgeht." "Die großen Banken und Konzerne bestimmen immer mehr die Politik der Bundesregierung." Was denn sonst? Wer will da widersprechen. Auf die Anschlußverwendung des Mappus bin ich mal echt gespannt.
5. Hier zeigt sich das Wirken der Finanzindustrie
redwed11 25.06.2012
Zitat von sysopDPABeim Kauf des EnBW-Aktienpakets soll er den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beeinflusst haben. Jetzt reagiert der Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley auf die Kritik und will zurücktreten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,840688,00.html
Hier kam einmal an die Öffentlichkeit, wer in diesem Land wirklich das Sagen hat. Es zeigt sich, wie Pilitiker nur noch Marionetten der Finanzindustrie sind und von dieser für ihre miesen Geschäfte gesteuert werden. Und hier ist nur ein regionales Ereignis ans Licht der Öffentlichkeit gekommen. Da kann sich jeder ausrechnen, wie die Bundeskanzlerin von Ackermann im Sinne der Finanzindustrie gesteuert wurde. Die Ergebnisse in Bezug auf eine stärkere Regulierung dieses Gewerbes sehen wir. Es gibt keine. Diese Leute haben im Hintergrund die Fäden gezogen und einer willfärigen Politik im Sinne der Finanzindustrie ihre Anweisungen gegeben. Die Regierungen (Bund und Länder) dieses Landes sind, wie viele andere Länder auch, nur noch Befehlsempfänger dieser Finanzindustrie zum Schaden der Menschen in den Ländern und zum Wohle der leistungslosen Einkommen der Finanzindustrie. Wir müssen uns endlich von der Diktatur dieser verkommenen Industrie befreien. Mappus und Notheis sind nur die Spitze des Eisbergs, wie weit wir alle wirklich schon in den Klauen der "Master of Univers" gefangen sind und wie wir alle von diesen ausgepresst werden. Wenn wir uns nicht von dieser Diktatur befreien, werden wir alle immer weiter von dieser Industrie ins Elend geführt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Stefan Mappus
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare