EnBW-Affäre Mappus-Vertrauter Notheis nimmt Auszeit bei Morgan Stanley

Dirk Notheis, Deutschland-Chef von Morgan Stanley, zieht sich aus der Geschäftsführung zurück. Er stand wegen seiner Rolle beim Kauf der EnBW-Anteile durch das Land Baden-Württemberg in der Kritik. Vor allem seine Nähe zum ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus galt als problematisch.

Dirk Notheis: Auszeit vom Posten des Deutschland-Chefs von Morgan Stanley
dapd

Dirk Notheis: Auszeit vom Posten des Deutschland-Chefs von Morgan Stanley


Frankfurt am Main - Am Ende wurde der Druck offenbar zu groß: Wegen seiner umstrittenen Rolle beim Teilankauf des Energiekonzerns EnBW Chart zeigen durch das Land Baden-Württemberg zieht sich Morgan-Stanley-Deutschland-Chef Dirk Notheis vorübergehend aus dem operativen Geschäft zurück. "Dirk Notheis hat den Aufsichtsrat darüber informiert, eine Auszeit zu nehmen", sagte eine Sprecherin der Investmentbank. Seine Aufgaben als Deutschlandchef würden mit sofortiger Wirkung von dem Aufsichtsratsvorsitzenden Lutz Raettig wahrgenommen. Die operativen Aufgaben des Tagesgeschäfts übernehmen demnach die übrigen Mitglieder des Vorstands. Zur Dauer von Notheis' Auszeit teilte die Bank zunächst nichts mit.

Notheis' vorläufiger Rückzug erfolgt nach tagelanger massiver Kritik an seinem Verhalten im Zusammenhang mit dem Geschäft zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem französischen Energieversorger EdF Chart zeigen. Notheis hatte seinem Arbeitgeber daraufhin am Wochenende den Rücktritt angeboten - nun wurde aus dem kompletten Rücktritt eine vorläufige Auszeit vom Chefposten.

Morgan Stanley Chart zeigen hatte das Land bei dem Geschäft beraten, bei dem dieses im Dezember 2010 für 4,7 Milliarden Euro 45 Prozent der EnBW-Anteile von EdF erworben hatte. Es geht um die Frage, ob das Land zuviel bezahlt hat. Der Staatsgerichtshof des Landes hat den ohne Mitwirkung des Parlaments von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der Anteile vom französischen Energiekonzern EdF als Verfassungsbruch beurteilt.

Grüne schalteten Bankenaufsicht ein

Notheis ist ein Jugendfreund des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU). Zuletzt waren E-Mails bekannt geworden, in denen Notheis dem Regierungschef dezidierte Handlungsanweisungen für das mittlerweile umstrittene Geschäft gibt, das Mappus damals ohne Zustimmung des Landtags abgeschlossen hatte. In den E-Mails drängte Notheis den Ministerpräsidenten etwa dazu, Mandatsangebote anderer Banken zurückzuweisen und einen renommierten Volkswirt zu suchen, der das Geschäft mit EdF als positiv bewerte.

In die Kritik geriet Notheis außerdem wegen einer E-Mail an René Proglio, Chef von Morgan Stanley in Frankreich und Zwillingsbruder von EdF-Chef Henri Proglio. In ihr soll der Banker den Kaufpreis von 41,50 Euro pro Aktie, den Baden-Württemberg zu zahlen bereit war und letztendlich auch zahlte, als "mehr als üppig" bezeichnet haben - obwohl das Land sein Mandant war und ein Interesse an einen möglichst geringen Kaufpreis hatte.

Nach Bekanntwerden der E-Mail hatten sich die Grünen im Stuttgarter Landtag in der vergangenen Woche an die Bankenaufsicht BaFin gewandt. Diese solle die Tauglichkeit von Notheis als Banker überprüfen. Es gebe "hinreichend" öffentliche Informationen, "welche den Verdacht nahelegen, dass Herr Dr. Dirk Notheis nicht mehr die erforderliche Zuverlässigkeit zur Führung eines Finanzinstitutes besitzt", schrieben die Grünen in ihrem Brief an die Behörde.

Im Februar hatte die neue grün-rote Landesregierung eine Schiedsgerichtsklage gegen EdF eingereicht, weil sie den unter Mitwirken von Morgan Stanley ausgehandelten Preis als zu hoch erachtet. Auch befasst sich ein Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag mit den Geschehnissen um das Geschäft. Vor dem Gremium musste Notheis bereits im Frühjar aussagen - nun wird erwartet, dass der Ausschuss den Banker noch einmal als Zeigen vorladen will. Dies könnte am Mittwoch in einer nichtöffentlichen Sitzung beschlossen werden.

Notheis gilt auch in der politischen Szene in Berlin als gut vernetzt. Er hat nach einer steilen CDU-Karriere 1999 bei Morgan Stanley angefangen und steht seit 2009 an der Spitze des Deutschland-Geschäfts. Er war in den vergangenen Jahren unter anderem Berater beim Börsengang von Air Berlin oder der Postbank. Raettig ist zwar ebenfalls ein gut verdrahteter Banker, gilt aber bankintern nur als Übergangslösung. Wer ihm nachfolgen könnte, ist noch offen.

fdi/dpa/AFP



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kochkuss 25.06.2012
1. Was für ein Segen...
...das das Ländle nun von Menschen regiert wird, die wissen was Anstand bedeutet und was sich gehört. Die Unverfrorenheit und Unehrlichkeit von Herrn Mappus ist sicher ein Tiefpunkt in der Geschichte Baden-Württembergs und wird sich hoffentlich nie wiederholen. Er hat nachweislich seinen Amts-Schwur und die Verfassung gebrochen und wird hoffentlich nie mehr eine wichtige Rolle in einem Staatsamt spielen. (Umso bedauerlicher, dass er früher oder später auf einem wichtigen Wirtschaftsposten wieder auftauchen wird. Ehrlichkeit scheint hier selten ein Kriterium zu sein.)
bold_ 25.06.2012
2. Na endlich!
Das hat aber ziemlich lange gedauert nach der Veröffentlichung seiner martialischen Mail! Erstens ist sein Englisch grottenschlecht und zweitens droht er mit Angela - ob das wohl die Stromer.zeuger "beindruckt" hat? Kinder, die sich unterlegen fühlen, drohen mit ihrem "Großen Bruder"... Vermutlich ist bei dem Deal für die daran Beteiligten etwas abgefallen - da lohnt es sich schon mal, Druck auszuüben, hat er sich wohl gedacht. --> warum müssen solche Deals immer so unprofessionell durchgeführt werden? Es kommt doch sowieso alles ans Licht!
Maynemeinung 25.06.2012
3. Vor allem ein Vollversager
Zitat von sysopDPADirk Notheis ist auf unbestimmte Zeit nicht mehr Deutschland-Chef von Morgan Stanley. Der Vertraute des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus hatte nach massiver Kritik seinen Rücktritt angeboten - er soll ihn beim umstrittenen Kauf der EnBW beeinflusst haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,840826,00.html
Der Mann ist das vollendete Ekelpaket und genau das, was die Bankenbranche jetzt am wenigsten braucht. In ihm vereinen sich alle Klischees. Nüchtern betrachtet ist der Mann natürlich vor allem eins: nach professionellen Maßstäben gemessen ein Vollversager. Wer vertrauliche Beratungsinhalte dieses Inhaltes an die Dienstadresse des Inhabers eines öffentlichen Amtes schickt, muss entweder naiv oder doof oder blind vor Selbstherrlichkeit sein. Bei Herrn Notheis trifft wohl alles zu.
mischpot 25.06.2012
4. Ohne diese Nähe....
"Vor allem seine Nähe zum ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus galt als problematisch" ..... hätte der Milliardendeal Verbrechen auf Kosten der Steuerzahler gar nicht durchgeführt werden. Auszeit hätte schon längst aber von der Staatsanwaltschaft angeordnet werden müssen, aber wenn man mit im politischen Boot sitzt, hakt eine Krähe der anderen.....
ulrike55 25.06.2012
5. Notheis
Wo bleibt die Beraterhaftung? Nach dem Motto: Ich berate Sie, kassiere und haften tuen andere!
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