Legaler Verkauf Trump-Regierung startet Kampf gegen das Kiffen

"Nur etwas weniger schlimm als Heroin": Die Haltung von US-Justizminister Sessions zu Marihuana ist bekannt. Nun will er gegen den Verkauf von Cannabis vorgehen - die Boombranche ist verunsichert.

Cannabis-Kunden stehen in Los Angeles vor einem Marihuana-Shop Schlange
AFP

Cannabis-Kunden stehen in Los Angeles vor einem Marihuana-Shop Schlange


Seit dem 1. Januar ist der Verkauf von Cannabis in Kalifornien erlaubt - und damit ist in dem US-Bundesstaat der weltweit größte legale Markt für entsprechende Produkte entstanden. Auch der frühere Boxweltmeister Mike Tyson gründete dort mit drei Geschäftspartnern eine Marihuana-Farm. Bislang konnte die Branche mit Raten von mehr als 30 Prozent in nur einem Jahr in den USA relativ ungestört wachsen - doch das ändert sich nun.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat den Kampf gegen die Legalisierung von Marihuana in den einzelnen Bundesstaaten begonnen. Justizminister Jeff Sessions wies die Staatsanwälte in einem Schreiben an, das auf Bundesebene geltende Verbot der Droge künftig durchzusetzen.

Die Trump-Administration hatte sich entsprechend einer Direktive aus der Obama-Ära bislang weitgehend aus der Marihuana-Regulierung rausgehalten. Zahlreiche Bundesstaaten erlauben die Droge zu medizinischen Zwecken. Mit Colorado, Washington, Oregon, Alaska, Nevada und nun Kalifornien haben bislang sechs Bundesstaaten Cannabis sogar als Genussmittel freigegeben. Massachusetts und Maine wollen im Lauf des Jahres folgen.

Das will Sessions verhindern - und die Verbreitung der Droge weiter erschweren. Die Staatsanwälte in den USA sollten "zur Rechtsstaatlichkeit" zurückkehren. Bereits 2015 hatte Sessions gesagt: "Gute Menschen rauchen kein Marihuana." Es sei "nur etwas weniger schlimm als Heroin".

Sessions' Schreiben verunsichert die Branche. "Mein Telefon klingelt wie verrückt", sagte Terry Blevins, der an einem Marihuana-Handelsunternehmen im Süden Kaliforniens beteiligt ist, der Nachrichtenagentur AP. "Wird die Regierung jetzt nach Kalifornien kommen und Razzien in Geschäften durchführen?"

Auch die Politik streitet über den Vorstoß aus der Hauptstadt. Der republikanische Kongressabgeordnete Don Young kritisierte das Vorgehen. "Wenn es der Justizbehörde erlaubt ist, gegen Einzelpersonen und Regierungen vorzugehen, wäre das eine der größten Pflichtverletzungen, die ich erlebt habe", sagte Young, in dessen Staat Alaska die Droge legal ist.

Was passiert nun mit den Händlern?

Tatsächlich ist noch unklar, welche konkreten Folgen Sessions' Papier haben wird. Bob Troyer, Staatsanwalt in Colorado, sagte, seine Behörde werde die Prinzipien der Strafverfolgung nicht ändern. Staatsanwalt Billy J. Williams aus Oregon will ebenfalls an der bisherigen Praxis festhalten - und nur gegen die nicht lizenzierte Marihuana-Produktion sowie den Schmuggel aus dem Staat heraus vorgehen.

Bereits jetzt gibt es für die Marihuana-Industrie wegen des Verbots auf Bundesebene große rechtliche Hürden und Risiken. Stadt- und Bezirksverwaltungen verlangen von den Geschäften und den Farmern zusätzliche Nachweise für eine der staatlichen Lizenzen zum Cannabisverkauf, Banken, Versicherer und Finanzdienstleister scheuen angesichts des Verbots auf Bundesebene Geschäfte mit der Branche. (Lesen Sie hier die Hintergründe: Das komplizierte Geschäft mit dem Kiffen)

Um die geschätzt jährlich eine Milliarde Dollar Steuereinnahmen aus dem Marihuanaverkauf in Kalifornien sicher zu transportieren, schlugen von den Behörden beauftragte Expertengruppe unlängst sogar vor, gepanzerte Fahrzeuge einzusetzen. Denn die meisten Geschäfte werden in bar abgewickelt. Das kann ein großer Nachteil sein, etwa wenn Geschäfte dokumentiert werden sollen, außerdem gilt Bargeld als Sicherheitsrisiko.

VIDEO: High Life in Colorado

apr/dpa/AP



insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
agt69 05.01.2018
1. Keine Macht den Doofen
Ich kann nicht beurteilen, ob Herr Sessions ein fähiger Jurist es. Von Drogen hat er ganz offensichtlich keine Ahnung, wie seine Aussagen "Gute Menschen rauchen kein Marihuana" und "nur etwas weniger schlimm als Heroin" eindrucksvoll beweisen. Es gibt viel mehr nicht ein einziges Argument für die Beibehaltung des Verbots, das nicht innerhalb von 30 Sekunden widerlegt werden kann. Das weiß jeder, der sich ein wenig zu diesem Thema informiert hat. Die Drogenmafia reibt sich auf jeden Fall schon begeistert die Hände.
bakero 05.01.2018
2.
Sessions wird die Legalisierungsbewegung verunsichern und vielleicht sogar etwas bremsen können. Aber zu stoppen ist sie nicht. Zu gut sind die bisherigen Erfahrungen, zu deutlich ist der Trend der Legalisierung (jetzt mit Kalifornien und auch dem Nachbarn Kanada!) und zu groß die Unterstützung der US-Bürger, die ja letztlich auch Wähler sind. Und vor allem: Es geht um viel Geld, die Steuereinnahmen gehen jetzt schon in die Milliarden. Ein großer Teil geht übrigens in die Bildung. Einen besseren Jugendschutz gibt es nicht ...
Violator 05.01.2018
3. Lächerlich
Herr Sessions sollte lieber mal dagegen vorgehen, dass jedes Jahr zehntausende Menschen von der Pharmaindustrie in die Schmerzmittel/Opioidsucht getrieben werden. Durch den Mist sterben in den USA mittlerweile mehr Menschen als durch Schusswaffen (das muss man erst mal schaffen), wogegen es schlicht unmöglich ist an einer Hasch-Überdosis zu sterben. Viel wahrscheinlicher krepiert ein fröhlicher Kiffer bei solchen Äußerungen an einem Lach-Flash. Und zum Thema "Einstiegsdroge" sage ich nur "Alkohol".
agt69 05.01.2018
4. Alle machen gute Erfahrungen
Jedes Land, das Drogen legalisiert oder zumindest entkriminalisiert, macht damit sehr gute Erfahrungen. Steuereinnahmen, weniger Geld für die Mafia, sinkende Kriminalität. Und das wichtigste: entgegen der Erwartungen der Verbotsbefürworter explodiert die Zahl der Konsumenten nicht. Mann muss schon mit Scheuklappen durch die Welt rennen, um weiterhin gegen eine Legalisierung zu sein. Wer sich für die Hintergründe dafür interessiert, warum wir überhaupt ein Drogenverbot haben, obwohl die Prohibition die Folgen eines solchen Verbots sehr deutlich aufgezeigt hat, dem sei das Buch "Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges" von Johann Hari empfohlen. Eigentlich eine Pflichtlektüre für jeden Politiker. Das Buch beschreibt auch sehr deutlich, mit welchem brutalen Druck die USA ihre Politik international durchgesetzt hat und noch bis heute durchsetzt. Wir sollten uns das nicht länger gefallen lassen!
spon-tan 2012 05.01.2018
5. Es ist wie mit der Berliner Mauer...
Erst einmal eingerissen, gibt es kein Halten mehr. Egal wie man es verhindern will, irgendein US-Staat ist immer etwas lockerer als die anderen und der Domino-Effekt lässt sich nicht mehr aufhalten. Dies ist die Lehre der Geschichte, die Legalisierungswelle kommt, früher oder später.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.