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Yahoo-Vorstandschefin: Die Entzauberung der Marissa Mayer

Von , New York

Yahoo-Chefin Mayer (beim Weltwirtschaftsforum in Davos): Honeymoon vorbei Zur Großansicht
REUTERS

Yahoo-Chefin Mayer (beim Weltwirtschaftsforum in Davos): Honeymoon vorbei

Sie galt als das Glamour-Girl des Silicon Valley: Konzernchefin Marissa Mayer sollte den Such-Giganten Yahoo aus der Dauerkrise führen. Doch auch die jüngsten Zahlen enttäuschten. Der Chor der Kritiker wird immer lauter: "Der Honeymoon ist vorbei."

Marissa Mayer versteht es, schlechte Nachrichten mit einem Lächeln zu servieren. Strahlend sitzt die Konzernchefin des Web-Giganten Yahoo an einem polierten Plexiglastisch, die Hände gefaltet. "Hallo alle", flötet sie heiser. "Ich bin begeistert, unsere Quartalsergebnisse zu diskutieren."

So beginnt der traditionelle Video-Chat, mit dem Mayer sich den Wall-Street-Analysten stellt. Dazu feuert sie am Dienstagabend zunächst einen Schwall wohlklingender Sätze ab: Von "Wachstumsfundament" spricht sie und von "stabilem Momentum", und prahlt mit den 400 Millionen Mobil-Nutzern und all den tollen Leuten, die sie eingestellt hat.

Doch immer wieder schleichen sich vorsichtige Töne ein. Bis man bei Yahoo wirklich "glücklich" sei, sagt Mayer, "wird es mehrere Jahre dauern."

In der Tat sind die jüngsten Quartalszahlen wieder mal durchwachsen. Am enttäuschendsten ist der erneut geschrumpfte Erlös aus digitaler Werbung: 491 Millionen Dollar, 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gesamtumsatz des Konzerns sank sogar um sechs Prozent. Und die Erwartungen fürs laufende Quartal, die schraubt Yahoo noch weiter herunter.

Das Echo ist einhellig. "Mayers Versuch, Yahoo aus der Krise zu führen, scheitert", urteilt das "Wall Street Journal". "Mayer scheint Yahoo noch nicht unter Kontrolle zu haben", tönt der Börsenblog "Business Insider".

Marissa Mayer, die Wunderfrau des Silicon Valley, erlebt ihre eigene Entzauberung. Eineinhalb Jahre nach ihrem Wechsel von Google zu Yahoo hat sich der Wind gedreht: "Der Honeymoon", titelte die Website "Marketwatch" hämisch, "ist vorbei".

Zwar betört Mayer ihr Publikum nach wie vor. Zuletzt beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wo sie US-Präsident Barack Obama wegen des NSA-Skandals kritisierte und sich auf einer Party des Verlegers Hubert Burda noch zu später Stunde von Fans umringt sah.

Doch der Chor der Kritiker wird immer lauter. Bisheriger Höhepunkt des Mayer-Bashings ist ein Porträt im Magazin "Vanity Fair". Das wimmelt von bitterbösen, doch anonymen Insider-Attacken. Mayers "Glanz" nutze ab, "Kollegen rebellieren gegen ihren autoritären Stil", sie sei "eine Diktatorin": "Rettet sie Yahoo, oder wird sie sein nächstes, großes Problem?"

Zugegeben: Als Mayer im Juli 2012 an Bord ging, steckte Yahoo noch viel tiefer im Sumpf. Der 1994 gegründete Konzern, der zur Ur-Garde des Silicon Valley gehörte, war einfallslos, abgehalftert, ausrangiert. Mayer, zuletzt Vizepräsidentin bei Google, sollte Yahoo retten. Mit 37 Jahren wurde sie die jüngste Frau an der Spitze eines "Fortune-500"-Konzerns.

Es war ein brillanter Coup: Yahoo schnappt sich "das Gesicht Googles". Dort war Mayer zum Mythos aufgestiegen. Ihr Talent zur schamlosen Selbstvermarktung machte sie zum Glamour-Girl der Tech-Branche - mit Fotostrecken in, nun ja, "Glamour" und "Vogue". Selbst ihre Lache ist mittlerweile legendär, mit ulkigen Zusammenschnitten auf YouTube.

Genau das trat Ressentiments los. Die waren frauenfeindlich getränkt: Mayer strahle "nicht genug Wärme aus", hieß es hinter vorgehaltener Hand - Vorwürfe, denen sich Männer nie aussetzen müssen. Diskret wurde sie degradiert. Da kam ihr der Sprung zu Yahoo gerade recht.

Auch dort wurde sie erst mal umjubelt. Mayer modernisierte Yahoo, entwickelte neue Produkte, übernahm die Blogging-Website Tumblr,heuerte Star-Journalisten an. Der Kurs fing sich. Im Juli 2013 wurde Yahoo erstmals seit 2011 wieder die meistbesuchte Website der Welt - knapp vor Google, Microsoft und Facebook.

"Mayer leitete eine dramatische Transformation ein", verteidigt sie der Hedgefondsmanager Eric Jackson, ein Yahoo-Shareholder. "Sie verdient enorme Anerkennung."

Die Kernzahlen blieben aber lau. Ein Quartal nach dem anderen enttäuschte. Eine Neuauflage des E-Mail-Programms erntete Spott. Dann kam der Skandal um COO Henrique de Castro, den Mayer bei Google abgeworben hatte, um das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Nach nur einem Jahr feuerte sie ihn wieder. Sein "goldener Fallschirm" wird auf bis zu 109 Millionen Dollar geschätzt - ein teurer Flop.

"Henrique passte nicht zu uns", sagt Mayer am Dienstagabend kühl. "Das ist bedauernswert, war aber die richtige Entscheidung."

Einen Hoffnungschimmer bietet das Asien-Geschäft: Das könnte Mayers Rettung sein. Vor allem Yahoos 24-Prozent-Anteil am chinesischen Internet-Giganten Alibaba nährt diese Erwartung. Der machte nach Yahoo-Angaben im dritten Quartal 2013 fast 1,8 Milliarden Dollar Umsatz.

Dieses Jahr will Alibaba an die Börse. Es dürfte die größte IPO der Saison werden, Experten sehen den Wert bei bis zu 190 Milliarden Dollar. Und das würde dann auch Yahoo kräftig stärken.

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Yahoo email
flyhi172 29.01.2014
Yahoo email ist seit der letzten "Verbesserung" die reinste Katastrophe: das was vorher ohne Probleme funktionierte, geht jetzt nicht mehr, es dauert ewig bis die emails geladen werden, manchmal friert das Programm voellig ein, man muss den Browser schliessen und neu starten. Das geht jetzt schon seit Monaten so und duerfte Yahoo auch nicht neu sein, da die Probleme in den Foren diskutiert werden. Geaendert hat sich nichts.
2. Yahoo email war noch nie so schlecht
Jay's 29.01.2014
Yahoo hat ein neues email Portal. Ich hasse es, habe aber keine Moeglichkeit zum alten Portal zurueckzukehren.
3. Da gibt es welche, die ueberrascht sind?
gweihir 29.01.2014
Das war doch klar, das sowas passiert. Selbstueberschaetzung, keine brauchbare Vision, veraergern der noch verbliebenden kompetenten Angestellten, kein Wunder. Hat auch nix damit zu tun, dass sie eine Frau ist, die Art, wie sie versagt entspricht typischem Managerverhalten.
4.
krasmatthias 29.01.2014
Zitat von sysopREUTERSSie galt als das Glamour-Girl des Silicon Valley: Konzernchefin Marissa Mayer sollte den Such-Giganten Yahoo aus der Dauerkrise führen. Doch auch die jüngsten Zahlen enttäuschten. Der Chor der Kritiker wird immer lauter: "Der Honeymoon ist vorbei." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/marissa-mayer-yahoos-quartalsbilanz-entzaubert-vorstandschefin-a-946097.html
Unternehmen, welche mit Geheimdiensten gegen die Interessen des Volkes arbeiten, haben keine Daseinsberechtigung. Ebenso wie Facebook, Google, Apple, u.s.w.. Auch, wenn die Geheimdienstler anderer Meinung sind, ich sage, der Wille des Volkes zur Freiheit wird auf die Strasse getragen, nicht jetzt, aber bald. Die brennenden Barrikaden in den Hauptstädten rücken immer näher und das ist gut so.
5. wir wissen...
imlattig 29.01.2014
doch, dass die wondergirl geschichten maerchen sind. diese ganze geistig moralische elite sind doch nur pfeifen. klappern gehoert zum handwerk. mehr koennen sie nicht. alles nur blender.
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