Altria Marlboro-Hersteller interessiert sich für Cannabis-Produzenten

Der herkömmliche Tabakkonsum geht zurück, Cannabis hingegen gilt als Wachstumsgeschäft. Das weckt das Interesse des Marlboro-Herstellers Altria am Cannabis-Produzenten Cronos.

Hanf-Pflanzen für Cannabis-Produktion
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Hanf-Pflanzen für Cannabis-Produktion


Der Marlboro-Hersteller Altria verhandelt mit dem kanadischen Cannabis-Produzenten Cronos über eine Übernahme. Cronos bestätigte die Gespräche. Diese befänden sich aber noch in einem frühen Stadium. Die Cronos-Aktie legte daraufhin kräftig zu, zeitweise um mehr als 15 Prozent.

Cronos wird an der Börse derzeit mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet. Sollte es zu einer Fusion kommen, wäre es eine der größten Übernahmen eines Marihuana-Herstellers durch einen Tabakkonzern. Offen ist, ob Altria nur an einer Beteiligung oder an einer vollständigen Übernahme Interesse hat.

Cannabis ist seit diesem Jahr in Kanada auch für den privaten Verbrauch zugelassen. Das weckt auch bei anderen Tabakkonzernen Interesse. So war im Juni der britische Konzern Imperial Brands bei Oxford Cannabinoid eingestiegen.

Auch in immer mehr US-Bundesstaaten ist der Konsum erlaubt. Analysten schätzen, dass die Cannabis-Industrie in den USA in diesem Jahr 11 Milliarden Dollar Umsatz machen wird, der dann bis zum Jahr 2030 bis auf 75 Milliarden Dollar steigen könnte.

Cannabis soll in Luxemburg legalisiert werden

In Europa treibt aktuell Luxemburg die Legalisierung von Cannabis zum Freizeitgebrauch für Erwachsene voran. Eine Regierungsvereinbarung sieht vor, dass in der Legislaturperiode von 2018 bis 2023 Herstellung, Kauf, Besitz und Konsum von Cannabis für den persönlichen Bedarf von Volljährigen straffrei gestellt oder legalisiert werden soll - zu Bedingungen, die noch definiert werden müssen.

Tabakkonzerne wie Altria stehen unter Druck, sich neue Felder zu erschließen, da die Zahl der Zigaretten-Raucher angesichts von Rauchverboten und einem steigenden Gesundheitsbewusstsein zurückgeht. So waren 2017 nur noch 14 Prozent der US-Amerikaner Raucher - so wenige wie nie zuvor. Die Altria-Aktien Chart zeigen haben in diesem Jahr etwa ein Fünftel an Wert verloren.

In den vergangenen Jahren setzte Altria verstärkt auf E-Zigaretten. Presseberichten zufolge soll der Konzern auch an der E-Zigaretten-Firma Juul interessiert sein. Das in San Francisco ansässige Start-up wurde bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde mit 16 Milliarden Dollar bewertet.

mmq/dpa/Reuters/AFP

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enforca 04.12.2018
1. Wie lange es wohl noch in Deutschland dauert?
Da bei uns prinzipiell alles was mit Fortschritt zu tun hat Neuland ist, wird es hier wohl leider noch so 15-20 Jahre dauern, bis auch die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft vom aktuellen Zeitgeist profitieren kann. Sprich wenn der Markt längst in der Hand einiger Global Player ist. Na ja, bis dahin haben wir bestimmt auch ein gutes Handynetz und eine nicht-mafiöse Autoindustrie.
jf24 04.12.2018
2. In 2030 ...
... wird Cannabis längst den Alkohol als gesellschaftlich akzeptierte Droge abgelöst haben, denn er ist dem Alkohol in allen Bereichen überlegen und weniger schädlich. Schon jetzt kann über einen digialen Vaporizer über verschiedene Grad-Zahlen die Wunschtemperatur gesteuert und damit die entsprechend gewünschte Wirkung angestoßen werden. Ich glaube Cannabis! Ich selbst rauche im Übrigen nicht und trinke nur wenns sein muss ... wenn Weihnachten oder an Geburtstagen/Partys der gesellschafliche Druck, trinken zu müssen, zu hoch ist.
Andraax 04.12.2018
3. Auch beim Cannabis gilt
Verdampfen (Vaporisieren) ist weit gesünder als Verbrennen (Rauchen).
bakero 04.12.2018
4.
In ein paar Jahren wird sich auch in Deutschland die Vernunft durchsetzen und man sieht ein, dass man Cannabis weder verbieten muss noch es verbieten kann. Dann übernehmen (nord)amerikanische Firmen und Franchiseketten dankbar den riesigen Markt. Wieder einmal eine große Chance verpasst ... Naja, immerhin die vielen illegalen Dealer können sich freuen. Noch läuft ihr Geschäft hierzulande blendend. Natürlich steuerfrei.
fat_abbot@web.de 04.12.2018
5.
Ich hoffe nicht, dass es noch bis 2030 dauert. Natürlich haben wir noch eine große Menge Betonköpfe , vorallem in der Regierungspartei, sitzen. Aber die Reihen lichten sich, Kanada war ein Riesen Schritt zur Legalisierung. Irgendwann wird auch der größte Verteufler einsehen müssen, das Prohibition nicht funktioniert, erst Recht wenn in quasi allen Nachbarstaaten (außer vllt denen, die am rechtesten Rand agieren (siehe Polen,Ungarn)) die Liberalisierung voranschreitet. Mittlerweile gibt es 3 Bundesparteien, die sich für die Legalisierung aussprechen, die 4. erwägt zumindest, mal über die derzeitigen Verhältnisse nachzudenken. Was einfach fehlt,ist eine Aufklärungskampagne. Keiner wünscht sich uneingeschränkten Zugriff auf Cannabis. Aber man kann auch nicht mehr mit Argumenten wie "Einstiegsdroge" oder "Jugendschutz" und "Psychosenauslöser" ankommen. ich hoffe ja, das mal jemand mit Geld und Idee sich diesem annimmt. Ein Werbespot kurz vor der Tagesschau mit realistischen Fakten über Cannabis sowie einmal ein paar Fallbeispielen der willkürlichen Justiz vorbei an jeglichem Grundrechten würde wohl vielen die Augen öffnen, was derzeit in diesem Staat abgeht! (Von den wirtschaftlichen Chancen, die das Gebiet birgt ganz abgesehen)
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