Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Marode WestLB: Merz kassiert 5000 Euro am Tag

Er sucht einen Käufer für die krisengeplagte WestLB - und lässt sich dafür fürstlich entlohnen: 5000 Euro soll Friedrich Merz als Tageshonorar erhalten. Grüne und SPD bezweifeln, dass der Ex-Fraktionschef der Union das Geld wert ist.

WestLB-Veräußerungsbeauftragter Friedrich Merz: Honorar "als marktüblich akzeptiert" Zur Großansicht
dapd

WestLB-Veräußerungsbeauftragter Friedrich Merz: Honorar "als marktüblich akzeptiert"

Hamburg/Düsseldorf - Die WestLB ist ein finanzielles Wrack: Bundesregierung und das Land Nordrhein-Westfalen haben Milliardensummen in das Institut gepumpt, spätestens seit der Finanzkrise ist klar, dass es von sich aus nicht überlebensfähig ist. Seit Sommer 2010 sucht der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz einen Käufer für die marode Landesbank - und bezieht dafür ein Tageshonorar in Höhe von 5000 Euro. Das berichtet "stern.de" und beruft sich auf interne Unterlagen des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin, dem "Handelsblatt" ist diese Summe nach eigenen Angaben aus dem Umfeld der WestLB bestätigt worden.

Auftraggeber für Merz waren im vergangenen Juni der Soffin sowie die Alteigentümer der Landesbank, darunter die damals noch schwarz-gelbe Landesregierung und die örtlichen Sparkassenverbände. Der vom Bund kontrollierte Soffin hatte die WestLB vor einem Jahr mit einer stillen Einlage über drei Milliarden Euro gestützt.

Das Merz-Honorar hätten die Eigentümer "als marktüblich akzeptiert", heißt es in einem internen Soffin-Vermerk, das dem Online-Portal vorliegt. Dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) zufolge ist ein Tagessatz von 5000 Euro wie im Fall Merz nicht völlig unüblich, aber "an der oberen Grenze". Merz ist seit seinem Rückzug aus der Bundespolitik als Wirtschaftsanwalt tätig.

Öffentlich wollen sich Merz ebenso wie der Soffin und die Alteigentümer nicht zu der Höhe des Honorars äußern. "Zu einzelnen Mandaten dürfen wir leider keine Stellung nehmen", erklärte der Soffin. Merz ließ durch seine Kanzlei Mayer Brown mitteilen, dass "über die Details der Beauftragung" zwischen den Beteiligten "Stillschweigen vereinbart worden" sei. Auch eine Sprecherin des NRW-Finanzministeriums wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

"Was hat Merz überhaupt geleistet?"

Bemerkenswert ist, dass die in den vergangenen Tagen von verschiedenen Medien genannte Summe von 27 Millionen Euro, die im Jahr 2010 an Merz und andere Berater geflossen sein soll, von den Beteiligten durchaus dementiert wurde - im Gegensatz zu dem jetzt bekannt gewordenen Tagessatz. Der Soffin konnte diese Zahl "nicht nachvollziehen", Merz' Kanzlei zufolge entbehre sie "jeglicher Grundlage".

Grüne und SPD - zum Zeitpunkt der Beauftragung Oppositionsparteien in NRW, jetzt in der Regierungsverantwortung - fordern nun Aufklärung über das Merz-Honorar und kritisieren dessen Höhe: "Man muss nicht den Maximalgewinn machen, wenn man öffentliche Einrichtungen berät, bei denen der Staat mit einem großen Risiko reingeht. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl ist da sicher möglich", zitiert stern.de den SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider.

Sein Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Martin Börschel, erhob Filzvorwürfe: "Wenn die hohen Tagessätze stimmen, riecht das nach Amigo-Konditionen." Dies wäre umso unbefriedigender, da "die Ergebnisse bisher alles andere als überzeugend sind".

Die NRW-Grünen forderten Aufklärung über das Honorar von Merz. Es müsse zum Beispiel geklärt werden, ob Merz lukrative Unteraufträge an seine Kanzlei vergeben habe, sagte der Grünen-Finanzexperte Mehrdad Mostofizadeh. "Was hat Merz überhaupt geleistet?", fragte Mostofizadeh. SPD und Grüne wollen den Fall im vertraulichen Teil des Haushalts- und Finanzausschusses im Landtag zum Thema machen.

fdi/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 100 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Danke Herr Merz!
tlogor 12.04.2011
Herr Merz ist ein ausgewiesener Experte. Einen der besten Politiker, den wir in Deutschland haben. Leider wurde er von Merkel weggebissen. Es kann sich deshalb nur um Tage handeln, bis Herr Merz den Verkauf mit sehr grossem Gewinn für den Staat abgewickelt hat. Das Land NRW dürfte bald schuldenfrei sein. Daher halte ich 5000 Euro am Tag für entschieden zu wenig. Es ist echt mal wieder typisch: die richtigen Leistungsträger werden nicht anständig bezahlt.
2. Schlechte Wahl
Liberalitärer, 12.04.2011
Zitat von sysopEr sucht einen Käufer für die krisengeplagte WestLB - und lässt sich dafür fürstlich entlohnen: 5000 Euro soll Friedrich Merz als Tageshonorar erhalten. Grüne und SPD bezweifeln, dass der Ex-Fraktionschef der Union das Geld wert ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,756620,00.html
Ich dachte der Arbeit auf success und nicht gegen retainer. Eh eine schlechte Wahl, das sollte ein Investmentbanker und kein abgehalfterter Politiker machen. Das ist auch gar nicht das Geschäft einer Unternehmensberatung, sondern Corporate Finance.
3. Ätsch
Klaschfr 12.04.2011
Den Job hätten die Grünen und Sozis selber gerne, doch sie können es nicht und deshalb hat niemand sie gefragt. Aber man hält sich sicher anders 'schadlos'. Arm ist von denen noch keiner geworden. Und wenn man durch die Presse erfährt, wo sie sich alle in ihrer 'Dienstzeit' herumtreiben, ist klar, warum sie nicht verhärmt aussehen.
4. sei ihm gegönnt.
zynik 12.04.2011
Zitat von sysopEr sucht einen Käufer für die krisengeplagte WestLB - und lässt sich dafür fürstlich entlohnen: 5000 Euro soll Friedrich Merz als Tageshonorar erhalten. Grüne und SPD bezweifeln, dass der Ex-Fraktionschef der Union das Geld wert ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,756620,00.html
Ach, der arme Mofa-Friede muss seine Schäfchen ja auch irgendwie ins Trockene bringen. Nachdem das mit der Bierdeckel-Steuer nicht so hingehauen hat, verfährt er eben nach dem altbekannten "Leistungs(weg)träger"-Prinzip. Er hat sich ja schon im Bundestag selbstlos für seine Nebentätigkeiten zerrissen. Also warten wir auf den ersten Beitrag, der uns dumpfen Wahlpöbel zurecht vorhält, doch bloss neidisch auf Mofa-Friede und seine Erfolge zu sein.
5. Ganovenhonorar
Reformhaus, 12.04.2011
Wenn die WestLB so einen Windhund braucht, um sich zu verkaufen, dann dürfte die Bank weniger Wert sein als ein Pfifferling.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die Landesbanken in der Übersicht
BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: