Maroder Elektro-Riese: Motorola diskutiert aggressiven Zerschlagungsplan

Motorola droht eine spektakuläre Schrumpfkur: Laut "Wall Street Journal" erwägt der kriselnde Konzern, sein Handy- und TV-Geschäft komplett zu verkaufen. Der einstige Elektro-Riese wäre dann nur noch eine Firma für Barcode-Scanner und Rundfunk-Equipment.

Motorola-Handy Milestone: Geschäft regelrecht eingebrochen Zur Großansicht
Matthias Kremp

Motorola-Handy Milestone: Geschäft regelrecht eingebrochen

New York - Einst war Motorola eines der wichtigsten Technologieunternehmen der USA - jetzt ist der Telekomkonzern nur noch ein Schatten seiner selbst. Laut "Wall Street Journal" hat das Management einen Plan für die eigene Zerschlagung ausgearbeitet.

Die Motorola-Führung plane, letztlich nur noch das Geschäft mit Barcode-Scannern und Rundfunk-Equipment zu behalten, schreibt die Zeitung. Dagegen sollen das Handy-Geschäft, die Sparte mit Empfangsboxen für das Kabelfernsehen und mit Zubehör für Mobilfunk-Anlagen nach und nach abgestoßen werden. Der Jahresumsatz fiele dadurch von zuletzt 22 Milliarden Dollar auf rund 7 Milliarden Dollar. Eine Entscheidung, ob der Zerschlagungsplan so in Kraft trete, sei aber noch nicht gefallen, schreibt das "Journal" weiter.

Die Motorola-Führung sucht seit Monaten nach Möglichkeiten, den Konzern zu retten. Die Wirtschaftskrise hatte riesige Probleme in dem Traditionsunternehmen offengelegt. Im vergangenen Jahr war das Geschäft regelrecht eingebrochen, Motorola schrieb wiederholt rote Zahlen. Milderung brachte nur ein harter Sparkurs, dem Tausende Jobs zum Opfer fielen.

Über die Jahrzehnte hatte sich bei Motorola ein buntes Mischmasch an Produkten angehäuft. Am bekanntesten sind die Handys. Die Sparte hatte aber nie wieder an den Erfolg des früheren Topmodells "Razr" anknüpfen können. Der Zweig stand schon vor rund einem Jahr auf der Abschussliste, dann aber kam die Krise und die Preise purzelten - seitdem kämpft der Konzern mit Verlusten.

ssu/dpa

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1. ...
M. Michaelis 11.02.2010
Zitat von sysopMotorola droht eine spektakuläre Schrumpfkur: Laut "Wall Street Journal" erwägt der kriselnde Konzern, sein Handy- und TV-Geschäft komplett zu verkaufen. Der einstige Elektro-Riese wäre dann nur noch eine Firma für Barcode-Scanner und Rundfunk-Equipment.
Da kann man schon mal einen Blick in die Zukunft von Siemens werfen. Solche Selbstaufösungsprozesse stehen leider einigen Konzernen bevor. Man beseitigt die Substanz als vermeintlicher Kostenfaktor und wundert sich warum nichts mehr funktioniert.
2. Suidizid
mot2 11.02.2010
Zitat von M. MichaelisDa kann man schon mal einen Blick in die Zukunft von Siemens werfen. Solche Selbstaufösungsprozesse stehen leider einigen Konzernen bevor. Man beseitigt die Substanz als vermeintlicher Kostenfaktor und wundert sich warum nichts mehr funktioniert.
Die Frage stellt sich, ob Beihilfe eines Suizidversuches nicht strafbar ist. Ob Substanz des Untoten vorhanden ist, bleibt fraglich, da auch ein grosser Teil des IP (Intellectual property) in den nächsten Jahren zur Disposition steht. RF Artikel und Barcode Scanner sind per se Zulieferartikel und kein Systemgeschäft. Der Ausstieg aus den TV Segment mag ja noch angehen, aber der Verlust der Handy Sparte (Frontend) ist schon gravierend, da das Frontend als zentrales Bedienelement für alles und jedes wichtig ist. Grund dieser Entwicklung ist der Hochmut vergangener guter Zeiten. Man blockierte nach Kräften und konzentrierte sich auf das Absahnen des sichtbaren Marktes. Leider vergass man, dass man nicht alles machen kann. So auch bei Siemens. Vielleicht sollte Infineon Motorolas Chipsparte kaufen und ein neues der Zeit angepasstes Vertriebsmodell entwickeln. Der Markt ist da, man muss ihn nur sehen. Grundsätzlich kommt die Industriestruktur in Bewegung und zwar mit Macht, auch ohne Wirtschaftskrise. Die Karten werden neu verteilt, dies gilt auch für die emerging markets, die bisher nur follower waren. Gegenwärtig werden die Vertriebsmodelle neu aufgemischt, siehe iPhone und seine Gimmikanten, aber der Rest des schlafenden Marktes, 97 %, der ist viel interessanter. Dort werden sich die Innovationen finden lassen. Ob sie realisierbar sind liegt an den Netzbetreibern, bzw. an den Kontrollbehörden. Hindernisse gibt es genug, aber sie werden kommen. zum Grusse
3. Ich gönne es ihnen und noch viel mehr.
llothar 11.02.2010
Wie war das damals wir nennen unseren 68050 Microprozessor nicht 68050 weil wir viel besser als der Pentium von Intel sind, wir gehen gleich auf 68060 dann wir sind Motorola wir sind die besten. Und dann kam ganz ganz schnell das Aus. So geht es allen Versagern die CEO's aus der Wirtschaft bekommen, egal ob HP oder SUN, die aufgestiegenen Sales Manager kriegen alles klein was wir Ingenieure und Softwerkler gross gemacht haben.
4. Motorola
abugida 11.02.2010
Zitat von mot2Vielleicht sollte Infineon Motorolas Chipsparte kaufen und ein neues der Zeit angepasstes Vertriebsmodell entwickeln. Der Markt ist da, man muss ihn nur sehen.
Motorola hat seine Chipsparte 2004 verkauft, firmiert seitdem unter dem Namen Freescale. Smartphones machen doch schon jetzt 15 % des Handy-Marktes aus, in den Industriestaaten deutlich mehr. Die unerschlossenen Massenmärkte (am besten noch in den Entwicklungsländern) sind eine Mär, mit der Nokia und andere Hersteller, die die Entwicklung verschlafen haben, ihre Anleger zu vertrösten. Der Wandel findet jetzt statt, und wer heute nicht vorn dabei ist, wird auch mittelfristig kein Bein mehr auf die Erde bekommen.
5. Motorola Musterbeispiel eiens einstigen Technologieführers
MarianTremmel 11.02.2010
Zitat von llotharWie war das damals wir nennen unseren 68050 Microprozessor nicht 68050 weil wir viel besser als der Pentium von Intel sind, wir gehen gleich auf 68060 dann wir sind Motorola wir sind die besten. Und dann kam ganz ganz schnell das Aus. So geht es allen Versagern die CEO's aus der Wirtschaft bekommen, egal ob HP oder SUN, die aufgestiegenen Sales Manager kriegen alles klein was wir Ingenieure und Softwerkler gross gemacht haben.
Seh ich auch so: Motorola ist ein Musterbeispiel dafür, wie aus einem einstigen Technologieführer durch kaufmännisches Miss-Management ein Insolvenz-Kandidat wurde. Wie kann man es nur schaffen, ausgehend von dieser damals wegweisende CPU-Technologie (ich meine die 680xx-Serie), die u.a. in den 80er-Jahren bereits einen linearen Adressraum mit 16 MB hatte, so abzuwirtschaften. Aber ähnliche Beispiele dafür gibt es genug: DEC, DG, Amdahl, Cray. Auch in der Handy-Sparte ging es ähnlich schief: Das Motorola Startac (ich hatte eines) war damals als erstes Klapphandy auf dem Markt. U.a. wegen mieser Akkus (da hat wohl ein Betriebswirt mit dem Rotstift gewerkelt) ging dann die ganzer Sparte den Bach hinunter.
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