Schwefel im Treibstoff Kreuzfahrtreederei wegen Luftverschmutzung verurteilt

"Auf Kosten der Lungen der Allgemeinheit": Im Hafen von Marseille verfeuerte ein Kapitän Diesel mit zu viel Schwefel. Jetzt müssen er und seine Reederei eine hohe Strafe zahlen.

P&O "Azura" 2016
imago/ZUMA Press

P&O "Azura" 2016


Erstmals ist eine Kreuzfahrtgesellschaft in Frankreich wegen Luftverschmutzung verurteilt worden. Das britische Unternehmen P&O Cruises und der Kapitän seines Ozeandampfers "Azura" müssen insgesamt 100.000 Euro zahlen, weil sie im Hafen von Marseille ein nicht zugelassenes Dieselöl zum Antrieb einsetzten, entschied ein Gericht in der Stadt.

Die "Azura" ist eines der größten Schiffe von P&O Cruises und nach Angaben des Unternehmens speziell für Familien gebaut. Die Reederei gehört zum US-Unternehmen Carnival, der verurteilte Kapitän ist ebenfalls US-Amerikaner.

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Um den Großteil der Strafe kommt der Kapitän jedoch herum. 80.000 der 100.000 Euro muss laut Urteil das Unternehmen tragen. Der Kapitän wusste nach Überzeugung der Richter jedoch, dass das Öl illegal war. Es enthält rund 1,7 Prozent Schwefel, in der EU sind aber nur bis zu 1,5 Prozent erlaubt.

Die Gesellschaft habe dieses billigere Dieselöl bewusst eingesetzt, um "Geld auf Kosten der Lungen der Allgemeinheit zu sparen", sagte der Staatsanwalt in dem Prozess.

Marseille kämpft wie andere europäische Hafenstädte mit der hohen Luftverschmutzung, die Atemwegserkrankungen verursacht. Das Urteil wird als Präzedenzfall gewertet.

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apr/AFP/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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ardbeg17 26.11.2018
1.
1,5 Prozent sind erlaubt?! Beim PKW sind es 10 ppm, meist dürfte es weit weniger sein. Also entsteht aus jedem Liter Kraftstoff eines Schiffes im Hafen die mindestens 150fache Menge SO2 wie aus PKW-Diesel. Da muss aber dringend ein Fahrverbot für Diesel-PKW her.
ardbeg17 26.11.2018
2.
1.5 Prozent erlaubt. Beim PKW-Diesel sind es 10 ppm. Klar, warum Oslo und Hamburg Fahrverbote für PKW machen müssen.
sh.stefan.heitmann 26.11.2018
3. im Text müssen mehrere Nullen fehlen
da steht hohe Strafe aber im Text ist von 100k die Rede. Ein "Günstiges" Kreuzfahrtschiff kostet 600 Millionen Euro damit wir von einer hohen Strafe sprechen können sollte diese schon mindestens 10 Millionen Betragen, alles andere sind Leuchtstreifen auf dem Schiff
nichtsalsverdrus 26.11.2018
4. Super!
Endlich passiert einmal was. In Deutschland kämen Politik und Behörden nie auf die Idee, über Umwelt und Gesundheit stehende Kapitalinteressen zu sanktionieren.
dertorsten 26.11.2018
5. Landstrom
Wenn sich ein paar grössere Häfen endlich mal zusammentäten und einen verpflichtenden Landstromanschluß durchsetzen würden, wäre dieses Thema ganz schnell durch. Im Moment traut sich doch keine Stadt das zu fordern, aus Angst dass die Schiffe dann woanders hin weiterziehen. Gibt es eigentlich dafür keine EU-Richtlinie? Und - bezogen auf Hamburg - wäre Landstrom für Schiffe weitaus effektiver als ein paar symbolische nicht kontrollierbare Fahrverbote für Diesel.
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