Keine Vertragsverlängerung Commerzbank-Chef Blessing kündigt Rücktritt an

Martin Blessing wird 2016 als Commerzbank-Chef abtreten. Er werde seinen Vertrag nicht verlängern, teilte die Bank überraschend mit. Wer könnte Blessing nun nachfolgen?

Commerzbank-Chef Blessing: Rücktritt nach acht Jahren
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Commerzbank-Chef Blessing: Rücktritt nach acht Jahren


Die Commerzbank muss sich einen neuen Chef suchen. Wie das zweitgrößte Geldhaus des Landes am Sonntag mitteilte, wird der bisherige Vorstandschef Martin Blessing seinen im Oktober 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

Die Entscheidung kommt überraschend: Zuletzt hatte es in der Bank stets geheißen, Blessing solle auch über 2016 hinaus weitermachen.

Der 52-Jährige steht seit 2008 an der Spitze des Instituts. Im gleichen Jahr übernahm die Commerzbank den Rivalen Dresdner Bank - ein Deal, den noch Blessings Vorgänger Klaus-Peter Müller eingefädelt hatte, der bis heute an der Spitze des Aufsichtsrats steht.

Die Übernahme der Dresdner Bank erwies sich als teuer. Während der Finanzkrise musste der neu entstandene Konzern mit rund 18 Milliarden Euro vom Staat gerettet werden. Noch heute ist der Bund mit etwa 16 Prozent an der Bank beteiligt.

In einer Erklärung der Bank teilte Blessing am Sonntag mit, er habe sich "über das Angebot einer Vertragsverlängerung und das mir dadurch entgegengebrachte Vertrauen sehr gefreut". Nach 15 Jahren im Vorstand wolle er aber noch einmal "ein neues Kapitel in meinem beruflichen Leben aufschlagen".

Blessing stammt aus einer Bankerfamilie: Großvater Karl war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Präsident der Bundesbank, Vater Werner Blessin war Vorstand bei der Deutschen Bank. Auch Blessings Frau Dorothee ist bei der US-Bank JP Morgan gut im Geschäft.

Neben der Deutschen Bank ließ sich zuletzt gut glänzen

Was Blessing selbst nun vorhat, ließ er zunächst offen. Bei der Commerzbank jedenfalls sieht er seine Aufgabe erledigt. 2016 sei ein guter Zeitpunkt für einen Führungswechsel, ließ Blessing mitteilen. Die Bank habe die größten Herausforderungen der Finanzkrise bewältigt oder werde dies in den kommenden Monaten noch tun. "Der Weg zurück zu einer nachhaltig erfolgreichen Bank ist klar erkennbar."

In der Tat war es nach vielen schweren Jahren zuletzt ruhig geworden um die Commerzbank. Das Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden lief gut. Im ersten Halbjahr 2015 hat der Konzern knapp 650 Millionen Gewinn eingefahren - so viel wie lange nicht mehr. Die Zahlen zum dritten Quartal will die Bank an diesem Montag veröffentlichen. Analysten erwarten erneut einen ordentlichen Gewinn.

Die Zahlen der Commerzbank glänzen umso heller, wenn man sie mit denen des größten deutschen Geldhauses vergleicht: Die Deutsche Bank schlitterte in den vergangenen Jahren von Skandal zu Skandal und meldete jüngst einen Quartalsverlust von sechs Milliarden Euro. Der neue Vorstandschef John Cryan beschreibt das eigene Institut als Trümmerhaufen. Dagegen sieht die Commerzbank mittlerweile aus wie der Hort der Stabilität.

Aufsichtsratschef Müller muss sich nun auf die Suche nach einem Nachfolger für Blessing machen. Zwei mögliche Kandidaten dafür kommen von außen:

  • Rainer Neske hatte im Frühjahr resigniert als Privatkundenchef der Deutschen Bank hingeschmissen, nachdem er sich in der Diskussion um die neue Strategie mit dem damaligen Vorstandschef Anshu Jain überworfen hatte.
  • Theodor Weimer ist als Chef der HypoVereinsbank zwar erfolgreich, seine Entscheidungsmacht ist durch die italienische Muttergesellschaft Unicredit aber doch arg eingeschränkt. Er dürfte sich nach neuen Herausforderungen sehnen.

Intern ist kein klarer Nachfolger in Sicht. Als aussichtsreichster Kandidat gilt hier Markus Beumer, der bisherige Chef der Mittelstandsbank.

stk



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