Martin Eberhard und SF Motors Das Tesla-Hirn

Tesla-Mitgründer Martin Eberhard wurde aus dem Unternehmen gedrängt. Mit SF Motors arbeitet er an einer neuen Schmiede für E-Autos - die Elon Musk gefährlich werden könnte.

Martin Eberhard 2008
imago/ZUMA Press

Martin Eberhard 2008

Von manager magazin.de-Redakteur


Martin Eberhard hat eine Menge guter Gründe, Elon Musk nicht zu mögen. Der Elektroningenieur ersann den Namen Tesla Motors für jenes Elektroauto-Start-up, das er im Juli 2003 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Marc Tarpenning gründete.

Es war Eberhards Idee, Laptop-Akkus im ersten Tesla-Roadster einzubauen. Den Software-Millionär Elon Musk holte Eberhard einst selbst als Geldgeber an Bord. Doch bereits 2007 drängte Musk ihn aus dem Unternehmen - und wurde selbst Tesla-Chef.

Eberhards Wut darüber saß tief. Er verklagte Musk wegen Verleumdung. Eine Zeitlang betrieb er ein Blog, in dem er dokumentierte, wie schlecht Musk seine Untergebenen angeblich behandelte. Doch in den vergangenen Jahren wurde es still um Eberhard.

Zwei Jahre lang arbeitete Eberhard, der vor der Tesla-Gründung bereits mit einem E-Book-Unternehmen Millionen verdient hatte, für Volkswagen als oberster Elektroauto-Entwickler in Nordamerika. Seit 2013 investiert er gemeinsam mit dem ebenfalls bei Tesla ausgeschiedenen Tarpenning in Unternehmen. Vor eineinhalb Jahren gründete der Ingenieur InEVit, ein Start-up, das Batteriemodule und Antriebsstränge für Elektroautos entwickelt.

Nun kehrt Eberhard auf die große Autobühne zurück - und positioniert sich gegen Tesla Motors. Mitte Oktober hat ein Unternehmen namens SF Motors Eberharts Start-up InEVit übernommen. Mit SFs Übernahme von InEVit stieg er zum Chefentwickler von SF auf, zudem fungiert er als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Bereits vor der InEVit-Übernahme war Eberhard als strategischer Berater für SF Motors tätig.

"InEVit wird als hundertprozentige Tochtergesellschaft weiterbestehen und weiter ihre eigene Technologie entwickeln", sagte Eberhard SPIEGEL ONLINE zu dem Geschäft. Von einer Rache an Musk oder Tesla will er allerdings nichts wissen - ihn interessiere die Arbeit an E-Autos aus Gründen des Klimaschutzes. Es gehe ihm darum, "welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen".

SF sichert sich Bausteine für die E-Auto-Produktion

SF ist eine Tochterfirma der Chongqing Sokon Industry Group, die von der chinesischen Regierung Anfang 2017 eine Produktionslizenz für den Bau von Elektroautos erhalten hatte. Das sieht erst mal nach einem weiteren der zahlreichen Elektroauto-Start-ups aus China aus, die vielfach mit großen, nicht eingelösten Versprechen aufgefallen sind - wie etwa Faraday Future, das einst eine milliardenteure Elektroauto-Fabrik in Nevada hochziehen wollte.

SF Motors geht vorsichtiger vor - und weniger marktschreierisch. Statt mit Showcars bei Automessen arbeitete das zwei Jahre alte Start-up im Verborgenen. SF richtete in den vergangenen Monaten ein Forschungszentrum in der Nähe von Detroit und einen eher bescheidenen Firmensitz in Kalifornien ein.

"Wenn mein Engagement bei SF Motors dazu beiträgt, dass Elektroautos in China und hoffentlich auch in den USA und Europa angenommen werden, dann helfe ich womöglich dabei, meinen Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen", sagte Eberhard. Bei Volkswagen sei ihm das nicht geglückt. "Schade, dass das Unternehmen so viel Kreativität darauf verwandte, bei Dieselmotoren zu schummeln, statt Autos für eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln."

Zahlreiche frühere Tesla-Manager arbeiten Berichten zufolge nun für SF. Zudem hat SF wohl auch mehrere ehemalige Faraday Future-Mitarbeiter an Bord geholt. Faraday ist wegen Geldproblemen in schweren Turbulenzen und kämpft mit dem Exodus zahlreicher Top-Manager, wie manager magazin vor Kurzem berichtete. Rund 150 Leute sollen aktuell für SF Motors arbeiten.

Autowerk für 110 Millionen Dollar übernommen

Vor wenigen Tagen übernahm SF für 110 Millionen Dollar ein US-Autowerk im US-Bundesstaat Indiana, in dem einst der Geländewagen Hummer gefertigt wurde. Rund 30 Millionen Dollar will SF investieren, um die Fabrik für die Produktion von Elektroautos vorzubereiten - eine vergleichsweise geringe Summe für den Aufbau einer eigenen Elektroauto-Produktion.

Laut einem Bericht der Fachzeitschrift "Automotive News" will SF die Fehler der Mitbewerber vermeiden - und keine Pressekonferenzen abhalten, bevor ihr Fahrzeug und die notwendige Infrastruktur für den Bau fertig sind. "Das sind sehr fähige, global denkende Leute. Die wissen, wie man Dinge schnell durchzieht, auch in Bezug auf das Sichern von Technologien", sagte ein Kenner der chinesischen Autoszene "Automotive News".

Anders als viele chinesische Elektroauto-Startups hat SF keine Finanzkapitalgeber oder IT-Riesen im Rücken, sondern einen Autohersteller. Chongqing Sokon startete ursprünglich als Motorradproduzent, stieg aber vor einigen Jahren in die Produktion von Klein-Vans, Minibusse und günstigen Autos ein.

In den vergangenen Jahren wuchs Sokon schnell, 2016 verkaufte das Unternehmen 380.000 Fahrzeuge in China. Ein solcher Mutterkonzern im Rücken dürfte für SF Vorteile bringen, falls der US-Start nicht so klappt wie erhofft. Denn China wird in den kommenden Jahren der größte Markt für Elektroautos bleiben. Dort kann SF dank seiner Mutter schnell mit der Produktion loslegen.

"Sie könnten es schaffen. Doch noch sehe ich keinen Elon"

Auf seiner Website kündigt SF Motors an, möglichst autonom fahrende Elektroautos bauen zu wollen - ein Ziel, das sich nur wenig von den zahlreichen anderen Elektroauto-Start-ups unterscheidet. Doch mit dem Erwerb von InEVit könnte sich SF einen wichtigen Baustein für einen Schnellstart verschafft haben, wie Recherchen der US-Zeitschrift "Car and Driver" nahelegen.

Denn laut offiziellen Bewertungsdokumenten, die beim Kauf von InEVit eingereicht wurden, hat das Batterie-Start-up offenbar bereits mit Audi an möglichen Elektroauto-Prototypen gearbeitet. Auch Daimler, Renault und Volkswagen sollen von InEVit ein Angebot für Batteriemodule erhalten haben, bei denen dieselben Zellgrößen eingesetzt werden wie die im Tesla "Model 3" verwendeten.

Zwar sind manche Branchenkenner skeptisch, ob SF Motors das Zeug zum Tesla-Konkurrenten hat. Doch eines steht schon mal fest: Martin Eberhard kämpft im Elektroauto-Business wieder an vorderster Front. Er positioniert sich klar gegen Elon Musk - jenen Mann, der ihn einst aus seiner eigenen Firma drängte.

insgesamt 44 Beiträge
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Tante_Frieda 25.11.2017
1. Man fragt sich
Man fragt sich immer wieder,weshalb deutsche Autoexperten so gern bei ausländischen Autofirmen anheuern.Ob das nun Angelsachsen sind oder Chinesen - überall werden die Deutschen als Könner geschätzt,dann aber,wenn man sich ihr Wissen angeeignet hat,aus dem Unternehmen gedrängt.Gerade bei Amerikanern ist es ein bisschen wie bei den Schweizern:Sie akzeptieren Ausländer nur äußerst widerwillig und meist nur solange,wie sie sie brauchen.Man wünschte sich,deutsche Autofirmen würden sich aufgeschlossener für die einheimischen Talente zeigen,damit diese ihr Glück nicht anderswo suchen müssen.
joG 25.11.2017
2. Man kann nur jede....
....Konkurrenz befürworten, die halbwegs frei ist von protektionistischen Maßnahmen. Allerdings ist noch relativ unbestimmt, dass eMobilität heutiger Vorstellung der Antrieb ist, der sich durchsetzen wird. Wollen wir es doch beobachten.
Renée Bürgler 25.11.2017
3. Die Brennstoffzelle ist viel praktikabler als die Lithium-Batterie.
Mit den Batterien, wird das nie was. Wegen dem Lade-Problem: Das Laden dauert viel zu lange. Und was geschieht, wenn 20 Millionen gleichzeitig laden wollen, aber kein Wind weht und keine Sonne scheint, es also keinen Strom aus erneuerbaren Quellen gibt? Das ist ein unlösbares, grundsätzliches Problem. Der ganze Weg zur E-Mobilitität mit Hilfe von Batterien ist also völlig falsch. Tesla ist auf dem Irrweg, wird scheitern, muss scheitern. Der richtig Weg zur E-Mobilität geht über die Brennstoffzelle. Toyota und auch einige deutsche Autohersteller präferieren diese Weg. Dieser Weg zur E-Mobilität ist viel praktikabler. Denn der Ladenvorgang ist viel einfacher: Der Autofahrer tankt wie bisher, nur anstelle von Benzin wie bisher, in Zukunft Wasserstoff. Und der wird erzeugt, wenn Überschuss an Strom erzeugt wird. Und die Brennstoffzelle ist umweltfreundlicher. Denn alleine die Produktion der Lithium-Batterie ist extrem umweltverbrauchend.
staffriend 25.11.2017
4. Welches Zeug
braucht man um Tesla zu überflügeln ? Ganz einfach, Autos bauen, welche Gewinn abwerfen, das macht es aus.
Andreas Baumgart 25.11.2017
5. Hat Martin Eberhard "schummeln" gesagt?
Mich würde sehr interessieren, ob Herr Eberhard tatsächlich einen englischen Begriff für "schummeln" verwendet hat, oder ob es ein englischer Begriff für "Betrug" war. Schummeln hat sich ja im deutschsprachigen Journalismus als vorauseilender industriekonformer Verharmlosungssprech etabliert. Aus den USA kenne ich das nicht.
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