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Marxisten versus Deutsche Bank: Konto beim Klassenfeind

Von , Frankfurt am Main

Die linksextreme MLPD hat ausgerechnet bei der Deutschen Bank mehrere Konten. Lange Zeit versuchte das Finanzinstitut, den unliebsamen Kunden loszuwerden. Doch nun haben die Banker nachgegeben - das Geld der Marxisten darf beim Klassenfeind bleiben.

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MLPD-Wahlplakat: Stimmung für einen systematischen Bankenboykott

Es ist ein kleiner Sieg im zähen Kampf gegen den Kapitalismus, der aber triumphal gefeiert wird: "Deutsche Bank hisst die weiße Flagge", und "Deutsche Bank muss zahlen", jubelte das Zentralkomitee der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) jüngst in Pressemitteilungen.

Der Hintergrund der Freude: Die Deutsche Bank Chart zeigen hatte versucht, sechs Konten der Vereinigung zu kündigen. Die Sache landete vor Gericht - kurz vor der Eröffnung des Hauptverfahrens jedoch lenkte das größte Bankhaus des Landes ein. Die linksextreme Vereinigung darf auch weiter ihre Spendengelder bei der Deutschen Bank anlegen, wie ein Sprecher des Instituts bestätigte. Das Geldhaus trägt sogar die Kosten des Rechtsstreits, der sich über Monate hinzog. Das hat das Essener Landgericht jetzt entschieden.

Dass die Partei so verbissen Kunde im Hause Josef Ackermanns bleiben will, der mit seinen Renditezielen von 25 Prozent den Kapitalismus repräsentiert wie kaum ein anderer Manager in Deutschland, könnte man als perfiden Humor verstehen. Tatsächlich entspringt der Wunsch gesundem Pragmatismus. Man habe die Konten bei der Bank bereits seit vielen Jahren, sagt ein MLPD-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Und es sei "nicht einfach, ein neues zu bekommen". Das habe man schließlich auch versucht.

Tatsächlich scheinen sich die deutschen Banken nicht gerade um den Kunden mit den radikalen politischen Meinungen zu reißen. Die Commerzbank Chart zeigen zumindest kündigte MLPD-Chef Stefan Engel und seiner Lebensgefährtin Anfang 2009 die Privatkonten und lenkte erst ein, als die Sache vor Gericht kam.

Das langfristige Ziel: der Sturz des Monopolkapitals

Über die Gründe für den Sinneswandel heißt es bei der Commerzbank ähnlich wie bei der Deutschen Bank: kein Kommentar. Für die MLPD freilich ist die Sache klar. Sie sieht sich als Opfer eines "organisierten Bankenboykotts", wie sie in der Klageschrift gegen die Deutsche Bank schreibt. Das Ziel dieses Komplotts der Finanzindustrie sei es, die Geschäftstätigkeit der Partei zu zerstören.

Denn auch eine Vereinigung, die laut Parteiprogramm langfristig den "revolutionären Sturz der Diktatur des Monopolkapitals" und die "klassenlose kommunistische Gesellschaft" anstrebt, muss sich kurzfristig den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Und um im Kapitalismus mitmischen zu können, brauche man ein Konto, so die Klage. Schon allein, weil Barspenden nur bis zu einer Höhe von 1000 Euro angenommen werden dürfen.

Diese Schwelle reißt offenbar so mancher Anhänger. So kann sich die Partei etwa eines Unterstützers rühmen, der insgesamt schon 2,5 Millionen Euro überwiesen hat. Das sei die "größte Privatparteienspende in Deutschland", sagt ein Sprecher stolz.

Auch sonst ist die MLPD als Kunde, rein finanziell gesehen, womöglich gar nicht mal so uninteressant. Eigenen Aussagen zufolge verfügt die Partei über 15 Millionen Euro an Vermögen, 80 Prozent davon stecken in Immobilien. Auch ein Aufruf aus Anlass des Streits mit der Deutschen Bank zeigte kürzlich die Kapitalkraft der Mitglieder und Sympathisanten: Binnen weniger Wochen seien fast 70.000 Euro auf den umstrittenen Deutsche-Bank-Konten eingegangen, heißt es aus der Partei.

Ein derartiger Geldfluss freut jeden Banker - weniger beglückt dürfte man im Hause von Josef Ackermann über die angegebenen Verwendungszwecke gewesen sein. "Schönen Gruß an H. Ackermann und seine Lakaien", stand da, und "Kontokündigung - damit dürfen Sie nicht durchkommen".

Mit ähnlichen Überweisungsträgern wird sich das Geldinstitut nun auch in Zukunft herumschlagen dürfen. Für die MLPD freilich ist das nur ein "Etappensieg". Der Kreditboykott gegen die Partei gehe weiter, warnte MLPD-Chef Engel, "so dass keine Entwarnung in Sachen Bankenboykott gegeben werden kann".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 69 Beiträge
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1. "Pecunia Non Olet"
Emil Peisker 11.08.2010
Zitat von sysopEs ist ein skurriler Streit: Die linksextreme MLPD hat ausgerechnet bei der Deutschen Bank mehrere Konten. Lange Zeit versuchte das Finanzinstitut, den unliebsamen Kunden loszuwerden. Doch nun haben die Banker nachgegeben - das Geld der Marxisten darf beim Klassenfeind bleiben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,711071,00.html
Ackermann denkt prinzipiell. "Pecunia Non Olet" überlässt er der Mafia.:-)
2. Hört hört...
Mahagon 11.08.2010
Tja, jedes System hat seine internen Paradoxien...Sinn und Zweck einer Demokratie ist eben auch, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gegenbewegungen ohne Repressalien zuzulassen.
3. Geld? Kommunismus?
rokke 11.08.2010
Wieso hat eine kommunistische Partei überhaupt Geld? Müsste sie das nicht direkt dem Volk/der Kommune zu Gute kommen lassen. Tja echte Kommunisten sind auch nicht mehr das was sie mal waren...
4. peinlich
kuriosos 11.08.2010
so weit isses jetzt also schon gekommen das die grösste deutsche bank sich von radikalen ruhestörern die geschäfte vorschreiben lassen muss. eigentlich sollte man meinen das wenn ich etwas verkaufe, ich mir auch aussuchen können muss an wen und in welchem umfang. aber nein, hier wird man ja gleich entmündigt. jedem heckenpenner darf in der brd das konto gekündigt werden, nur den linken radikalen nicht, da die das ja sonst für ihre destruktive PROPAGANDA nutzen könnten. was das mit freiheit und einigkeit und so zu tun haben mag erschliesst sich mir nicht. wohl aber das links wie rechts gerne versuchen den staat zu instrumentalisieren. eigentlich wäre das mal ne sache an der sich unsere politiker mal ernsthaft versuchen könnten. derartige möglichkeiten den buchstaben des gesetzes so zu verdrehen, das so ein mist dabei rauskommt kann man getrost abschaffen.
5. ...
johndoe2 11.08.2010
Zitat von rokkeWieso hat eine kommunistische Partei überhaupt Geld? Müsste sie das nicht direkt dem Volk/der Kommune zu Gute kommen lassen. Tja echte Kommunisten sind auch nicht mehr das was sie mal waren...
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Zur Person
dpa
Josef Ackermann, Jahrgang 1948, kam als Sohn eines Schweizer Arztes zur Welt und wuchs in dem kleinen Städtchen Mels auf. Sein Studium absolvierte er an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen, 1977 promovierte er zum Dr. oec. Nach beruflichen Stationen bei der Schweizer Kreditanstalt und der Credit Suisse kam Ackermann 1996 zur Deutschen Bank, zunächst als Vorstand für den Geschäftsbereich Kreditrisiken.
Im Mai 2002 übernahm Ackermann die Führung des angeschlagenen Finanzinstituts, das er mit einem harten Sanierungskurs wieder in die Spitzengruppe der globalen Geldhäuser brachte. Ackermann ist einer der umstrittensten Manager des Landes - unter anderem, weil er auch in der Finanzkrise stur am Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent festhielt.

Kritiker werfen ihm vor, dabei zu sehr auf das Investmentbanking zu setzen und den Heimatmarkt zu vernachlässigen. Ackermanns Lebensmittelpunkt ist in Zürich. Der Opernfan ist verheiratet und hat eine Tochter.


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Ackermanns Mannen: Wer wird der nächste Chef?
Zahlen und Fakten
Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands und beschreibt sich selbst als "eine führende globale Investmentbank" mit starkem Privatkundengeschäft. Mehr als 80.000 Mitarbeiter gehören weltweit zu dem Konzern, der in 72 Ländern tätig ist. Die Bank, an deren Spitze Josef Ackermann steht, verdiente im Jahr 2010 nach Steuern 2,3 Milliarden Euro. Der bisherige Rekord lag im Geschäftsjahr 2007, als am Ende 6,5 Milliarden Euro unterm Strich standen.


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