Neuer Job nach vier Monaten Ex-Börsenaufseherin Schapiro wird Bankberaterin

Nach 28 Jahren habe sie schlicht "etwas anderes" machen wollen, sagt Mary Schapiro. Ihr neuer Job ist jedoch verdächtig nah am alten: Die frühere US-Börsenkontrolleurin berät jetzt Kunden aus der Finanzindustrie.

Ex-Aufseherin Schapiro: "In meinem Fall gibt es keine Drehtür"
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Ex-Aufseherin Schapiro: "In meinem Fall gibt es keine Drehtür"


Washington - Vom Drehtürprinzip sprechen US-Amerikaner, wenn Vertreter ihres Führungspersonals in kurzer Zeit zwischen Jobs in Politik und Behörden einerseits und Privatwirtschaft anderseits wechseln. Ein solcher Wechsel steht jetzt auch für Mary Schapiro bevor: Keine vier Monate nach ihrem Ausscheiden als Chefin der US-Börsenaufsicht SEC heuert die 57-Jährige bei der Beratungsfirma Promontory Financial Group in Washington an. Diese berät Kunden aus der Finanzindustrie bei regulatorischen Themen. Schapiro arbeitet künftig also für jene, die sie bisher überwacht hat.

Promontory-Chef Eugene Ludwig Schapiro bestätigte am Dienstag die Personalie, über die zuvor bereits das "Wall Street Journal" ("WSJ") berichtet hatte. Schapiro habe "tiefe Kenntnisse der amerikanischen und globalen Finanzmärkte", lobte er. Die ehemalige SEC-Chefin sagte der Zeitung, nach 28 Jahren als Aufseherin habe sie einfach "etwas anderes machen" wollen.

Schapiro hatte von Anfang 2009 bis Ende 2012 an der Spitze der SEC gestanden. Sie stellte den Ruf der Behörde wieder her, die im Vorfeld der Finanzkrise eine schlechte Figur gemacht hatte. In Schapiros Amtszeit fielen millionenschwere Strafen gegen Banken sowie die Ausgestaltung der Wall-Street-Reform, der sogenannte Dodd-Frank Act.

Schapiro beteuerte laut "WSJ", sie werde ihre Kontakte aus SEC-Zeiten nicht zugunsten von Promontory verwenden. Sie habe mit der Firma vereinbart, nie im Auftrag eines Klienten gegenüber einer Regierungsbehörde aufzutreten. Die frühere Aufseherin bestritt zudem, dass auch sie jetzt dem Drehtürprinzip folge. "In meinem Fall gibt es keine Drehtür ", sagte Schapiro. "Ich gehe nie wieder zurück zur Regierung."

dab/dpa



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
debreczen 02.04.2013
1. Dann...
bleibt ja alles in der Familie ;)
Smarty- 02.04.2013
2. ...ist klar...
" ich gehe nie mehr zurück in die Regierung..." Eine Drehtür kann man auch nach einer halben Umdrehung verlassen...
mwinter 02.04.2013
3. Sie nennen es Drehtürprinzip
Ich nenne es einen der vielen systemischen Fehler des Kapitalismus und ein Verbrechen an der Gesellschaft!
zeitmax 02.04.2013
4. Warum die Dinge nicht beim Namen nennen?
Das ist und bleibt übelste, korrupte Durchstecherei. Nur findet sich niemand, der das ahndet. eine Krähe hackt der anderen nicht nur kein Auge aus, nein, die Futterplätze werden risikolos durchgetauscht...
zynik 02.04.2013
5.
Zitat von sysopDPANach 28 Jahren habe sie schlicht "etwas anderes" machen wollen, sagt Mary Schapiro. Ihr neuer Job ist jedoch verdächtig nah am alten: Die frühere US-Börsenkontrolleurin berät jetzt Kunden aus der Finanzindustrie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mary-schapiro-ex-boersenaufseherin-in-den-usa-wechselt-die-seiten-a-892151.html
Ich bin immerwieder erstaunt wie billig bestimmte Individuen ihre Haut zu Markte tragen. Mit "billig" ist dabei sicher nicht die finanzielle Kategorie gemeint. Aber für viele scheint es daneben sowieso keine anderen mehr zu geben. Unsere Schröders, Riesters, Clements etc. liegen da voll auf Linie.
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