Steigende Nachfrage aus dem Ausland Maschinenbau sorgt sich um Freihandel

Deutschlands Maschinenbauern geht es so gut wie lange nicht: Nach fünf Jahren Stagnation konnte die Produktion 2017 kräftig zulegen. Doch der Branchenverband warnt vor Risiken.

Schiffsantriebshersteller in Mecklenburg-Vorpommern
DPA

Schiffsantriebshersteller in Mecklenburg-Vorpommern


Die weltweit gute Konjunktur hat auch die Nachfrage nach Maschinen aus deutscher Produktion ansteigen lassen. 2017 seien preisbereinigt acht Prozent mehr Bestellungen bei der exportorientierten Industrie eingegangen als im Vorjahr, teilte der Branchenverband VDMA mit.

Die Bestellungen aus dem Ausland legten demnach um zehn Prozent zu. Im Inland habe es ein geringeres Plus von fünf Prozent gegeben. Zum Jahresende kam auch das Geschäft auf dem Heimatmarkt in Schwung. Im Dezember stieg die Nachfrage in Deutschland den Angaben zufolge um elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Zuvor hatte die Produktion fünf Jahre lang mehr oder weniger stagniert. Die schwächelnde Weltwirtschaft und politische Unsicherheiten belasteten die Geschäfte. Der jetzige Anstieg sei angesichts der Kapazitätsauslastung der deutschen Industriekunden "längst überfällig, aber zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit auch dringend notwendig", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Verband: Brexit kostet Maschinenbauer 180 Millionen Euro jährlich

Angesichts des drohenden Brexits und der "America First"-Politik von US-Präsident Donald Trump warnte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann allerdings vor neuen Handelsschranken. "Wir müssen alles dafür tun, damit es nicht zu einer Spirale des Protektionismus kommt", sagte er. Für die deutschen Maschinenbauer sind die USA der wichtigste Einzelexportmarkt.

Nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU drohen laut Berechnungen des Verbands den deutschen Maschinenbauern Zusatzkosten von jährlich mehr als 180 Millionen Euro. Hinzu kämen Belastungen für den Import von Maschinen aus Großbritannien in Höhe von 44 Millionen Euro pro Jahr sowie zusätzliche Kosten für die Einfuhr von Komponenten aus britischer Produktion.

Mit nach eigenen Angaben 1,35 Millionen Erwerbstätigen ist der Maschinen- und Anlagenbau eine der größten Branchen der deutschen Wirtschaft. Eine Studie der Commerzbank bescheinigte ihr vor Kurzem, in der Mehrheit "Anbieter technisch komplexer und hoch spezialisierter Systemlösungen" zu sein. Die Einführung von Industrie-4.0-Lösungen - der Einsatz von Software, etwa zur vollautomatischen Steuerung und Vernetzung von Maschinen - werde derzeit als Kernaufgabe in vielen Unternehmen angesehen.

apr/dpa



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