Massiver Umsatzeinbruch Ehec-Seuche vermiest Händlern das Geschäft

Die Ehec-Epidemie ebbt ab, doch die Folgen sind immens: Europas Bauern klagen über Verluste von mehreren 100 Millionen Euro. Auch der deutsche Einzelhandel verzeichnet deutliche Einbußen - seit vier Jahren hat die Branche keinen stärkeren Umsatzeinbruch erlebt.

Gemüseabteilung im Supermarkt: Stärkster Umsatzrückgang seit Mai 2007
dapd

Gemüseabteilung im Supermarkt: Stärkster Umsatzrückgang seit Mai 2007


Wiesbaden - Die Ehec-Seuche hat den deutschen Einzelhändlern den größten Umsatzeinbruch seit Jahren beschert. Sie hatten im Mai real 2,8 Prozent weniger in den Kassen als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Jahresvergleich nahmen die Einzelhändler in diesem Mai allerdings deutlich mehr ein: Der Umsatz stieg um 2,2 Prozent im Vergleich zu Mai 2010.

Die Ehec-Epidemie sei "wahrscheinlich die wichtigste Einzelursache für die Schwäche im Mai", erklärte der Analyst Christian Schulz von der Berenberg-Bank. Dies zeige sich auch darin, dass besonders die Umsätze im Handel mit Lebensmitteln deutlich zurückgegangen seien. "Einen stärkeren Rückgang hat es zuletzt im Mai 2007 mit 3,7 Prozent gegeben", sagte ein Statistiker.

Die ersten Ehec-Fälle waren Anfang Mai bekannt geworden. Die Welle blutiger Durchfallerkrankungen wurde durch eine bis dahin unbekannte Mutation des eigentlich harmlosen Darmbakteriums E. coli ausgelöst. Am 25. Mai warnte das Robert Koch-Institut offiziell vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten. Mittlerweile gelten Sprossen als Ursache für die rasante Verbreitung des Darmkeims, an dem Tausende Menschen erkrankten. Mindestens 48 Menschen starben nach Angaben der Gesundheitsbehörden.

Nach Angaben der Bundesbank fiel der Umsatz mit Nahrungsmitteln, Tabakwaren und Getränken im Mai um 3,6 Prozent. Mehr als ein Drittel des Einzelhandelsumsatzes entfällt auf diese Warengruppe. Allein die spanischen Gemüsebauern beklagten auf dem Höhepunkt der Krise den Verlust von 200 Millionen Euro pro Woche. Der Deutsche Bauernverband sprach von Verlusten von fünf Millionen Euro pro Tag, die sich Anfang Juni bereits auf 65 Millionen Euro summiert hatten.

Bauern fordern höhere Entschädigung

Die Bauern fordern mehr Ausgleichszahlungen für die Ertragsausfälle. Es sei ärgerlich, dass die Betriebe maximal die Hälfte ihres Schadens ersetzt bekämen, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner in Koblenz.

Experten rechnen trotz des unerwarteten Rückschlags mit steigenden Konsumausgaben. "Es gibt offenbar Sonderfaktoren - wie die Ehec-Krise", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. "Das hat den Umsatz im Nahrungsmittelhandel gedrückt." Aber auch die unterschiedliche Lage von Feiertagen könne die Zahlen verzerrt haben, obwohl die Statistiker versuchen, Saison- und Kalendereffekte herauszurechnen.

Auch die Commerzbank rechnet nicht mit einem Konsumeinbruch. "Dafür sind die Rahmendaten einfach zu gut", sagte ihr Experte Ralph Solveen. "Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Beschäftigung steigt, die Löhne ziehen wieder etwas stärker an." Von Januar bis Mai setzten die Einzelhändler 3,1 Prozent mehr um. Der Einzelhandelsverband HDE rechnet im Gesamtjahr mit einem Plus von 1,5 Prozent.

kra/Reuters/AFP



insgesamt 19 Beiträge
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nixkapital 30.06.2011
1. Hm...
Zitat von sysopDie*Ehec-Epidemie ebbt*ab, doch die Folgen sind immens:*Europas Bauern klagen über Verluste von mehreren 100 Millionen Euro. Auch der deutsche Einzelhandel verzeichnet deutliche Einbußen - seit vier Jahren hat*die Branche*keinen stärkeren Umsatzeinbruch erlebt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,771605,00.html
...so ist das nun mal. Geschäft ist Risiko. Woher EHEC auch immer kommt, ob nun gezüchtet durch ein Überangebot an Antibiotika in Schlachtvieh, schnellen Brütern in Form von Biogasanlagen, mangelnde Hygiene, zu trockenes Wetter, etc. Klingt alles irgendwie menschen-gemacht und grundsätzlich leiden die o.g. "Betroffenen" auch noch unter "Konsumverweigerung", zuviel Sonne, zuviel Regen, zuviel Umweltschutzauflagen, zuviel Unwetter, überhaupt Steuern, zu hohe Löhne, etc, etc. Am Ende zahlt der Verbraucher das ohnehin, weil die Preise für die jetzt raren Produkte anziehen werden. Das Jammern soll uns nur rechtzeitig darauf einstimmen.
trimkowski 30.06.2011
2. Bauern fordern Entschädigung
So so, die Bauern fordern Entschädigung dafür, daß wir nicht mehr bedenkenlos ihre Produkte gekauft haben. Und sie werden sie bekommen, so ist schließlich die EU aufgebaut. Erinnern Sie sich noch ? Vor Jahren sank die Estonia und wir als als Reiseveranstalter konnten über eine lange Zeit keine Reisen mit Fähranteil nach Skandinavien verkaufen - von Entschädigung keine Spur. Aber die EU ist eben schon immer eine Transferunion gewesen, sofern man die richtige Lobby hat.
Bundeskanzler20XX 30.06.2011
3. Peanuts
In anbetracht des Rettungsschirms für Griechenland sind die Verluste durch Ehec echte Erdnüsse. Das zahlt der Steuerknecht aus Deutschland aus der Portokasse.
picard95, 30.06.2011
4. Ich habe meinen Beitrag geleistet...
..und bisher den deutschen Bauern 25kg Erdbeeren abgekauft. Wäre nur nett wenn die für einen Preis zwischen 4,50 - 3,90 Euro pro Kilo wieder ein paar süsse Erdbeeren hätten. Seit ca. einer Woche sind die recht sauer (wechsel auf die spättragenden Sorten?)
newliberal 30.06.2011
5. Hmm
ein Umsatzeinbruch von knapp 3% im gesamten Einzelhandel nur weil die Deutschen auf den Kauf von Gurken und Tomaten verzichtet haben ? Da hat der Einzelhandel aber noch einmal Schwein gehabt. Nicht auszudenken wenn EHEC auf Kartoffeln nachgewiesen worden wäre- Umsatzeinbussen von zwanzig Prozent und mehr wären die Folgen gewesen !
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