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Verschwiegenes Krebsrisiko: Pharmafirmen müssen Milliardenstrafe zahlen

Weil sie Nebenwirkungen verschwiegen hatten, sind die Pharmakonzerne Takeda und Eli Lilly zu insgesamt neun Milliarden Dollar Strafe verurteilt worden. Ihr Diabetes-Medikament soll Krebs verursacht haben. Sie kündigten Widerstand gegen das Urteil an.

Diabetes-Medikament Actos: Gesteigertes Risiko für Blasenkrebs Zur Großansicht
AFP

Diabetes-Medikament Actos: Gesteigertes Risiko für Blasenkrebs

Lafayette - Insgesamt neun Milliarden Dollar Geldbuße müssen zwei Pharmakonzerne in den USA zahlen. Japans größter Arzneimittelhersteller Takeda und die US-Pharmafirma Eli Lilly sollen verschwiegen haben, dass ihr umsatzstarkes Diabetes-Medikament Actos Krebs verursachen kann. Der Entscheidung eines Bezirksgerichts im US-Bundesstaat Louisiana zufolge muss Takeda sechs Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) zahlen, Eli Lilly drei Milliarden Dollar.

Das Urteil sei mit "erstauntem Schweigen" aufgenommen worden, sagte der Anwalt der Klägerseite, Mark Lanier. Dem Kläger müssen die Firmen fast 1,5 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen.

Actos ist seit dem Jahr 1999 auf dem Markt. Takeda hatte das Medikament entwickelt, Eli Lilly hatte es bis 2006 mit vertrieben. In Deutschland hatte die Arzneimittelbehörde deswegen 2011 empfohlen, keine neuen Patienten mehr mit Actos zu behandeln. Die Zulassung wurde danach auf bestimmte Patientengruppen eingeschränkt. Im Juni 2011 hatten US-Behörden berichtet, dass das Risiko für Blasenkrebs um 40 Prozent steige, wenn das Medikament länger als ein Jahr lang eingenommen wird.

Weitere Verfahren stehen noch aus

Nach Auskunft des Klägeranwalts befanden die Geschworenen die Unternehmen in allen 14 Anklagepunkten für schuldig. Beide kündigten an, sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Entscheidung zur Wehr zu setzen. Dazu zähle auch der Gang in die Berufung. Takeda zufolge sei nicht bewiesen, dass Actos Krebs verursacht habe.

Im vergangenen Mai hatte ein Gericht eine Jury-Entscheidung kassiert, die Takeda eine Geldbuße von 6,5 Millionen Dollar auferlegte. Das Gericht befand damals, die Klägeranwälte hätten keine verlässlichen Beweise dafür vorgebracht, dass Actos für eine Krebserkrankung verantwortlich gewesen sei. Den beiden Konzernen stehen noch weitere Verfahren wegen Actos bevor.

Lange Verfahren sind bei Pharmafirmen üblich. Die Konzerne werden in den USA regelmäßig zu Strafen in Milliardenhöhe verurteilt. Verbraucherschützer kritisieren, dass sich trotzdem nichts ändere. Die Strafen seien "in das Geschäftsmodell integriert".

An der Börse in Tokio brach der Kurs der Takeda-Aktie zeitweise um 8,8 Prozent auf 4396 Yen ein - der größte Tagesverlust seit fünf Jahren. Lilly-Aktien büßten an der Frankfurter Börse mehr als fünf Prozent ein.

Erst vor wenigen Monaten hatten die Japaner die Entwicklung eines anderen Diabetes-Medikaments eingestellt, da befürchtet wurde, dass dieses die Leber schädigen könnte. US-Konzern Eli Lilly steht außerdem in Verdacht, in China Ärzte bestochen zu haben.

isa/Reuters/AP/dpa

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