Mega-Deal Deutsche Bank hilft Super-Spekulant

Das nennt man wohl eine Frage der Ehre: John Paulson soll im vergangenen Jahr fünf Milliarden Dollar verdient haben. Jetzt hatte die Deutsche Bank die Gelegenheit, für den erfolgreichsten Spekulanten der Welt einen Mega-Deal möglich zu machen. Das Institut nutzte die Chance - und ist mächtig stolz.

John Paulson: Mehr als nur ein Besserverdiener
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John Paulson: Mehr als nur ein Besserverdiener


Hamburg - Die genaue Summe ist unbekannt. Aber John Paulson hat im vergangenen Jahr wohl rund fünf Milliarden Dollar verdient - also rund 100 Millionen Dollar pro Woche. Und bislang macht der Hedgefondsmanager keine Anstalten, das Geldverdienen einzustellen.

Nun hat die Deutsche Bank Chart zeigen für Paulson einen Milliarden-Deal arrangiert. Nach Aussagen von Managern des Instituts wollte er mit mehr als einer Milliarde Dollar auf gleichzeitig steigende Gold- und Ölpreise setzen.

Für sie gehe es dabei weniger um Profit als um Prestige, berichten mit dem Vorgang vertraute Bankmanager. "Paulson ist der absolute Superstar der Finanzwelt", sagt ein Deutsche-Bank-Mann. Nur drei oder vier Banken auf der Welt hätten die Möglichkeiten, so ein handgestricktes Geschäft für Paulson aufzulegen. Das fördere den Ruf der Bank. Weder Paulson noch die Deutsche Bank wollten die SPIEGEL-Informationen kommentieren.

Für die Deutsche Bank ist das Geschäft eine gute Nachricht in nicht ganz einfachen Zeiten. Das größte deutsche Geldhaus sieht sich in den USA einer Klagewelle ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles wirft der Bank vor, gepfändete Häuser verwahrlosen zu lassen, finanzschwache Bewohner zu drangsalieren und widerrechtlich zu vertreiben. Die Behörde erklärte am Mittwoch, die Deutsche Bank sei nicht das einzige Kreditinstitut, das gegen das Gesetz verstoße: "Sie ist aber der schlimmste und am wenigsten zugängliche Übeltäter."

Bank droht Milliardenstrafe

Am Dienstag hatte die Bundesstaatsanwaltschaft in Manhattan in einem anderen Fall Klage erhoben: Die Deutsche Bank und eine US-Tochterfirma sollen Angaben zu Krediten für Eigenheimbesitzer geschönt haben, damit der Staat die Finanzierungen absichert.

Das Institut weist die Vorwürfe zurück. "Wir halten die gegen uns in den USA erhobenen Klagen für unbegründet, gleichwohl nehmen wir sie sehr ernst", ließ Vorstandschef Josef Ackermann am Donnerstag erklären. Weiter hieß es: "Die Bank hat ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen. Ich selbst betone seit Jahren, dass kein Geschäft es wert ist, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen."

Juristische Niederlagen könnten für den Dax-Konzern teuer werden. Im Fall Manhattan droht eine Milliardenstrafe. In Los Angeles sprachen die Staatsanwälte von "möglicherweise mehreren hundert Millionen Dollar".

böl/dpa



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insgesamt 84 Beiträge
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leser008 06.05.2011
1. Völlig abgehoben
Für sie gehe es dabei weniger um Profit als um Prestige, berichten mit dem Vorgang vertraute Bankmanager. "Paulson ist der absolute Superstar der Finanzwelt", sagt ein Deutsche-Bank-Mann. ........................ Das zeigt den Realitätsverlust der Deutsche Bank manager. Einem miesen Spekulanten zu helfen , der sich am Elend der Pendler und Heizungsbetreiber bereichert und sich damit noch brüsten. Man kann sich nur fragen, ob die noch im neoliberalen Finanzmarktshimmel schweben, oder schon in der Hölle braten.
lhr 06.05.2011
2.
Wenn die Deutsche Bank schon das Ziel definiert hat: 'Nach Aussagen von Managern des Instituts wollte er mit mehr als einer Milliarde Dollar auf gleichzeitig steigende Gold- und Ölpreise setzen', fuer was braucht man dann noch den Paulson ...einzig um den richtigen Moment zu erahnen? Oder ist dass nur ein Versuch durch diese Nachricht den derzeitigen Kurssturz von Oel und Gold zu stoppen. Wobei ich den, in anderen Nacrichten, verbreiteten Kurssturz beim Gold nicht wirklich erkennen kann. -3,5% seit letzter Woche ist nach dem jahrelangen Anstieg nicht wirklich ein Absturz.
csar 06.05.2011
3. ooops
"Nach Aussagen von Managern des Instituts wollte er mit mehr als einer Milliarde Dollar auf gleichzeitig steigende Gold- und Ölpreise setzen." Toller Deal!
milan1612 06.05.2011
4. ...
Andere mögen sowas Geldverdienen nennen, ich nenne das Glücksspiel...
mlange8801 06.05.2011
5. auf gleichzeitig steigende Gold- und Ölpreise setzen
"Nach Aussagen von Managern des Instituts wollte er mit mehr als einer Milliarde Dollar auf gleichzeitig steigende Gold- und Ölpreise setzen." Sind die Gold- und Ölpreise nicht gerade im freien Fall?
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