Wiesbaden - Es ist ein Rekord: Noch nie seit der Wiedervereinigung war das Beschäftigungsniveau in einem zweiten Quartal so hoch wie in diesem Jahr. Laut Statistischem Bundesamt waren von April bis Juni 2010 insgesamt 40,3 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig. Das sind 0,2 Prozent oder 72.000 Personen mehr als vor einem Jahr.
Die Zahlen sind vor allem aus einem Grund bemerkenswert: Es ist das erste Mal seit 2009, dass die Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Vorjahreswert steigt. Das bedeutet, dass nun auch der Jobmarkt die Finanzkrise hinter sich gelassen hat.
Wie gut die konjunkturelle Entwicklung ist, hatte das Statistische Bundesamt schon in der vergangenen Woche ermittelt. Mit einem Plus von 2,2 Prozent im zweiten Quartal wächst die Wirtschaft so stark wie zuletzt 1990. Die Bundesregierung erwägt nun, ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2010 auf drei Prozent anzuheben.
Befürchtungen, dass der Boom bei den Menschen nicht ankomme, scheinen sich zu zerschlagen. So stieg die Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Vorquartal besonders kräftig - um ein Prozent oder 402.000 Personen. Selbst die sonst so nüchternen Statistiker betonten, dass dies ein ungewöhnlich starker Anstieg sei (siehe Tabelle).
| Erwerbstätige in Deutschland (in Tausend) | |
| Q1 2007 | 39.116 |
| Q2 2007 | 39.594 |
| Q3 2007 | 39.886 |
| Q4 2007 | 40.300 |
| Q1 2008 | 39.761 |
| Q2 2008 | 40.179 |
| Q3 2008 | 40.432 |
| Q4 2008 | 40.733 |
| Q1 2009 | 39.937 |
| Q2 2009 | 40.186 |
| Q3 2009 | 40.347 |
| Q4 2009 | 40.613 |
| Q1 2010 | 39.856 |
| Q2 2010 | 40.258 |
| Quelle: Statistisches Bundesamt | |
In den einzelnen Wirtschaftsbereichen entwickelte sich die Erwerbstätigkeit unterschiedlich. Während im produzierenden Gewerbe und in der Landwirtschaft weniger Menschen arbeiten als im Vorjahr, nahm die Zahl der Erwerbstätigen in den Dienstleistungsbereichen und im Baugewerbe zu (siehe Tabelle).
Im produzierenden Gewerbe sank die Zahl der Erwerbstätigen zwar das sechste Quartal in Folge, allerdings waren die Beschäftigungsverluste nicht mehr so deutlich wie bisher. Äußerst positiv werten die Statistiker dagegen die Zuwachsraten im Dienstleistungssektor, zu dem der Handel, Gastgewerbe und Verkehr, Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister sowie öffentliche und private Dienstleister zählen. Hier arbeiten nun 294.000 Personen mehr als vor einem Jahr.
Insgesamt ist die Zahl der Selbstständigen stärker gestiegen als die der Arbeitnehmer. Bei den abhängig Beschäftigten verzeichneten die Statistiker im zweiten Quartal einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahreswert um 0,1 Prozent auf 35,81 Millionen Personen, bei den Selbstständigen sind es plus 0,7 Prozent auf 4,44 Millionen Personen.
| Erwerbstätige nach Branchen (in Tausend) | |
| Land- und Forstwirtschaft | 877 |
| Produzierendes Gewerbe | 7580 |
| Baugewerbe | 2203 |
| Dienstleistungen | 29.598 |
| Erwerbstätige insgesamt | 40.258 |
| 2. Quartal 2010, Quelle: Statistisches Bundesamt | |
Das Ausmaß des Aufschwungs wird auch deutlich, wenn man die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen im zweiten Quartal betrachtet. Nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent auf 335,8 Stunden erhöht. Wesentlich dazu beigetragen habe der Rückgang der Kurzarbeit sowie der leichte Anstieg der normalen Wochenarbeitszeit und der Überstunden. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen erhöhte sich um 2,5 Prozent auf 13,5 Milliarden Stunden.
Die gute Konjunkturlage spürt auch der deutsche Einzelhandel. Nach neuesten Berechnungen lagen die Umsätze im ersten Halbjahr 1,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraumes, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bisher waren die Statistiker von einem Plus von 0,5 Prozent ausgegangen. Auch unter Berücksichtigung der Inflation konnten die Einzelhändler ihre Umsätze erhöhen, und zwar um 0,9 Prozent.
wal/dpa
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