Trotz möglicher US-Sanktionen Mehrere Volksbanken wollen Iran-Geschäfte fortführen

Seit ihrem Ausstieg aus dem Iran-Deal drohen die USA auch europäischen Unternehmen mit Strafen, sollten sie ihre Geschäfte dort fortführen. Eine Gruppe von Volksbanken trotzt dem Druck.

imago/biky


Eine Gruppe von sechs Volksbanken will trotz drohender US-Sanktionen weiterhin Zahlungen für Firmen abwickeln, die in Iran exportieren. "Wir haben uns auf Transaktionen mit schwierigen Ländern spezialisiert", sagte Patrizia Melfi, Leiterin des KompetenzCenter International, der Nachrichtenagentur Reuters.

Beim KompetenzCenter International sind die Institute Volksbank am Württemberg, Pforzheim, Heilbronn, Konstanz, Schwarzwald-Donau-Neckar und die Vereinigte Volksbank engagiert. Das "Handelsblatt" hatte zuerst über die Entscheidung des KompetenzCenter International berichtet, am Iran-Geschäft festzuhalten.

"Man muss sich in dem Geschäft auskennen, sonst gerät man schnell in Schwierigkeiten", sagte Melfi. Doch solange sich Firmen und Banken an die Vorgaben der EU und der USA hielten, könne nichts passieren. Die großen Banken schrecken dagegen aus Angst vor hohen Strafen vor dem Iran-Geschäft zurück. Auch die DZ Bank, das Spitzeninstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, hatte vergangenen Freitag angekündigt, alle Zahlungsgeschäfte mit Bezug zum Iran zum 1. Juli auszusetzen.

"Nichts als Ankündigungen"

Nach dem Austritt der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran, haben die Vereinigten Staaten der Islamischen Republik mit den "härtesten Sanktionen der Geschichte" gedroht. "Im Moment haben wir nichts als Ankündigungen", sagte Melfi. "Wir müssen abwarten, wie die neuen Sanktionen aussehen. Welche Banken, Firmen, Personen oder Branchen werden auf den Sanktionslisten geführt?"

Ein großes Problem wäre es, wenn Transfers an iranische Banken unterbunden werden. "Dann könnte eine Lösung sein, dass die iranische Zentralbank das Geld auf ein Bundesbank-Konto überweist", sagte Melfi. Von dort könne es dann an die einzelnen Firmen fließen. So habe man Transaktionen von 2012 bis 2015 gehandhabt, als scharfe Sanktionen gegen den Iran in Kraft waren.

EU-Kommission bereitet Schutzmaßnahmen vor

Die Europäische Union will an dem Atomabkommen festhalten und Unternehmen, die ihre Geschäfte mit dem Iran nicht aufgeben, unterstützen. Auf Wunsch der Mitgliedstaaten hat die EU-Kommission deshalb ein altes Abwehrgesetz auf den Weg gebracht, um europäischen Unternehmen die Einhaltung der US-Sanktionen gegen den Iran zu verbieten - und sie damit zu schützen. Das sogenannte "Blocking Statute", unter dem auch Klagen gegen Washington möglich wären, ist aber noch nicht in Kraft getreten.

ans/Reuters



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lepuslateiner 23.05.2018
1. Wird es nützen ?
Trump ist zwar gewählter POTUS, aber ansonsten ein hemdsärmeliger Egomane, dem jedes Mittel recht ist. Von politischer Handlungsweise hält er nicht das Geringste - er trickst, droht, manipuliert, "faked" unentwegt - alles was dazu geeignet ist, seine Ziele (wenn es sein muss gegen jedermann) durchzusetzen. Nur der, der sich an bekannter rückwärtiger Stelle seines unteren Rückens aufhält und vor allem wohl fühlt, ist ihm genehm - alle anderen nimmt er nicht ernst und stampft sie in die Tonne. Jeder Gedanke an seine politische Vernunft geht ins Leere - er dealte schon immer in dieser Weise und wird es mit ständiger Androhung von ökono-mischen (derzeit noch nicht militärischen - es ihm alles zuzutrauen) Sanktionsmaßnahmen fortsetzen. "America first" bedeutet vor allem die Durchsetzung (1.) finanzieller Vorteile für sich, seine Sippe und seine Fellows über die Steuerreform, (2.) den Gewinn der anstehenden midterm-Wahlen und (3.) seine Wiederwahl für die 2. Amtsperiode. Seine Wiederwahl ist durchaus realistisch - seine Wähler haben noch nicht realisiert, was "America first" bedeutet; es wird noch dauern, bis sie die effektive Wirkung des v. g. "Trump-Deal" - nämlich ohne merklichen Effekt für sie - realisieren.
equigen 23.05.2018
2. Zeit für Emanzipation
In Zeiten „America first“ darf die Antwort der Welt nur sein „America - what the hell!“. Die Welt ist groß genug um woanders wegfallende Geschäfte zu kompensieren, wenn man sich von Herrn Trump nicht betrügen lassen will. Und wo das nicht reicht, muss die EU unsere Unternehmen zusätzlich vor der US amerikanischen Willkür eines Twitter-Präsidenten schützen. Mit etwas Geschick geht die EU stärker, geschlossener und mit MEHR Macht aus dem rotblonden Schlamassel hervor.
MeinungVonMir 23.05.2018
3. Super!!
Wer ist Trump, dass er glaubt uns vorschreiben zu können, was wir zu tun und zu lassen haben? Es wird Zeit, dass dem Schwachkopf mal einer die Stirn bietet und wenn es deutsche Volksbanken sind...
ernstmoritzarndt 23.05.2018
4. Richtig; die hier tätigen Volksbanken .....
.... haben nämlich in den USA nichts zu befürchten. Es bleibt ganz ernsthaft die Frage, weshalb sich Deutsche Großbanken nicht blitzartig aus den USA zurückziehen wegen der dortigen chaotischen Politik. Ist die Deutsche Bank wirklich auf das dortige Engagement angewiesen, die Commerzbank? Der Hype, daß alles "Gute" aus den USA kommwn müsse, hat inzwischen deutliche Kratzer bekommen. Erst liefen sogar bundesrepublikanische Mittelständlicher zum Listing an die NYSE (auf Deutsche: New York Stock Exchange), bis sie bei den kollidieren deutschen und amerikanischen Gesetzen in Schwierigkeiten kamen und sich schließlich wieder delisten ließen. Die Firmen leben heute besser als anlässlich ihres USA - Engagements.
Iraner 23.05.2018
5. Kein Geschäft mit USA und nur mit Mullahs
Die deutschen Banken würden sich noch nützlicher erweisen, wenn sie ganz und gar für die Mullahs arbeiten und USA richtig die Zähne zeigen.
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