Haniel verkauft Metro-Anteile Der teure Fehler des Milliarden-Clans

Die Familie Haniel beweist seit 250 Jahren ein geniales Gespür für Geschäfte. Doch mit ihrer Metro-Beteiligung hat sie sich verzockt. Nun werden die Anteile verkauft - es ist das Ende einer Ära.

Metro-Logo (Archivbild)
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Der Haniel-Clan berichtigt den wohl größten Fehler in seiner Unternehmensgeschichte: Nach mehr als 50 Jahren steht die Duisburger Familienholding vor dem Ausstieg beim Handelsriesen Metro.

"Haniel ist seit langem bestrebt, sein Unternehmensportfolio zu diversifizieren, auszubalancieren und zu erweitern", begründete Haniel-Chef Stephan Gemkow den Schritt. "Nach reiflicher Überlegung haben wir entschieden, dass es für die Metro AG von Vorteil sein wird, neue Investoren zu gewinnen."

Die Trennung erfolgt reichlich spät. Die Haniels, die einmal die vermögendste Familie der Republik waren, haben wegen ihrer Beteiligung bereits schwere Verluste verbucht - dem Unternehmen Metro aber dennoch lange die Treue gehalten.

"Die Wertentwicklung ist eine Enttäuschung, das sieht jeder, der auf den Kurszettel schaut", hatte Gemkow bereits im Frühjahr gesagt. Nun zieht er doch die Konsequenzen.

Abschied in zwei Etappen

Die Haniels verkaufen zunächst 7,3 Prozent ihrer Metro-Aktien an die EP Global Commerce GmbH (EPGC), eine Gesellschaft, hinter der zwei Investoren aus Tschechien und der Slowakei stehen. Die Investoren haben zudem die Option, auch die übrigen 15,2 Prozent der Metro-Anteile im Haniel-Besitz zu erwerben.

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Beide Parteien wollten sich nicht zum Kaufpreis äußern. Auf die Beteiligung der Duisburger an der Elektronikhandelsholding Ceconomy habe die Transaktion keine Auswirkungen, hieß es. In der Holding sind derzeit Metros Media-Saturn-Elektromärkte gebündelt.

Die Investoren Daniel Kretinsky und Patrik Tkac kommen nicht aus der klassischen Handelsbranche. Tkac ist Miteigentümer der J&T Unternehmensgruppe, die überwiegend in der Tschechischen Republik und in der Slowakei tätig ist. Kretinsky kontrolliert den Strom-Versorger EPH. Dieser hatte in der Bundesrepublik die Braunkohlekraftwerke und den Tagebau von Vattenfall übernommen.

Trennung war absehbar

Die Trennung von Haniel und Metro hatte sich angedeutet. Haniel-Chef Gemkow hatte in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit des 1756 gegründeten Traditionsunternehmens vom Handel deutlich reduziert und in anderen Branchen investiert.

Haniels Portfolio umfasst neben dem Rohstoffhändler ELG und der Hygiene-Tochter CWS Boco auch Anteile von 22,5 Prozent an Metro und 25 Prozent an Ceconomy.

Die Metro war 2012 aus dem deutschen Börsenindex Dax abgestiegen, Haniel musste damals einen Nettoverlust von rund 1,9 Milliarden Euro ausweisen, der Löwenanteil waren Abschreibungen auf die Metro-Beteiligung.

Um den Konzern wieder schlagkräftiger zu machen, hatte Metro-Chef Olaf Koch im Sommer vergangenen Jahres die Großmärkte und Real vom Elektronikhandel um Media Markt und Saturn abgespalten. Allerdings schlug sich die Aufspaltung bislang nicht positiv im Aktienkurs nieder - die Kurse beider Gesellschaften gaben nach.

Zuletzt setzten Probleme in Russland dem Handelsriesen Metro zu, dem neben einem Netz von 760 Großmärkten in Deutschland, Europa und Asien auch die Supermarktkette Real gehört.

ssu/Reuters



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
micbrazil 26.08.2018
1. Ein Wunder...
.... dass die METRO überhaupt noch Gewinn abwirft. Das Einzige was läuft ist der Gastronomiebedarf. Die Immobilien aus den 70-igern, mal abgesehen von der schönen Verwaltung in Düsseldorf. Die IT mit den unsäglichen Kassensystemen ebenfalls Asbach. Das geht nicht mehr lange gut.
three-horses 26.08.2018
2. Kaufen und ruinieren.
Die Familie Haniel beweist seit 250 Jahren ein geniales Gespür für Geschäfte...ja so musste es sein. Kriegbaum, Praktiker. und vielles mehr. Keine Strategie, nur kaufen und immer wieder ruinieren. Wenn das Erfolge sind...
bristolbay 26.08.2018
3. Und per Summe?
Die Metro gibt es seit den 60er Jahren und wieviel Geld haben die Haniels aus dieser Cash-Cow gezogen? Wie sieht denn die Gesamtbilanz dieser Beteiligung aus? Wenn es auch in den letzten Jahren nicht so hervorragend läuft, Geldzuwachs hats immer noch gegeben. Was spielen dann die paar Kröten Abschreibungsverlust oder gehen die jetzt am Krückstock. Übrigens, gab es da nicht mal einen ehemaligen Daimler-Manager der zu Höhenflügen aufrief?
kreuzbandguru100 26.08.2018
4. Metro
Das Geschäftsmodell von Metro ist seit der Erstehung der Internetriesen Alibaba und Amazone längst überholt: METRO
d45gts 26.08.2018
5. Der Fisch stinkt vom Kopf!
Man sieht, wie wichtig Führungskräfte sind. Manche sind durchaus ihr Geld wert, siehe z. B. Wiedeking bei Porsche. Aus einer Pleitefirma eine Milliardenfirma gemacht, auch wenn es mittlerweile nur noch eine Marke von VW ist. Im Gegenzug Eckhard Cordes: "Die durchschnittlich profitabel wirtschaftenden Metro-Ketten Real und Kaufhof genügten nicht mehr seinen hohen Rendite-Ansprüchen: „Unser Ziel sind Wachstumsraten, die deutlich über dem Markt liegen – und das auf Jahre hinaus.“[11]" https://de.wikipedia.org/wiki/Eckhard_Cordes#Franz_Haniel_&_Cie._GmbH http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/schwere-schlagseite-beim-familienkonzern-haniel-a-910257-3.html "Von nun an arbeiteten Franz Markus Haniel, sein neuer oberster Angestellter Cordes und Alexander Dibelius (53), der Chef von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigenDeutschland, an einem Plan, der die Familie Haniel noch reicher machen sollte. Sie trafen Vorbereitungen, den Metro-Anteil deutlich aufzustocken, um später den Handelskonzern zu zerschlagen und die einzelnen Sparten teuer zu verkaufen. Gegenüber dem damaligen Aktienkurs zwischen 40 und 50 Euro liege die Sum-of-the-parts-Bewertung bei mehr als 80 Euro je Anteilsschein, suggerierte das Trio dem kleinen Kreis. "
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