Verdacht auf Insiderhandel Ermittler filzen Metro-Zentrale

Als der Metro-Konzern 2016 seine Aufspaltung ankündigte, reagierte die Börse mit einem Kurssprung. Besonders profitierte Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann. Nach SPIEGEL-Informationen nehmen ihn deshalb nun Ermittler ins Visier.

Jürgen Steinemann
imago/Sven Simon

Jürgen Steinemann

Von


Am Freitagmorgen rückten Ermittler der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft in der Metro-Straße 1 an. "Heute Vormittag haben Polizei und Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung in den Räumlichkeiten der Metro AG durchgeführt", sagte ein Sprecher des Konzerns. "Wir kooperieren mit den Ermittlungsbehörden in vollem Umfang."

In der Düsseldorfer Zentrale der Metro AG suchten die Ermittler nach Beweismaterial für den Vorwurf, der Handelskonzern und einige seiner führenden Mitarbeiter könnten gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen haben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Staatsanwaltschaft prüft nach Informationen des SPIEGEL den Verdacht des Insiderhandels, die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat dort Anzeige erstattet. Der Vorwurf richtet sich gegen Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann. Er hatte am 22. Februar 2016, kurz nach seiner Wahl an die Spitze des Gremiums, für gut eine Million Euro 43.000 Aktien der Metro AG gekauft.

Ende März 2016 kündigte der Konzern an, sich in zwei Unternehmen aufspalten zu wollen, eines für den Großhandel und eines für das Elektronikgeschäft. So sollte der endlose Zank mit dem Mediamarkt-Gründer Erich Kellerhals beigelegt und für die Aktionäre Mehrwert geschaffen werden.

Verdacht auf Marktmanipulation

Die Börse reagierte damals mit einem Kurssprung, Aufsichtsratschef Steinemann wurde von seinem Einstieg bis zum Abend des 30. März auf dem Papier um 172.250 Euro reicher. Neben Steinemann hatte auch ein Vorstandsmitglied vor der Aufspaltungsmitteilung Aktien gekauft, auch er wird des Insiderhandels verdächtigt.

Die BaFin hat zudem Zweifel, ob Metro rechtzeitig über die Pläne informiert oder gegen Veröffentlichungspflichten verstoßen und damit Marktmanipulation betrieben hat, auch diesen Verdacht prüft die Staatsanwaltschaft.

Ein Metro-Sprecher erklärte: "Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass Führungskräfte auf Basis von Insider-Informationen Aktien gehandelt haben." Der Konzern habe pflichtgemäß am 30. März 2016 bekannt gegeben, dass man eine Konzernteilung prüfen wolle, zum Zeitpunkt der Aktienkäufe der beiden Manager habe keine Insider-Information vorgelegen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.