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Metro-Chef koppelt Media-Saturn ab: Spalte und herrsche

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Seit Jahren tobt zwischen Media-Markt-Gründer Kellerhals und Großaktionär Metro ein Machtkampf. Nun will Konzernchef Koch das Unternehmen aufspalten - und so Kellerhals aufs Abstellgleis befördern.

Logos von Metro-Marken Zur Großansicht
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Wenn Erich Kellerhals mal wieder richtig sauer auf die Herren von der Metro ist, dann setzt er sich in seiner Wahlheimat Salzburg an den Computer und haut in die Tasten. Auf seiner Webseite macht er dann seinem Ärger Luft. Satzzeichen spielen dann nur noch eine Nebenrolle, auf die großen Botschaften kommt es an. "Kann sich Olaf Koch nicht entscheiden?", fragte Kellerhals Mitte März mit Blick auf die Strategie des Metro-Chefs. Einige Tage später betitelte er dann einen Beitrag mit "Olaf Koch dreht den Spieß um!".

Mit dieser Einschätzung liegt Kellerhals gar nicht so falsch. Denn Metro-Chef Koch plant einen Befreiungsschlag für den Handelskonzern. Das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft mit den Marken Metro Cash&Carry und Makro sowie die Real-Supermärkte sollen in eine neue Gesellschaft und als selbstständiges börsennotiertes Unternehmen weitergeführt werden. Bei der heutigen Metro soll nur noch Europas größte Elektronikhandelskette Media-Saturn verbleiben. Bis Mitte 2017 könnte diese Teilung vollzogen sein, wenn Vorstand und Aufsichtsrat den Plänen nach weiterer Prüfung zustimmen.

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Metro-Chef Olaf Koch

Damit würde Koch gleich zwei Probleme angehen: Zum einen zweifeln Anleger am Erfolg des bisherigen Gemischtwarenladens Metro, und die Aktie dümpelt vor sich hin. Zum anderen könnte es auch endlich eine Lösung im seit Jahren schwelenden Machtkampf um Media-Saturn geben.

Entsprechend euphorisch zeigten sich Anleger nach der Teilungsankündigung. Die Metro-Aktie Chart zeigen legte zeitweise um zehn Prozent zu. "Wir sehen die geplante Aufspaltung positiv", sagte Analyst Peter Steiner vom Bankhaus Lampe. "Metro wird dadurch handlungsfähiger."

Auf einer Hauptversammlung müssen die Anteilseigner den Plänen noch zustimmen. Sie sollen Aktien an beiden Gesellschaften im Verhältnis zu ihren Anteilen erhalten. Die Großaktionäre wie die Holding Haniel haben sich bereits hinter die Pläne gestellt. "Wir begrüßen die strategische Entscheidung", sagte ein Haniel-Sprecher.

Metro hat zwei große Baustellen:

  • Zum einen wirft die Supermarktkette Real viel zu wenig ab. Zwar betonte Koch, es stehe "kein Fragezeichen hinter Real", doch laut "Lebensmittelzeitung" sondiert das Unternehmen, wie es die Supermärkte losschlagen oder Investoren gewinnen könnte.
  • Zum anderen blockiert der Streit mit Kellerhals bei Media-Saturn wichtige strategische Entscheidungen bei dem Elektronikhändler mit 65.000 Mitarbeitern.

Branchenkenner sehen den Machtkampf um die Media-Saturn-Holding als ausschlaggebend für die Teilungspläne. Metro hält 78 Prozent an dem Unternehmen, der Rest gehört Kellerhals' Investmentfirma Convergenta. Der 76-jährige Unternehmer hat sich als Minderheitsgesellschafter Vetorechte gesichert und kann dem Haupteigentümer Metro bei wichtigen Entscheidungen dazwischenfunken. Seit Jahren gibt es deshalb juristische Auseinandersetzungen. Das geht so weit, dass Kellerhals den Media-Saturn-Chef Pieter Haas per Gerichtsbeschluss absetzen lassen wollte.

Den renitenten Alteigentümer will Koch nun mit der Aufspaltung aufs Abstellgleis bugsieren. Denn Berater haben folgende Lösung ersonnen: Indem Media-Saturn bei der "alten Metro-Hülle" verbleibt, kann Kellerhals sich nicht gegen die Aufspaltung wehren. An den Gesellschafterstrukturen ändere sich nämlich nichts. So sieht es offenbar auch Kellerhals: "Wir haben die Mitteilung der Metro mit Interesse zur Kenntnis genommen und werden das weitere Vorgehen aufmerksam verfolgen", sagte ein Convergenta-Sprecher. "Unsere Rechte als GmbH-Gesellschafter der Media-Saturn Holding sehen wir durch die Pläne der Metro nicht berührt."

Doch letztlich könnte sich für Kellerhals doch einiges ändern. Denn Metro will durch die Aufspaltung besser durchregieren können. "Die Unterhaltungselektronikgruppe wird mehr sein als Media-Saturn", kündigte Koch an. Chef des künftig selbstständigen Elektronikhändlers soll ausgerechnet der von Kellerhals so vehement bekämpfte Pieter Haas bleiben. Dieser werde "komplett neue Handlungsmöglichkeiten" haben, versprach Koch. Denn Media-Saturn solle nach der Aufspaltung des Konzerns Teil einer Holding mit Sitz in Düsseldorf sein. Diese wiederum soll Entscheidungen wie Zukäufe oder Fusionen beschließen können - "ohne Intervention und ohne Störungen von irgendjemanden", wie Koch wissen ließ. Denn über die Investitionen würde dann der Holding-Vorstand entscheiden - und damit eine Ebene über Media-Saturn.

Erich Kellerhals (Archivbild von 2011) Zur Großansicht
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Erich Kellerhals (Archivbild von 2011)

Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Kellerhals und Koch ist, offenbarten beide zuletzt gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Bilanz". Kellerhals attestierte dem Metro-Chef, er verstehe nichts vom Umgang mit Kunden. "Er geht wie eine Dampfwalze vor", stichelte er. Koch wiederum ließ mit Blick auf Kellerhals wissen, dessen "Aktionen" seien "auf jeden Fall bedauernswert".

Zugleich sandte der Metro-Boss schon eine Drohung gen Salzburg aus. Auf die Frage, ob er auch darüber nachdenke, Kellerhals seine Firmenanteile per Gerichtsbeschluss entziehen zu lassen, sagte Koch: "Jeder Gesellschafter hat selbstverständlich Treuepflichten, die er beachten und einhalten sollte. Ein permanenter Verstoß wird auf Dauer problematisch." Metro suche aber "primär nach Lösungen, nicht nach weiteren Konfrontationen".

Mit der Aufspaltung hofft Koch nun, eine Lösung gefunden zu haben. Zumindest der Metro-Chef selbst kann sich so Kellerhals' Attacken elegant entziehen. Denn Koch will Chef des künftigen Großhandels- und Lebensmittelgeschäfts werden. Mit Media-Saturn dürfen sich dann andere herumschlagen.

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1. Bilderunterschrift
lord.speedy 30.03.2016
Metro, Mediamarkt, Food - Wo ist das Bild von "Mediamarkt und Saturn Logo"? Mann, Mann, sogar die richtigen Bilder zum Text oder den richtigen Text zum Bild sind nicht mehr möglich. [30.3. 18:00 Uhr] Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
2.
tribalcgn 30.03.2016
Nah dann wird es ja wohl ein Schicksal geben wie bei Praktiker und Max Bahr. Da hatte doch auch die Metro-Gruppe Ihre Finger mit im Spiel und wollte schnelles Geld machen an der Börse. Nah mal sehen wie lange das wieder gut geht.
3. Kellerhals & Koch
P.T. 30.03.2016
Der erste vertritt seine eigentümergeführte Sichweise mit starker Kundenorientiertheit; Koch dagegen ist ein typischer AG-Manager, dem nichts näher steht als seine eigenen Vorteile. Die Optik und der Geschäftserfolg von Metro, Real und Makro spricht Bände, wer her sein Geschäft (nicht) versteht.
4. Freiere Marktwirtschaft
lapetrovna 31.03.2016
Nennt man das....no comment....
5. Metro stinkt
wauz 31.03.2016
Über dem ganzen bisherigen Metro-Konzern liegt der Angstschweiß-Geruch der Mitarbeiter. Kaum ein Konzern hat eine so miese Menschenführung. Dazu noch ist das Know-How der Mitarbeiter nicht gefragt. Zentralisten haben es da nicht nötig, mit dem Kollegen oder der Kollegin vom POS zu sprechen. So haben sie auch schon Praktiker versemmelt. Das wird mit oder ohne Aufspaltung kein bisschen besser werden. Daher ist davon auszugehen, dass zuerst der Lebensmittel-Zweig, in dem die härteste Konkurrenz herrscht, über den Deister geht. Aber Mogelmarkt/Saudumm, die Firma von so manchen Nicht-mehr-Kunden genannt wird, wird sich auch nicht halten. Die werden dann von Amazon gefressen.
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