Nach Tod von Leiharbeitern Meyer Werft erstellt Sozialcharta

Die Papenburger Meyer Werft steht nach dem Tod zweier Leiharbeiter in der Kritik. Die Männer waren beim Brand einer Unterkunft ums Leben gekommen. Mit einer Sozialcharta will das Unternehmen nun die Rechte der Arbeiter stärken.

Ausgebrannte Unterkunft in Papenburg: "Katastrophale Zustände"
DPA

Ausgebrannte Unterkunft in Papenburg: "Katastrophale Zustände"


Papenburg - Die Meyer Werft zieht Konsequenzen aus dem Tod zweier Leiharbeiter. Das Unternehmen aus Papenburg im Emsland hat eine Sozialcharta und einen Verhaltenskodex erstellt, die für die Werft, aber auch für Unterlieferanten gelten sollen. Das teilte die Firma am Sonntag mit.

Die neue Selbstverpflichtung soll am Montag dem Wirtschaftsministerium sowie der Gewerkschaft IG Metall und anschließend der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Damit reagiert die Meyer Werft auf einen Hausbrand, bei dem am Samstag vergangener Woche zwei rumänische Arbeiter eines Subunternehmens ums Leben gekommen waren. Zeugen, die am Brandort waren, schilderten hinterher "katastrophale Zustände" in dem Gebäude. Allein im Wohnzimmer des Einfamilienhauses in Papenburg sollen 13 Betten gestanden haben, sagte ein Arzt im NDR. Die Arbeiter sollen erzählt haben, dass sie nur drei Euro brutto pro Stunde verdienten.

Die Stadt will die Unterkünfte unter die Lupe nehmen

Die Meyer Werft und das betroffene Subunternehmen SDS aus Emden wiesen die Schilderungen zurück. Zugleich versicherte Unternehmenschef Bernard Meyer: "Wir werden jetzt noch nachdrücklicher prüfen, ob es in der umfangreichen Liste unserer Lieferanten schwarze Schafe gibt, die die geltenden Sozialstandards in Deutschland unterlaufen." Lohndumping lehne sein Firma ab. Zugleich wies Meyer jedoch darauf hin, dass Subunternehmen für den wirtschaftlichen Erfolg seiner Werft unverzichtbar seien.

Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Gelder kündigte an, er wolle zukünftig "noch intensiver prüfen, dass der Lohn auch bei den Mitarbeitern ankommt".

Die Stadt Papenburg will die Unterkünfte der Leiharbeiter nun kontrollieren und zertifizieren, um zu gewährleisten, dass diese sicher und menschenwürdig untergebracht sind. Diese Bescheinigung will die Meyer Werft zukünftig zur Grundbedingung für Werkverträge machen.

syd/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
stefan_sts 21.07.2013
1. Scheinbare Aktivität signalisieren
und dann nach ein wenig Staubansatz business as usual ! Logisch . Nicht die Ankündigungen sind erwähnenswert , sondern die Ausführung , also bitte liebes Spiegel Team , bitte dranbleiben und eventuelle Blender bloßstellen .
kabian 21.07.2013
2. Ein schwarzes Schaf habe ich schon gefunden
---Zitat--- Bernard Meyer: "Wir werden jetzt noch nachdrücklicher prüfen, ob es in der umfangreichen Liste unserer Lieferanten schwarze Schafe gibt, die die geltenden Sozialstandards in Deutschland unterlaufen." ---Zitatende--- Das ist die Meyer Werft.
Newspeak 21.07.2013
3. ...
Die Arbeiter sollen erzählt haben, dass sie nur drei Euro brutto pro Stunde verdienten. [...] Die Meyer Werft und das betroffene Subunternehmen SDS aus Emden wiesen die Schilderungen zurück. Zugleich versicherte Unternehmenschef Bernard Meyer: "Wir werden jetzt noch nachdrücklicher prüfen, ob es in der umfangreichen Liste unserer Lieferanten schwarze Schafe gibt, die die geltenden Sozialstandards in Deutschland unterlaufen." Lohndumping lehne sein Firma ab. Zugleich wies Meyer jedoch daraufhin, dass Subunternehmen für den wirtschaftlichen Erfolg seiner Werft unverzichtbar seien. Es ist doch für jeden mit Augen im Kopf ersichtlich, wie das Geschäftsmodell funktioniert. Indem ich Arbeit an Subunternehmer auslagere, ziehe ich mich aus der Verantwortung. Dann kann man alles abstreiten, auch Stundenlöhne von 3 Euro. Aber irgendwo sind die Zahlen klar...soundsoviele Arbeiter, soundsoviel ausgezahltes Geld. Absurd, daß man sich da herauszureden versucht. Aber bei passender Gelegenheit lässt man sich auch gerne noch als verantwortungsbewusster Unternehmer feiern. Ich finde solche Menschen zutiefst verachtenswert.
Zaunsfeld 21.07.2013
4.
Zitat von sysopDPADie Papenburger Meyer Werft steht nach dem Tod zweier Leiharbeiter in der Kritik. Die Männer waren beim Brand einer Unterkunft ums Leben gekommen. Mit einer Sozialcharta will das Unternehmen nun die Rechte der Arbeiter stärken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/meyer-werft-erstellt-sozialcharta-nach-dem-tod-von-leiharbeitern-a-912301.html
Wäre es dann nicht das einfachste, die Arbeiter dann eben selbst mit zeitlich befristetem Vertrag direkt bei der Meyer Werft anzustellen, statt auf Sub- und Sub-Sub-Unternehmer zu setzen? Wenn die Firmen schon zeitlich befristete Sklaven brauchen, dann sollen sie sie gefälligst selbst zeitlich befristet direkt einstellen, statt die juristische Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, Tarifverträge usw. auf Konstrukte dieser Sub-Unternehmen abzuwälzen.
speedy 21.07.2013
5. Sozialcharta das ich nicht lache-Menschenschinder!!!
Die Meyer-Werft braucht keine Sozialcharta sondern gesunden Menschenverstand.Wer Menschen hält wie Tiere und sie auch so arbeiten lässt über Subunternehmer dem sind diese Menschen scheissegal.Entlassen sie den Subunternehmer denn der ist nur deshalb zwischen geschaltet um diese Unwürdigen Bedingungen auch zuschaffen.Machen sie diese Arbeit in Eigenregie alles andere wäre Feige Ablehnung ihrer Verantwortung für ihre Mitarbeiter.Werkverträge und Leiharbeiter sind Menschenrechtsverletzungen aller höchster Güte und gehören mit Gefängnis der Verantwortlichen Chefs bestraft und nicht verharmlost.Diesen Mut hat in diesem Land nur keiner drum redet fast jeder um den heissen brei!!!Der Gewerkschaft schlage ich vor den Versuch der Meyer-Werft mit Protest zurückzuweisen.
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