Internet-Lizenzkrieg: Microsoft kauft AOL-Patente im Milliardenwert

Mehr als eine Milliarde Dollar hat Microsoft für ein Patentpaket von AOL hingeblättert. Mit den Ideen des Internet-Urgesteins wappnet sich das Software-Unternehmen für kommende Patentschlachten.

Patentpaket einverleibt: Microsoft übernimmt Lizenzen von Internet-Urgestein AOL Zur Großansicht
AFP

Patentpaket einverleibt: Microsoft übernimmt Lizenzen von Internet-Urgestein AOL

Microsoft rüstet sich für den Patentkrieg in der Technologiebranche. Das Unternehmen übernimmt für annähernd 1,1 Milliarden Dollar (rund 840 Millionen Euro) mehr als 800 Patente vom Internet-Urgestein AOL. Gleichzeitig sichert sich Microsoft damit eine nicht-exklusive Lizenz an den verbleibenden gut 300 AOL-Patenten. "Das ist ein wertvolles Portfolio, das wir schon seit Jahren im Blick haben", sagte Microsoft-Chefjustitiar Brad Smith am Montag.

Die Transaktion der Patente soll bis Ende 2012 abgeschlossen sein. Sollte die Veräußerung doch noch scheitern, muss Microsoft AOL eine Entschädigung von rund 210 Millionen Dollar zahlen.

Derzeit bekriegen sich die Technologieschwergewichte vor allem im boomenden mobilen Internetgeschäft - beispielhaft für die Patentstreitigkeiten sind die Klagen, mit denen sich Yahoo und Facebook jüngst gegenseitig belegt haben. Unzählige Gerichte - auch in Deutschland - müssen sich mit gegenseitigen Vorwürfen des Ideendiebstahls befassen. Beste Abwehrwaffe ist ein umfangreicher Katalog an Patenten. Deshalb kauft der Internetkonzern Google auch den verlustreichen Handy-Hersteller Motorola Mobility. Motorola und AOL sind Vorreiter in ihren Branchen und besitzen entsprechend viele grundlegende Patente.

Der Dotcom-Star AOL hat viel von seinem Glanz verloren und steckt in einem Dauerumbau. Früher waren Internetzugänge das große Geschäft, doch diese bieten die Telekom- und Kabelkonzerne mittlerweile billiger und schneller an. Deshalb versucht Firmenchef Tim Armstrong, sein Unternehmen als Inhalt-Lieferanten neu zu erfinden. Der Konzern übernahm beispielsweise die US-Onlinezeitung "Huffington Post" und kaufte das lokale Nachrichtenportal Patch sowie den Technologie-Blog TechCrunch.

AOL-Aktionäre sollen profitieren

Armstrong betonte, dass AOL im Besitz wichtiger Patente etwa für Werbung, Suche oder soziale Netzwerke bleibe. Auch darf AOL die verkauften Patente weiterhin unter einer Lizenz nutzen.

Von dem Verkauf der Patente profitieren vor allem die AOL-Aktionäre. Sie sollen einen bedeutenden Anteil der Einnahmen ausgeschüttet bekommen. Die Hoffnung auf einen Geldsegen ließ die AOL-Aktie im New Yorker Handel um bis zu 45 Prozent hochschnellen. Dagegen fiel das Microsoft-Papier leicht.

Seit Jahren versucht der erfolgreiche Hersteller von Windows und Office, sein Internetgeschäft auszubauen, mit gemischtem Erfolg. Hauptkonkurrenten sind hier Google und das soziale Netzwerk Facebook.

wbr/dpa/Reuters

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