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Drohende Schließung von Deutschland-Büros: Microsoft beugt sich Druck von Mitarbeitern

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DPA

Microsoft in Berlin: Lokale Standorte bleiben erhalten

Microsoft-Mitarbeiter können aufatmen: Der Konzern will die Büros in Hamburg, Böblingen und Bad Homburg nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nun doch nicht schließen. Beschäftigte hatten sich beschwert, das Unternehmen wolle in Wahrheit unbequeme Betriebsräte loswerden.

Hamburg - Der Software-Konzern Microsoft wird auch in Zukunft Standorte in Hamburg, Böblingen und Bad Homburg haben. Die eigentlich geplante Schließung der drei Büros wurde abgesagt, bestätigte Microsoft-Sprecher Thomas Mickeleit. "Wir haben ein flexibles Konzept mit Heimarbeit geprüft. Nach Gesprächen mit Mitarbeitern und Betriebräten hat sich gezeigt, dass wir das nicht vernünftig hinkriegen."

In den drei Niederlassungen arbeiten derzeit rund 500 der insgesamt 2700 Microsoft-Mitarbeiter in Deutschland. Das Büro in Böblingen sollte bereits Ende dieses Jahres geschlossen werden. In Bad Homburg und Hamburg sollte es 2014 beziehungsweise 2015 soweit sein.

Hintergrund des Umschwenkens der Unternehmensführung dürfte der massive Widerstand der Mitarbeiter gewesen sein. SPIEGEL ONLINE hatte Mitte November über den Unmut der Angestellten berichtet. Demnach hielten viele Beschäftigte die Begründung der Chefs für vorgeschoben. Tatsächlich, so der Vorwurf, gehe es Microsoft darum, unbequeme Betriebsräte loszuwerden.

Der Bad Homburger Betriebsrat hatte im Frühjahr einen Entwurf für eine Arbeitszeitregelung vorgelegt. Bislang wird die Arbeitszeit bei dem Software-Konzern nicht systematisch erfasst, viele Beschäftigte arbeiten 50 bis 60 Stunden pro Woche. Doch statt einer Einigung gab die Geschäftsleitung im Juli bekannt, die Standorte zu schließen.

"Shared desk" und Home office

Der Bad Homburger Betriebsratschef Michael Striffler sagte, die Entscheidung zeige, wie wichtig die Arbeit des Betriebsrats sei. "Ohne Arbeitnehmervertreter hätte die Unternehmensführung die Schließungen einfach durchführen können."

Microsoft-Sprecher Mickeleit wollte den Streit mit dem Betriebsrat nicht bestätigen. Die Verhandlungen hätten aber ergeben, dass das geplante flexible Konzept nicht sinnvoll sei. "Wir brauchen Konferenzräume, um unsere Kunden vor Ort zu treffen."

Einig sei man sich mit dem Betriebsrat, die Standorte zu verkleinern. "Schon jetzt nutzen die Mitarbeiter nur ungefähr ein Drittel der Arbeitsplätze." Um dieses Problem zu lösen, sollen sich künftig mehrere Angestellte einen Schreibtisch teilen. Um im Wirtschaftsdeutsch zu bleiben: Neben "Home office" gibt es bei Microsoft also künftig auch das Prinzip "Shared desk". Laut Mickeleit haben die Mitarbeiter aber weiter die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten.

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