Urteil zu Warenhaus-Verkauf: Gericht attestiert Middelhoff Pflichtverletzung

Im Prozessmarathon gegen Thomas Middelhoff hat der Arcandor-Insolvenzverwalter einen Etappensieg errungen. Ein Gericht entschied, der Manager habe beim Verkauf eines Kaufhauses seine Pflichten verletzt. Ihm drohen hohe Schadensersatzforderungen.

Thomas Middelhoff bei einer Gerichtsverhandlung (2011): Ärger um Immobilien Zur Großansicht
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Thomas Middelhoff bei einer Gerichtsverhandlung (2011): Ärger um Immobilien

Essen - Dem früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff drohen wegen des umstrittenen Verkaufs eines Warenhauses hohe Schadensersatzforderungen. Das Landgericht Essen entschied am Mittwoch in einem sogenannten Grundurteil, Middelhoff als Vorstandschef und drei andere ehemalige Vorstände der Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor hätten beim Verkauf eines Kaufhauses in Wiesbaden ihre Pflichten verletzt.

Die Manager hätten es unterlassen, die Überschreibung des Warenhauses an einen Immobilienfonds zu verhindern. Dieser wiederum hatte für das Kaufhaus dann nach Ansicht des Arcandor-Insolvenzverwalters Hans-Gerd Jauch eine überhöhte Miete verlangt. Darum ist Jauch vor Gericht gezogen.

Der Insolvenzverwalter hatte Middelhoff und zehn weitere Ex-Vorstände und Ex-Aufsichtsräte ursprünglich auf Zahlung von 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Jauch sah sogar fünf Verkäufe von Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds im Jahr 2005 als wirtschaftlich nachteilig für das Unternehmen an. Das Essener Landgericht erkannte aber nur im Falle des Verkaufs des Wiesbadener Karstadt-Hauses eine "schuldhafte Pflichtverletzung".

Die Höhe des entstandenen Schadens sei aber fraglich, sagte Richterin Regina Pohlmann. Einem Gutachten des Insolvenzverwalters zufolge könnte er zwischen 30 und 46 Millionen Euro liegen. Das Grundurteil muss nun vom Oberlandesgericht Hamm erst überprüft werden. Folgen die Richter dort in ihrer Entscheidung dem Landgericht Essen, muss dieses dann in einem nächsten Schritt über die konkrete Schadenshöhe entscheiden. Dies könne noch Jahre dauern, sagte Richterin Pohlmann.

Middelhoff wehrt sich gegen das Urteil

Middelhoff will sich gegen das Grundurteil wehren. Sein Anwalt Winfried Holtermüller kündigte umgehend Berufung an. Auch im Falle von Schadensersatz würde Middelhoff aber nicht selbst zahlen müssen, sagte der Anwalt. Eine Versicherung würde demnach für den Manager einstehen. Aus seiner Sicht sei das Grundurteil aber falsch und werde in der nächsten Instanz keinen Bestand haben, sagte Holtermüller.

Der Prozess ist nicht der einzige Streit zwischen Middelhoff und dem Insolvenzverwalter. Dieser hat den Manager auch wegen angeblich überzogener Boni, Spesen und Abfindungszahlungen verklagt.

Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte 2005 den Chefposten bei Arcandor übernommen. Vier Jahre später musste er nach einem Jahresverlust von einer dreiviertel Milliarde Euro gehen. Wenige Monate später stellte Arcandor Insolvenzantrag. Allein bei Karstadt waren rund 25.000 Jobs in Gefahr. Inzwischen hat der Investor Nicolas Berggruen die Warenhaus-Kette übernommen.

Geschäfte mit dem Immobilienentwickler Josef Esch haben Middelhoff auch in anderen Fällen in Bedrängnis gebracht. Der Manager streitet mit Esch, seinem früheren Vermögensverwalter, über eine 4000-PS-Luxusyacht. Esch hat den Manager vor dem Bielefelder Landgericht auf die Zahlung von insgesamt rund zwei Millionen Euro verklagt.

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Warum auch nicht versichert?
chaika 25.04.2012
Ach so, da kann man sich also schon gegen Pflichtverletzung versichern, natuerlich erst, wenn man ein entsprechendes Gehaltsniveau erreicht hat und wahrscheinlich hat er die Versicherung noch im Namen von Karstadt selbst abgeschlossen. Das nenne ich wirklich weise. Bei Normalbuergern ist eine solche Versicherung natuerlich wegen Sittenwidrigkeit ausgeschlossen, sonst koennte man ja auch so nette Geschaefte machen, aber das geht nicht, da dann der Zusammenbruch drohen wuerde. Und natuerlich um den Schaden zu ermitteln braucht man natuerlich Jahre, warumm erschliesst sich wahrscheinlich nie, genauso wenig wie es sich erschliesst, dass Manager immer ganz besonders falsch gehandelt haben muessen, bevor man Ihnen Pflichtwidrigkeit vorwerfen kann. Man koennte ja genau das Gegenteil wegen der guten Bezahlung vermuten aber von wegen, bei normalen Arbeitsgerichtsprozessen wenn es um ein kaputtgefahrenes Auto geht, da reicht eine Gelblichtfahrt schon aus, um die ganze Verwerflichkeit des Handelns des Angestellten zu erkennen.
2. .
frubi 25.04.2012
Zitat von sysopIm Prozessmarathon gegen Thomas Middelhoff hat der Arcandor-Insolvenzverwalter einen Etappensieg errungen. Ein Gericht entschied, der Manager habe beim Verkauf eines Kaufhauses seine Pflichten verletzt. Ihm drohen hohe Schadensersatzforderungen. Urteil zu Warenhaus-Verkauf: Gericht attestiert Middelhoff Pflichtverletzung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,829709,00.html)
Ich trau dem Braten nicht. Solche Windbeutel winden sich immer irgendwie aus ihrer Verantwortung heraus. Wer in Deutschland genug Geld hat, braucht sich in den meisten Fällen nicht vor einer Verurteilung zu fürchten.
3.
emden09 25.04.2012
"Eine Versicherung würde ... einstehen". Ich hoffe man wird Middlehoff Vorsatz nachweisen (schließlich war er privat an den Kölner-Esch-Mafia-Fonds beteiligt und hat privaten Nutzen aus seiner Misswirtschaft als Manager bei Karstadt gezogen). Ich kenne keine Versicherung, die für Vorsatz einsteht - schon gar nicht, wenn noch strafbares Handeln nachgewiesen werden kann - und in diesem Fall muss.
4. sich selbst die Taschen gefüllt
wehwehwehdievernunft 25.04.2012
Dieser Mensch gehört in den Knast und der Schlüssel weggeschmissen.
5. Es werde Licht...
axiom 25.04.2012
Zitat von sysop... Ein Gericht entschied, der Manager habe beim Verkauf eines Kaufhauses seine Pflichten verletzt. Ihm drohen hohe Schadensersatzforderungen ... ]
... und da ward Licht! Wenn die erzielten unrechtmässigen Erträge und eine den Erträgen entsprechende Busse verhängt wird, glaube ich daran, dass sich das Justizsystem den neuen Anforderungen anpassen kann! Unglaublich! Unerhört! Das äquivalent des "einfachen Diebstahls" auf dem Niveau des Managements steht vor der Geburt! Ich bin perplex!
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