Essen - Dem früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff drohen wegen des umstrittenen Verkaufs eines Warenhauses hohe Schadensersatzforderungen. Das Landgericht Essen entschied am Mittwoch in einem sogenannten Grundurteil, Middelhoff als Vorstandschef und drei andere ehemalige Vorstände der Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor hätten beim Verkauf eines Kaufhauses in Wiesbaden ihre Pflichten verletzt.
Die Manager hätten es unterlassen, die Überschreibung des Warenhauses an einen Immobilienfonds zu verhindern. Dieser wiederum hatte für das Kaufhaus dann nach Ansicht des Arcandor-Insolvenzverwalters Hans-Gerd Jauch eine überhöhte Miete verlangt. Darum ist Jauch vor Gericht gezogen.
Der Insolvenzverwalter hatte Middelhoff und zehn weitere Ex-Vorstände und Ex-Aufsichtsräte ursprünglich auf Zahlung von 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Jauch sah sogar fünf Verkäufe von Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds im Jahr 2005 als wirtschaftlich nachteilig für das Unternehmen an. Das Essener Landgericht erkannte aber nur im Falle des Verkaufs des Wiesbadener Karstadt-Hauses eine "schuldhafte Pflichtverletzung".
Die Höhe des entstandenen Schadens sei aber fraglich, sagte Richterin Regina Pohlmann. Einem Gutachten des Insolvenzverwalters zufolge könnte er zwischen 30 und 46 Millionen Euro liegen. Das Grundurteil muss nun vom Oberlandesgericht Hamm erst überprüft werden. Folgen die Richter dort in ihrer Entscheidung dem Landgericht Essen, muss dieses dann in einem nächsten Schritt über die konkrete Schadenshöhe entscheiden. Dies könne noch Jahre dauern, sagte Richterin Pohlmann.
Middelhoff wehrt sich gegen das Urteil
Middelhoff will sich gegen das Grundurteil wehren. Sein Anwalt Winfried Holtermüller kündigte umgehend Berufung an. Auch im Falle von Schadensersatz würde Middelhoff aber nicht selbst zahlen müssen, sagte der Anwalt. Eine Versicherung würde demnach für den Manager einstehen. Aus seiner Sicht sei das Grundurteil aber falsch und werde in der nächsten Instanz keinen Bestand haben, sagte Holtermüller.
Der Prozess ist nicht der einzige Streit zwischen Middelhoff und dem Insolvenzverwalter. Dieser hat den Manager auch wegen angeblich überzogener Boni, Spesen und Abfindungszahlungen verklagt.
Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte 2005 den Chefposten bei Arcandor übernommen. Vier Jahre später musste er nach einem Jahresverlust von einer dreiviertel Milliarde Euro gehen. Wenige Monate später stellte Arcandor Insolvenzantrag. Allein bei Karstadt waren rund 25.000 Jobs in Gefahr. Inzwischen hat der Investor Nicolas Berggruen die Warenhaus-Kette übernommen.
Geschäfte mit dem Immobilienentwickler Josef Esch haben Middelhoff auch in anderen Fällen in Bedrängnis gebracht. Der Manager streitet mit Esch, seinem früheren Vermögensverwalter, über eine 4000-PS-Luxusyacht. Esch hat den Manager vor dem Bielefelder Landgericht auf die Zahlung von insgesamt rund zwei Millionen Euro verklagt.
mmq/Reuters/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Thomas Middelhoff | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH