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16. Oktober 2014, 16:21 Uhr

Zeugenaussage

Middelhoff winkten 100 Millionen für Zerschlagung von KarstadtQuelle

Thomas Middelhoff hat bis zuletzt an einer Fusion von Karstadt mit Kaufhof gearbeitet - das hat der ehemalige Arcandor-Chef vor dem Kölner Landgericht ausgesagt. Von einer zuvor erwogenen Zerschlagung hätte er zudem enorm profitiert.

Köln - Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat die Verantwortung für die spektakuläre Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns erneut von sich gewiesen. Bis zu seinem Ausscheiden habe er an einer Fusion von Karstadt mit dem Konkurrenten Kaufhof gearbeitet, sagte Middelhoff am Mittwoch im Kölner Landgericht aus. "Das war mehr als eine Möglichkeit."

Auch für die anderen Konzernsparten hatte Middelhoff nach seinen Worten zum Zeitpunkt seines Ausscheidens vielversprechende Zukunftspläne entwickelt. "Dass Arcandor voll sanierbar war und große unternehmerische Chancen bot, war für mich klar."

Konkret hätte demnach die angeschlagene Versandhaustochter Primondo (Quelle) mit dem französischen Wettbewerber Redcat verschmolzen werden sollen. Und der Reiseveranstalter Thomas Cook hätte verkauft oder behalten werden können. Nach seinem Aus als Konzernchef seien die Pläne nicht mehr wirklich weiterverfolgt worden, sagte Middelhoff.

Der Manager berichtete außerdem über Pläne von Anfang 2005 zur Zerschlagung des Konzerns, der damals noch KarstadtQuelle hieß und später in Arcandor umbenannt wurde. Damals hätten die Großaktionärin Madeleine Schickedanz, der Immobilienunternehmer Josef Esch, Vertreter der Bank Sal. Oppenheim und er Pläne geschmiedet, das Unternehmen von der Börse zu nehmen und in seine Einzelteile zu zerlegen. Eine Untersuchung von Goldman Sachs sei nämlich zum Ergebnis gekommen, dass der addierte Wert der Teilbereiche bei einem Verkauf erheblich über dem Börsenwert des kompletten Unternehmens gelegen hätte.

Hohe Prämie in Aussicht

Die Pläne seien jedoch an der hohen Verschuldung des Konzerns und den Problemen im Versandhandel gescheitert. Dadurch sei es nicht gelungen, einen Finanzinvestor zu finden. Middelhoff selbst hätte von einer derartigen Zerschlagung offenbar enorm profitiert: Den im Gericht präsentierten Unterlagen zufolge hatte er im Erfolgsfall Aussicht auf eine Prämie von 100 Millionen Euro.

Im sogenannten Sal.-Oppenheim-Prozess sagt Middelhoff als Zeuge aus. In dem Verfahren sind das einstige Führungsquartett der Sal.-Oppenheim-Bank sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch teils wegen Untreue im besonders schweren Fall, teils wegen Beihilfe dazu angeklagt. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Das Schicksal der früher größten europäischen Privatbank und des Konzerns Arcandor waren eng miteinander verbunden. Vor der Arcandor-Insolvenz im Sommer 2009 war Sal. Oppenheim größter Aktionär des Konzerns und geriet dadurch mit in den Abwärtsstrudel. Die Deutsche Bank übernahm Sal. Oppenheim Anfang 2010 in stark verkleinerter Form.

fdi/dpa

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