BASF, Telekom & Co. Für wen deutsche Konzerne im US-Wahlkampf spendeten

5,2 Milliarden Dollar: Noch nie wurde bei US-Zwischenwahlen so viel Geld gespendet wie in diesem Jahr. Auch deutsche Topunternehmen waren über Umwege dabei - und hatten einen Favoriten.

Donald Trump
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Nie zuvor ist bei einer Zwischenwahl in den USA so viel Geld für den Wahlkampf ausgegeben worden wie in diesem Jahr - 5,2 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 4,6 Milliarden Euro. Das sind 35 Prozent mehr als bei der Zwischenwahl von 2014, wie die auf Wahlkampffinanzierung spezialisierte Organisation Center for Responsive Politics berichtet.

Demnach haben nicht nur die Republikaner von US-Präsident Donald Trump Spenden in Rekordhöhe eingenommen, sondern vor allem die Demokraten erlebten einen starken Aufwärtstrend. Sie hätten vor allem vom Enthusiasmus von Spenderinnen profitiert. Auch bei Kleinspendern hätten sie die Nase vorn.

Daneben haben auch deutsche Spitzenkonzerne über ihre US-Tochterunternehmen Geld an Wahlkämpfer verteilt. Und das offenbar großzügig: Nach Berechnungen der Tageszeitung "Die Welt" spendeten deutsche Firmen mindestens 2,63 Millionen Dollar. Auch diese Zahl bezieht sich demnach auf Berechnungen des Center for Responsive Politics.

17 deutsche Topunternehmen unter Spendern

In den Vereinigten Staaten dürfen Firmen kein Geld im Wahlkampf spenden, Einzelpersonen schon. Die Folge: Es gibt viele sogenannte "PAC's" - ein Akronym mit der deutschen Bedeutung "Politische Aktionskomitees". Darin wird - offiziell jedenfalls - Geld aus der Belegschaft eines Unternehmens gesammelt, um es dann den jeweiligen Kandidaten, die unterstützt werden sollen, zu spenden. So sind offenbar auch die Tochterunternehmen der deutschen Großkonzerne vorgegangen.

Der Chemie-Riese BASF soll auf diesem Weg am meisten Geld gespendet haben: 632.000 Dollar. Auf Platz zwei folgt demnach die Deutsche Telekom mit 604.000 Dollar. Insgesamt haben dem Bericht zufolge 17 deutsche Unternehmen Geld gegeben, darunter unter anderem auch Daimler, der Autozulieferer Schaeffler, Bayer, Boehringer Ingelheim, Fresenius, HeidelbergCement, Merck und Siemens.

60 Prozent aller Spenden gingen laut "Welt" an die Republikaner von Präsident Trump. Der Spendenverein der Deutschen Bank gab demnach sogar 70 Prozent seiner Zuwendungen den Konservativen. Der IT-Konzern SAP präferierte hingegen die oppositionellen Demokraten.

dop/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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cinkor 07.11.2018
1. Danke!
Zumindest weiß ich welche Firmen Produkte ich jetzt boykottieren muß.
claus7447 07.11.2018
2. Sie da die Deutsche Bank
Eigentlich nicht erstaunlich. Man schleimt sich ein. Aber die Zeiten dieser Bank sind vorbei. Jahrzehntelang auf das falsche Pferd gesetzt, gezockt, gelinkt, mit Prozessen überzogen. Als privatbank schlicht nicht empfehlenswert.
hippie.jonny 07.11.2018
3. PACs, nicht PAC's,
auch ein Spiegel-Redakteur sollte die Schreibweise des englischen Genitivs vom Plural unterscheiden können. Und dürfte auch ruhig ein bisschen krititsch damit sein: Die Belegschaft darf also spenden, ist dies denn anonym? Ist demnach die Belegschaft der Deutschen Firmen dort vor allem Republikanisch? Und Deutschland wurden die "Republikaner" ja mal verboten. Und dürfen die Unternehmen diese Gelder jetzt von der Steuer absetzen? Wäre ja frech, denn es sind ja eigentlich Spenden von Privatleuten. Wie immer, haben Arme keine wirkliche Chance zu spenden.. Aber was rede ich: Wäre schön, wenn in Deutschland Parteispenden ganz verboten würden. Ach ja, durch meine Stimme erhalten die Parteien ja einen Anteil "Wahlkampfkostenerstattung", dadurch sind neue Parteien von vornherein benachteiligt. Aus demokratischer Sicht kann ich deswegen leider gar nicht wählen....
anonymousx 07.11.2018
4. Peinlich...
... dass hiesige Unternehmen sich nicht zu schade so einem Menschen und seinen kruden Vorstellungen noch geld hinterher zu werfen. Maaßen, Trump etc. Nur Mal so ein Hinweis welche Leute an welchen Positionen sitzen und sitzen können bzgl. Des Themas Datenschutz und der Nutzung von WhatsApp und co., dass man ja nichts zu verbergen hat. Noch nicht...
Romulus 07.11.2018
5. Wahlbeeinflussung
Warum geben deutsche Unternehmen Geld für Wählen in den USA aus? Sie mindern damit den hier zu versteuernden Gewinn und beteiligen unfreiwillig den deutschen Steuerzahler. Und was ist jetzt anders daran, wenn die Russen sich in andere Wahlkämpfe einmischen und ihre Wunschkandidaten fördern? Das sind doch wieder seltsame Doppelstandards.
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