Miese Aufklärung von Anlegeraffäre Finanzwächter bestrafen Goldman Sachs

Saftige Strafe für Goldman Sachs: Die US-Bank muss 21,2 Millionen Euro zahlen, weil sie die britische Finanzaufsicht FSA unzureichend über Ermittlungen wegen eines möglichen Anlegerbetrugs informiert hat.

Goldman-Sachs-Büro in London: Strafe von der britischen Finanzaufsicht
REUTERS

Goldman-Sachs-Büro in London: Strafe von der britischen Finanzaufsicht


Hamburg - Die britische Finanzaufsicht FSA hat gegen die US-Großbank Goldman Sachs eine Strafe von 17,5 Millionen Pfund, umgerechnet rund 21 Millionen Euro, verhängt. Die FSA fühlte sich von der Bank nur unzureichend über die Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht wegen Anlegerbetrugs unterrichtet. Es ist die zweithöchste FSA-Strafe der Geschichte.

Die Ermittlungen der FSA hatten im April begonnen, nachdem die amerikanische Börsenaufsicht SEC Betrugsklage gegen Goldman Sachs eingereicht hatte. Die SEC ermittelte, weil Goldman Sachs Kunden über komplexe Kreditpapiere nicht ausreichend informiert haben soll.

Der FSA zufolge verheimlichte die Bank zwar nichts. Aber ihre Kommunikation habe bei weitem nicht die erforderliche Qualität gehabt, sagte die zuständige FSA-Direktorin Margaret Cole. So habe Goldman es versäumt, der Behörde mitzuteilen, von der SEC bestimmte Mahnungen erhalten zu haben, in denen die US-Börsenaufsicht auf Vorbereitungen zu einem Ermittlungsverfahren hingewiesen hatte.

Die FSA teilte mit, Goldman Sachs habe vollständig mit den Ermittlern zusammengearbeitet. Daher seien die Strafzahlungen um 30 Prozent gesenkt worden. Ein Goldman-Sprecher sagte in London: "Wir sind froh, dass die Angelegenheit geregelt ist."

Diese Einschätzung dürfte etwas voreilig sein. Denn die Bank sieht sich noch mit Klagen von Aktionären konfrontiert. Diese werfen der Führung um Vorstandschef Lloyd Blankfein vor, nicht rechtzeitig über die SEC-Ermittlungen informiert und damit den Aktienkurs künstlich hochgehalten zu haben.

Rekordvergleich mit der US-Börsenaufsicht

Im Juli hatte sich Goldman Sachs mit der SEC auf einen Rekordvergleich in Höhe von umgerechnet knapp 425 Millionen Euro geeinigt. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann. Goldman hatte 2007 einen verbrieften Hypothekenkredit mit dem Namen Abacus auf den Markt gebracht. Als der US-Immobilienmarkt einbrach, verloren die Papiere wenig später massiv an Wert.

Laut SEC hatte die Bank dabei verschwiegen, dass einer ihrer wichtigsten Kunden, der Investmentfonds Paulson, auf die Schaffung des Produkts gedrungen habe und gleichzeitig auf den Verfall der Papiere wettete. Die Kreditgeschäfte kosteten zwei europäische Banken fast eine Milliarde Dollar, Paulson soll von ihnen profitiert haben. Mehrere britische Banken waren von dem massiven Wertverlust der dubiosen Anleihen im Zuge der Finanzkrise betroffen. Die Bank of Scotland entging nur knapp dem Bankrott und musste verstaatlicht werden.

Von den 550 Millionen Dollar gingen 150 Millionen an die deutsche Förderbank KfW. Sie war Eigentümerin der Mittelstandsbank IKB gewesen, die zum Kreis der geschädigten Goldman-Anleger gehörte.

Die Bank hatte gegenüber der SEC eingeräumt, dass der Verkaufsprospekt "unvollständige Informationen enthielt" und versprach, die Geschäftspraktiken zu verbessern. Verkauft wurde Abacus vom französischen Banker Fabrice Tourre, der den Vorwurf einer Irreführung von Anlegern durch ihn oder die Bank allerdings zurückgewiesen hatte.

ulz/dpa/AP/Reuters



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kamsala 09.09.2010
1. Saftig...
21,2 Millionen... bei einem Stundesatz von minimal 2 Millionen Dollar die Stunde hat der Bruder Goldmann das in ein paar Stunden raus. Aber wenn's durchrechne, die 75 Euro, die jemand mit Mindestlohn entsprechend Zahlen müsste, wären schon saftig, irgendwie... Abgesehen davon... dort wo der Angeklagte gleichzeitig Richter und Henker ist, hat er nicht viel zu erwarten, außer einer öffentlichen Ohrfeige.
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