Miese Zahlen US-Zentrale und Deutschland-Chef watschen IBM-Mitarbeiter ab

Alarm bei IBM: Nach Informationen der "FTD" setzt der US-Konzern seine deutsche Tochter stark unter Druck. Grund ist die miese Geschäftsentwicklung. Auch Deutschland-Chef Jetter keilt gegen die eigenen Mitarbeiter. Ihre Leistungen seien nicht ausreichend.

IBM: Es mangelt an großen Deals
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IBM: Es mangelt an großen Deals


Hamburg - Schwere Zeiten für die deutsche Niederlassung von IBM: Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") kritisiert die Zentrale des US-Konzerns die hiesige Landesgesellschaft scharf. Der Grund dafür seien schwache Zahlen im zweiten Quartal.

"Die US-Mutter übt derzeit gehörigen Druck aus", zitiert die "FTD" aus Aufsichtsratskreisen des Unternehmens. Auch habe Deutschland-Chef Martin Jetter bereits reagiert und in einem internen Schreiben die Leistungen der Mitarbeiter als unzureichend kritisiert: "Nur, wenn jeder von uns jetzt seinen persönlichen Beitrag leistet, können wir die gesetzten Prioritäten umsetzen."

Nach "FTD"-Angaben ging der Umsatz in Deutschland zwischen April und Juni um sechs Prozent zurück. Der Umsatz des gesamten Konzerns stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dagegen um zwei Prozent auf 23,7 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro). Die Bundesrepublik ist der wichtigste Markt für IBM in Europa. Rund 21.500 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern hierzulande. Außerdem betreibt er ein Entwicklungszentrum in Böblingen bei Stuttgart.

Einstige Ikone der Tech-Industrie

Die schlechte Entwicklung der wichtigen deutschen Tochter ist auch deswegen brisant, weil IBM den Gewinn pro Aktie bis 2015 auf 20 Dollar verdoppeln will. Entsprechend müssen die Renditen steigen - und jede Landesgesellschaft einen Beitrag zum Gewinnplus leisten. Allerdings sind nach "FTD"-Angaben nur wenigen Managern die genauen Ziele der deutschen Niederlassung bekannt.

IBM-intern heißt es zu den enttäuschenden Zahlen durchaus selbstkritisch, der Konzern habe in Deutschland zu lange auf das Geschäft mit Finanzdienstleistern wie Banken und Versicherungen gesetzt und den Mittelstand vernachlässigt. Neben Problemen in der Beratungs- und der Software-Sparte leidet IBM hierzulande vor allem unter einem schwachen Neugeschäft. Es fehlten große Deals, beklagte Landeschef Jetter vor kurzem.

IBM war einst eine Ikone der Tech-Industrie. Auch in Deutschland war der Ruf des Konzerns so exzellent, dass er lange zu den beliebtesten Arbeitgebern gehörte. Das Unternehmen hat deshalb viele bekannte Manager hervorgebracht - unter anderem den ehemaligen BDI-Chef Hans-Olaf Henkel. Auch die späteren SAP-Gründer begannen ihre Karrieren bei IBM.

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