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Kurz vor Mietpreisbremse: Mieten steigen in Rekordtempo

Wohnungen in Frankfurt am Main: Rasanter Anstieg im ersten Quartal Zur Großansicht
DPA

Wohnungen in Frankfurt am Main: Rasanter Anstieg im ersten Quartal

Die Regierung plant eine Mietpreisbremse - doch zuvor langen Deutschlands Vermieter noch einmal kräftig zu. Einer Untersuchung zufolge sind die Neuvertragsmieten in den ersten drei Monaten 2014 so schnell gestiegen wie im gesamten Vorjahr.

Berlin - Es sieht aus, als sicherten sich die Immobilienbesitzer bei ihren Mietwohnungen noch schnell jene Gewinne, die ihnen künftig beschnitten werden sollen. Seit Jahresbeginn sind die Angebotsmieten in ganz Deutschland um durchschnittlich fast drei Prozent gestiegen. Vor allem in mittelgroßen Städten verlangen Vermieter jetzt deutlich mehr als noch vor drei Monaten, berichtet das Internetportal Immobilienscout24 unter Verweis auf eine Auswertung von Mietangeboten. Der Preisanstieg folgt demnach unmittelbar auf die Ankündigung der Großen Koalition, eine umfassende Mietpreisbremse einzuführen.

Dem Unternehmen zufolge ist die dreiprozentige Erhöhung der größte Preisanstieg seit Erstellung des eigenen Immobilienindex IMX. Eine bundesweite Steigerung in diesem Umfang habe früher ein ganzes Jahr gedauert. Immobilienscout24-Geschäftsführer Marc Stilke hält es für "erstaunlich" dass die Mieten direkt nach dem Bekanntwerden der Koalitionspläne so stark nach oben geschossen sind. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass Vermieter vor Inkrafttreten der neuen Regulierung Fakten schaffen wollen und jetzt teurer vermieten, als sie es sonst tun würden."

Schon Anfang der Woche hatte das Immobilienportal eine Umfrage veröffentlicht, nach der Vermieter alles tun, um die Einnahmen auszugleichen, die ihnen möglicherweise durch die Mietpreisbremse entgehen. Mit der Mietpreisbremse will Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) eigentlich Abzocker ausbremsen und den Trend der - vor allem in Großstädten - rasant steigenden Mieten stoppen. Das Gesetz soll voraussichtlich im Laufe des Jahres 2015 in Kraft treten.

Immobilenscout24 zufolge sind die starken Erhöhungen regional allerdings sehr unterschiedlich verteilt: In den Großstädten München, Hamburg und Köln stagnierten die Neuvertragsmieten im ersten Quartal des Jahres. Eine mögliche Erklärung ist, dass Vermieter noch höhere Preisforderungen hier nicht mehr durchsetzen können. Vor allem Neumieter in München und Hamburg müssen schon jetzt enorm hohe Mieten zahlen, wenn sie eine neue Wohnung wollen.

Größter Treiber des bundesweiten Mietpreisanstiegs sind derzeit dem IMX zufolge vor allem mittlere Großstädte. Die größten Steigerungen gab es in den vergangenen drei Monaten in Trier, Jena, Regensburg und Stuttgart. Dort sind die Angebotsmieten im ersten Quartal 2014 um mehr als vier Prozent gestiegen, ähnlich sieht es in Berlin und Frankfurt aus.

nck

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1. Genial von unserer Regierung gegen das Volk.
prince62 17.04.2014
Zitat von sysopDPADie Regierung plant eine Mietpreisbremse - doch zuvor langen Deutschlands Vermieter noch einmal kräftig zu. Einer Untersuchung zufolge sind die Neuvertragsmieten in den ersten drei Monaten 2014 so schnell gestiegen wie im gesamten Vorjahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mieten-in-deutschland-steigen-laut-immoscout-vor-mietpreisbremse-stark-a-965005.html
Ist doch genial gedacht und gemacht von unserer neoliberalen und markthörigen Regierung gegen das Volk, erst die Mietpreisbremse groß und lang ankündigen und damit den ganzen Gierhälsen einen Grund geben, die Mieten drastisch anzuziehen, die Mietpreisbremse wird dann aber nicht kommen, denn wenn die Regierung Merkel eines gut macht, dann daß sie nix macht.
2. Nicht überraschend
Leserzuschrift 17.04.2014
Jeder Eingriff des Staates in die Wirtschaft führt zu Ausweichbewegungen. Jetzt kommen die Mieterhöhungen, später ein Einbruch der Bautätigkeit, außerdem werden Vermieter die Mieter noch selektiver auswählen als bisher. Ist doch jedem klar, der mit gesundem Menschenverstand darüber nachdenkt. Aber für die Politik ist halt eine Mietpreisbremse billiger als die Förderung der Schaffung von Wohnraum - das und der Ausbau von Nahverkehr in Ballungszentren zur Erhöhung der Attraktivität des Umlandes wäre tatsächlich ein probates Mittel gegen hohe Mieten...
3. Wenn ich das schon höre!
Europa! 17.04.2014
Zitat von sysopDPADie Regierung plant eine Mietpreisbremse - doch zuvor langen Deutschlands Vermieter noch einmal kräftig zu. Einer Untersuchung zufolge sind die Neuvertragsmieten in den ersten drei Monaten 2014 so schnell gestiegen wie im gesamten Vorjahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mieten-in-deutschland-steigen-laut-immoscout-vor-mietpreisbremse-stark-a-965005.html
"Gewinne" aus Vermietung sichern ... So etwas kann wohl nur jemand schreiben, der keine Ahnung von Immobilien und ihrer Nutzung hat. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum das einschlägige Formular des Finanzamts "Verluste aus Vermietung und Verpachtung" heißt? Je schneller die "Mietpreisbremsen" greifen, desto schneller wird dieser Mieterquatsch ein Ende finden und die Leute wohnen endlich in den eigenen vier Wänden, statt rumzujammern.
4. Nun ja...
nixkapital 17.04.2014
Zitat von sysopDPADie Regierung plant eine Mietpreisbremse - doch zuvor langen Deutschlands Vermieter noch einmal kräftig zu. Einer Untersuchung zufolge sind die Neuvertragsmieten in den ersten drei Monaten 2014 so schnell gestiegen wie im gesamten Vorjahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mieten-in-deutschland-steigen-laut-immoscout-vor-mietpreisbremse-stark-a-965005.html
...der Kapitalismus ist eben erst einmal ein System der Raffkes und derjenigen, die deren Gier durch Arbeit oder Geld befriedigen sollen. Da sich der Staat ja auch aus diesem Segment zurückgezogen hat, fehlt das Korrektiv des sozialen Wohnungsbaus. So wird das Leben der Jungen und der Alten immer teurer. Die Zukunft? Verödete Innenstädte, Gentrifizierung, Landflucht, Ghettosierung. Und die Politik schaut weg.
5.
m.schrader 17.04.2014
naja, war doch ehedem nicht ernst gemeint und nur Placebo fürs Volk!
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Studie: Wo Mieter und wo Vermieter leiden

Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.

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